Rot-Weiß Erfurt gegen Fahner Höhe: Wie ein Klassentreffen

Erfurt.  Beim 3:0 des FC Rot-Weiß Erfurt über den FC An der Fahner Höhe begegneten sich viele ehemalige Weggefährten am Sonntag im Steigerwaldstadion.

Der ehemalige Erfurter Spieler Jens Möckel (rechts im Bild) kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Der ehemalige Erfurter Spieler Jens Möckel (rechts im Bild) kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Foto: Sascha Fromm

Mit einem Grinsen betrat er die Stadion-Katakomben. Niederlage hin oder her. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier noch mal auflaufe“, sagte Jens Möckel und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Über 200 Mal hatte er in Pflichtspielen das rot-weiße Trikot getragen, zuletzt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt. Nach dem Drittliga-Abstieg und der Insolvenzeröffnung beendete er seine Profikarriere und begann eine Umschulung im kaufmännischen Bereich.

„Das war das Beste, was ich machen konnte“, sagte er. Doch so ganz ohne Fußball ging es auch nicht. Im Sommer ließ sich der Innenverteidiger bei Fahner Höhe auf das Abenteuer Oberliga ein und kehrte nun ins Steigerwaldstadion zurück. Am Ende stand zwar ein klares 3:0 für den Favoriten. Dennoch zollte Möckel seinem „echten Amateur-Team“ Respekt: „Wir haben es für unsere Verhältnisse gut gemacht und uns teuer verkauft.“

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Auch sein Trainer Tobias Busse – wie so viele bei Fahner Höhe mit ei­ner rot-weißen Vergangenheit, resümierte nach der Art Klassentreffen: „Zum siebten Mal in dieser Saison habe ich unsere Mannschaft nicht krass unterlegen gesehen.“ Hätte Preller die Handelfmeter-Chance in der 62. Minute genutzt und den Ball nicht über den Querbalken gefeuert, wäre sogar eine Überraschung nicht ausgeschlossen gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt führten allerdings die Erfurter in den neuen Heimtrikots längst mit 2:0. Chaabi hatte die Führung mit einer Klasse-Aktion im Anschluss an N’Diayes Freistoß besorgt (11.). Kurz vor der Pause ließ sich der Außenseiter ausgerechnet nach einem eigenen Eckball übertölpeln. Mergel und Chaabi konterten sich per Doppelpass bis vor das gegnerische Tor, wo Mergel noch Reinwald aussteigen ließ und auf 2:0 erhöhte (43.).

„Das lernt man spätestens bei den C-Junioren, dass dies nicht passieren darf“, kritisierte Busse. Und Manuel Rost, sein Erfurter Kollege, erklärte: „Wir haben in verschiedenen Phasen auch das Spielglück gehabt. Bei eigenem Ballbesitz funktionierte längst nicht alles. Aber wir haben uns den Sieg mit Einsatz, Laufbereitschaft und Individualität geholt. Das freut uns natürlich.“

Fahner-Höhe-Trainer Busse: „Zum siebten Mal nicht krass unterlegen“

Es war der fünfte Dreier hintereinander und der Sprung auf Tabellenplatz zwei, der letztlich mit dem Gros der 2260 zugelassenen Besucher gefeiert wurde. Ein paar Gästefans hatten auch den Weg in die Arena gefunden und auf einem Transparent für ihren Verein verkündet: „Heute wird ein Traum wahr.“

Auf dem Rasen schenkte Fahner Höhe indes keinen Meter her, ging aggressiv zu Werke und ließ in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zu. Erst in der Nachspielzeit machten die Rot-Weißen per Gegenzug alles klar. Nsimba war allen auf und davon gelaufen und hatte Mergel bedient, der nur noch zum 3:0 ins verwaiste Tor einschieben musste.

Trotz des Jubels über die aktuelle Siegesserie gab Möckel seinen rot-weißen Nachfolgern Demut mit auf den Weg: „Wichtig für den Club wäre, dass hier alle Ruhe bewahren.“