Schindler lässt FC An der Fahner Höhe jubeln

Dachwig.  Der Neuzugang aus Weimar schießt den Aufsteiger zum 2:0 gegen Merseburg. Ein Sieg beinahe aus dem Nichts.

Doppeltorschütze Marvin Schindler (Mitte) feiert seinen Treffer und wird von seinen Dachwiger Teamgefährten gefeiert.

Doppeltorschütze Marvin Schindler (Mitte) feiert seinen Treffer und wird von seinen Dachwiger Teamgefährten gefeiert.

Foto: Marcel Minar

So ist Fußball. Eben die Sphinx unter den Sportarten. Unberechenbar und wenig später die schon entschlummerten Fans von ihren Sitzen reißend. So geschehen beim 2:0-Sieg der Dachwiger gegen den Merseburger Gast.

Schmalhans war über etwas mehr als eine Stunde Küchenmeister. Beide waren angetreten, defensiv aufmerksam zu stehen, bloß keinen Gegentreffer zu kassieren. Bei den Einheimischen verständlich, musste Trainer Tobias Busse seine verletzten Stabilisatoren in der Innendeckung, Jens Möckel und Robert Lischke, dazu noch den routinierten Maik Baumgarten auf der defensiven Sechs ersetzen. Busse reaktivierte kurzerhand seinen Co-Trainer Christian Heim („Der Heimer ist noch ganz schön fit!“) und beorderte den per Kreuzbandriss rund ein halbes Jahr ausgefallenen Zweimetermann Artur Machts neben ihn ins Deckungszentrum, ohnehin seine Stammposition. Beide – schon sturmerprobt – erledigten ihren Tagesjob, als wären sie nie weggewesen. Tabellennachbar Merseburg machte aber auch keine Anstalten, die personelle Fahner-Misere auszunutzen und Spielführung zu übernehmen.

So plätscherte die Partie, permanent von Fehlpässen „garniert“, in einer Art Pingpong dahin und fraß sich im Mittelfeld fest. Tormöglichkeiten? Fehlanzeige! Torannäherungen? Mitnichten! Die Null muss stehen. Diesem sprichwörtlichen Status schienen beide nachdrücklich gerecht werden zu wollen.

Und dann kam Schindler

Und dann kam Marvin Schindler. Der hatte etwas dagegen. Der stets offensiv denkende und orientierte Neuzugang aus Weimar. Mit der Tendenz, alles mit feiner Technik lösen zu wollen. Von Trainer Busse nach dem dusseligen „Rot“ im zweiten Mecker-Nachfassen für Merseburgs Sikou Konate etwas mehr nach vorn geschoben, den wendig-auffälligen Elshan Aliyev sowie Sturmtank Carlo Preller in ihren bis dato einsamen Offensivbemühungen unterstützend. Er wurde zum Unterschiedsspieler. Mit dieser taktischen „Waffe“ plus eingewechseltem Lückenläufer Norman Müller kam der Gast überhaupt nicht zurecht. Auf einmal kamen die Einheimischen im schnellen Umschaltspiel zu Chancen. Schindler veredelte eine Ecke zur Führung (65.). Und zwei Minuten später hing der Fahnersche Himmel endgültig voller Geigen. Doppelpacker Schindler hatte einen langen Pass von Artur Machts im Konter gefühlvoll ins das Merseburger Gehäuse gefiedelt.

Sekunden später musste Dauerläufer Daniel Winge das 3:0 machen. Sein Schuss, aus Nahdistanz frei vorm Keeper, bekam allerdings Kontakt mit dem Schnee auf den Spitzen des Matterhorns. Der konsternierte Gast wurde in kürzester Zeit aus dem „Die-Null-muss-stehen-Traum“, der nun zum Trauma wurde, gerissen.

Fahner zum dritten Mal zu null

Ein sichtlich aufgeräumter Tobias Busse konstatierte freudig: „Wir haben in fünf Spielen zum dritten Mall zu null gespielt. Und das, obwohl unsere aus der Not geborene Innendeckung mit meinem Co-Trainer und Artur überhaupt keine Spielpraxis hatte.“

Sprach’s und verschwand im Spielerkreis, aus dem diesmal die Jubelgesänge stiegen.

Aus dem Kreis löste sich ein bedächtig-grienender, mit sich zufriedener Artur Machts als erster: „Eh’ sie fragen, ob ich mit mir zufrieden war, vor allem bin ich für den Moment kaputt. Es ist schon was anderes, ob man seine ersten Gehversuche nach so langer Pause in der zweiten Mannschaft unternimmt oder in der Oberliga. Aber wir haben gewonnen. Da werden die Muskeln schnell wieder locker.“

Und Machts wies auf den auf der Gegengeraden sitzenden Marvin Schindler: „Der war unser Bonus und hat uns die drei Punkte gesichert.“ Der Mann des Tages hatte sich kurz davon gemacht, saß geplättet und in sich gekehrt auf einer Traversenstufe vor der Tribüne, die Beine weit von sich gestreckt: „Wenn’s gerade nicht so aussieht, klar freue ich mich über meine beiden Tore. Aber vor allem, weil wir das Spiel doch noch gezogen haben.“ Und selbstkritisch ergänzend: „Konditionell muss ich noch einiges aufholen. Nicht so einfach, wenn man wie ich in meinem Job bei der Agentur für Arbeit eine zumeist sitzenden Beschäftigung hat.“

Die Nachdenklichkeit wich aber schnell der nun auch im Gesicht sichtbaren Freude: „Wir als Aufsteiger haben sieben Punkte. Wer hätte das nach fünf Spielen geglaubt!“