Ronneburger Martin Bäumler kehrt zum Handball zurück

Martin Bäumler findet, dass Handballer die besseren Fußballer sind, ist aber nach Aufstieg und Torjägerkrone zum HSV Ronneburg zurückgekehrt.

Nach zwei Jahren Fußball-Pause kehrt Ronneburgs Kreisläufer Martin Bäumler (links) wieder ins Handball-Team zurück.

Nach zwei Jahren Fußball-Pause kehrt Ronneburgs Kreisläufer Martin Bäumler (links) wieder ins Handball-Team zurück.

Foto: Jens Lohse

Ronneburg. Martin Bäumler ist zurück. Der 36-Jährige läuft wieder für Handball-Thüringenligist HSV Ronneburg auf. „Ich will wieder dahin, wo ich bei meinem Abschied vor zwei Jahren war, die Nummer eins als Kreisläufer sein.“

Seinen Abstecher zum Fußball bereut er aber nicht. Mit dem FSV Ronneburg gelang der Aufstieg in die Kreisliga, mit 25 Treffern sicherte er sich die Torjägerkrone. „Man sagt nicht umsonst, die Handballer sind die besseren Fußballer.“ Er schmunzelt. Seine Jahre auf dem Parkett halfen ihm auf dem Rasen. „Als Handballer musst du immer hellwach sein, fokussiert, du bist es gewohnt, gedankenschnell abzuschließen, hast den Zug zum Tor, bist 1:1-Situationen gewohnt - und als Kreisläufer wirst du nichts, wenn du nicht den Körper einsetzen kannst.“

Doch im zweiten Jahr fühlte er sich nicht mehr so wohl als Kicker, die Corona-Pandemie zerpflückte die Saison, er erschien kaum noch zum Training, ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen waren die Folge. „Was mache ich, wenn ich Langeweile habe, ich geh zum Kühlschrank.“ Die Mannschaftskameraden lästerten schon mal, aber in Gerd-Müller-Manier versenkte der 110-Kilo-Mann die Bälle im Netz. „Als Kreisläufer musst du ahnen, wo der Ball hinkommt, musst schnell das Richtige tun. Das hat mir als Fußballer geholfen. Ich stand oft goldrichtig.“

Nun wieder Handball. Trainer Stefan Koska hat ihn wieder in die Sporthalle an der Zeitzer Straße gelotst. In den vier Saisonspielen bis zur erneuten Zwangspause bekam er Einsatzzeiten, kommt als Kreisläufer in Fahrt und hat sich entschieden in jedem Fall noch eine weitere Saison dranzuhängen. „Vor dem ersten Saisonspiel war ich aufgeregt wie nie“, sagt er. In der Corona-Pause heißt es, sich fit halten, so gut es eben geht. Der Trainer hat eine 7:7-Challenge angesetzt. Sieger ist, wer als Team die meisten Kilometer auf der Rad- und Laufstrecke schafft. „Hoffentlich kann ich bald wieder den Ball in die Hand nehmen“, sagt er.

Die Pfunde purzeln, vieles geht wieder leichter von der Hand. Seit seiner Jugend spielt er in Ronneburg Handball, unterbrochen von Abstechern zum Zwickauer HC Grubenlampe und zum Post SV Gera. Als Steppke war er seinem Bruder Peter, der später Weltmeister im Kickboxen wurde, an den Ring gefolgt. Als Trainer Jürgen Knips ihn zum Wettkampf mitnehmen wollte, da wollte er nicht. Also Handball.

In den Anfangsjahren war sein Vater Jürgen der Trainer, da war Handball auch am Küchentisch ein Thema. Doch seit ihn sein Vater 1996 mit ins Ernst-Abbe-Stadion nahm, ist ihm kein Weg zu weit, um den FC Carl Zeiss spielen zu sehen. Als er mit den Handballern auf Saisonabschlussfahrt in Prag war, setzte er sich danach in den Bus und fuhr elf Stunden nach Köln, um die Jenaer im Drittligaaufstiegsspiel anzufeuern.

Ja, der Fußball. Fast verpasste er sein Abschiedsspiel. Am Nachmittag war er in Jena, auf dem Rückweg war die Autobahn verstopft. Auf den letzten Pfiff erschien er zur Verabschiedung. Die Bilder vom 5. Mai 2018 hat er gespeichert, im Kopf, auf dem Handy. Ein emotionaler Abschied. Doch nun steht alles wieder auf Anfang, er ist zurück auf dem Parkett.