Schiedsrichter Lorenzen: Gerechtigkeitssinn auf dem Platz und im Beruf

| Lesedauer: 4 Minuten

Erfurt/Klettbach  Der 37-jährige Sebastian Lorenzen, Mitarbeiter in einer Patentanwaltskanzlei, spielte bei Eintracht und Lok Erfurt Fußball, ehe er zum Thüringenliga-Referee aufstieg.

Kein Kartenfreund: Nur wenn es zwingend erforderlich ist, wie hier im Thüringenligaspiel FSV Ohratal gegen Eintracht Sondershausen, zückt Sebastian Lorenzen seine Karten.

Kein Kartenfreund: Nur wenn es zwingend erforderlich ist, wie hier im Thüringenligaspiel FSV Ohratal gegen Eintracht Sondershausen, zückt Sebastian Lorenzen seine Karten.

Foto: Mike El Antaki

Was macht ein Verein, wenn er Schiedsrichter sucht? Er geht auf die Aktiven zu. So wie A-Junioren-Trainer Andreas Ratz vom ESV Lok Erfurt das bei Sebastian Lorenzen tat. Der hatte bis dahin zehn Jahre Fußball gespielt. Zuerst in der D-Jugend bei Eintracht Erfurt, ab den B-Junioren dann bei Lok. Im zweiten Männerjahr entschied er sich zwar dagegen, einer von elf Kickern auf dem Platz zu sein, aber die Rolle des so wichtigen 23. Manns übernahm er von da an gern.

Dankbar ist er Frank Tellenhofer, selbst Unparteiischer im Stadt-Fußballausschuss (KFA) Erfurt. Der stand nach der erfolgreichen Prüfung 2001 von Lorenzen oft bei ihm am Spielfeldrand und hat die jeweilige Partie mit dem jungen Mann hinterher ausgewertet. Der Weg von Sebastian Lorenzen führte rasch nach oben. Schon drei Jahre nach seinem Einstand als „Herr“ über zwei Mannschaften war er in der Landesklasse angekommen.

Kommunikativ, ohne Vorurteile, mit Spaß

2012 durfte er das erste Spiel in der Thüringenliga pfeifen. Vielleicht wäre ihm der Sprung dorthin sogar schneller gelungen, wenn Lorenzen nicht fast fünf Jahre, von Januar 2007 bis Dezember 2011, im Bundesland Baden-Württemberg zuhause gewesen wäre. Hier absolvierte er seine Ausbildung zum Patent- und Rechtsanwalt-Fachangestellten und ist seit 2012 als Sachbearbeiter in einer Erfurter Patentanwaltskanzlei tätig.

Gefragt nach seinen Stärken als Referee sagt er: „Ich bin so wie viele in dieser Klasse ein kommunikativer Unparteiischer. Ich habe gegenüber keinem Spieler Vorurteile und behandle alle gleich. Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, werfe ich auch nicht mit Karten um mich. Und ich gehe mit der Prämisse in eine Begegnung, sie zu genießen und sich selbst nicht so einen Druck aufzubauen. Das habe ich vor allem als Assistent in höheren Spielklassen gelernt.“

Lorenzen würde sich zwar freuen, wenn sich die Tür für die Oberliga öffnen würde. Aber er ist mit seinen 37 Jahren Realist genug, um selbst einzuschätzen, dass der Zug in eine höhere Leistungsklasse, die eine reizvolle Aufgabe wäre, wohl abgefahren ist. Und er weiß auch, dass der Zeitaufwand dann deutlich größer werden würde. Das möchte sich der Mann aus Klettbach mit Frau und zwei Kinder im Alter von zwei und sechs Jahren, dem Beruf, einem Haus, Garten und Hund nicht wirklich antun. „Es wäre nicht fair gegenüber denen, die bessere Möglichkeiten haben, dies von der Leistung und vom Zeitaufwand umsetzen zu können“, meint er.

Engagement über die Spielleitung hinaus

Dennoch geht der Einsatz von Lorenzen, der derzeit für den SV Concordia Riethnordhausen pfeift, über die Leitung eines Spiels am Wochenende hinaus. Im Kreisfußballausschuss Erfurt-Sömmerda ist er Mitglied des Schiedsrichterlehrstabs und steht als Beobachter für junge Unparteiische zur Verfügung. Wenn es passe, sei er auch beim Coaching mit dabei und betreue Schiedsrichter-Anfänger. Ein- bis zwei Mal im Jahr filmt er Szenen aus Spielen von Nachwuchsschiedsrichtern und stellt sie dann bei Lehrabenden als „Sequenzen aus der Praxis“ vor.

Der Corona-Pause, in der er ab und an mal joggt, gewinnt er auch Positives ab, hat mehr Zeit mit der Familie. „Aber die Fahrten zu den Spielen im Team machen viel Spaß. Man erlebt immer wieder mal etwas Neues und Unerwartetes. Mir fehlen auch die Gespräche mit den Kollegen oder mit Leuten, die man lange nicht gesehen hat“, hofft er so wie alle Unparteiischen, dass Corona bald nur noch ein Stück Geschichte ist.