Schnellmannshausen stürzt den Spitzenreiter

Treffurt.  Handball-Landesligist Schnellmannshausen wahrt mit dem 34:32-Erfolg gegen den Thüringer HC seinen Heimnimbus

Tolle Geste: Für den verletzten Sascha Fiedler hatte die SG Schnellmannshausen (li. Pascal Luhn, re. David Jauernik)  extra T-Shirts anfertigen lassen.  

Tolle Geste: Für den verletzten Sascha Fiedler hatte die SG Schnellmannshausen (li. Pascal Luhn, re. David Jauernik) extra T-Shirts anfertigen lassen.  

Foto: Mike El Antaki

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„Über 60 Minuten Tempo hochhalten“, das hatten Philipp Koch und Dominik Wehner von ihrer SG Schnellmannshausen verlangt, um Spitzenreiter Thüringer HC ein Bein zu stellen. Der Plan des Trainerduos ging auf. Die Gastgeber begeisterten nach Ballgewinnen mit Vollgas-Handball, nutzten ihre athletischen Vorteile und blieben mit dem 34:32 (15:12) auch im 16. Heimspiel hintereinander ungeschlagen. „Das war eine tolle Mannschaftsleistung. In der Schlussphase hatten wir den längeren Atem. Vom THC kam da nicht mehr viel“, benannte Wehner den siegbringenden Unterschied.

Allerdings sah es Mitte der zweiten Hälfte so aus, als könnte die Festung erobert werden. Ausgerechnet wieder von jenem THC, der den Schnellmannshäusern am 24. März 2018 die bis dato letzte Heimpleite zugefügt hatte. Denn die Gäste kämpften sich immer wieder heran und machten aus einem 24:26 (44.) eine 27:26-Führung (49./Mickley vom Punkt). Doch dann ging den THC-Routiniers, bei denen auch der 92er Olympiasieger Andrej Minevski (50) auf dem Parkett stand, die Puste aus. Schnellmannshausen schaltete indes nochmal einen Gang hoch. Mehrere Konter brachten einen 6:0-Lauf und verzückten die Fans, die nach dem 34:29 (Wiegand) ihr Team in den verbleibenden zweieinhalb Minuten mit stehenden Ovationen feierten.

So einigen in der Halle war schon vor dem Spiel warm ums Herz geworden, wenn man die Schnellmannshäuser Akteure da beim Aufwärmen beobachtete. Alle hatten T-Shirts mit dem Aufdruck „Come back stronger Sascha“ übergestreift. Die Wünsche gingen an Sascha Fiedler, der sich beim Auswärts-Kampf in Gera schwer verletzt hatte. Tags darauf stand der vielseitige Sportsmann sogar 25 Minuten für Falkens Kreisliga-Fußballer auf dem Rasen, ehe die Schmerzen immer stärker wurden. Wenige Tage später wurde ein Kreuzbandriss diagnostiziert. Im Februar wird „Fiedel“ , wie ihn seine Teamkollegen nennen, in der Erfurter Sportklinik operiert. Der Rückraum-Mittellmann dirigierte diesmal von der Bank aus mit und sprach nach der Partie mit heiserer Stimme in höchsten Tönen über seine Teamkollegen. Keeper Florian Bergmann hob er heraus und bescheinigte ihm eine „bärenstarke Leistung“.

Vor stimmungsvoller Kulisse – auch die vielen THC-Fans trugen ihren Teil dazu bei – lieferten sich die Teams ein hochklassiges Landesligaspiel, das packend und phasenweise hitzig verlief. Dem Gast gelang anfangs im Angriff fast nichts. Entweder landeten die Bälle am Holz oder bei Bergmann, der auch den ersten THC-Strafwurf entschärfte. Da Schnellmannshausen ebenfalls klare Wurfchancen verballerte, stand es nach neun Minuten erst 3:1. Der Gastgeber wirkte überdreht und hatte viel Mühe, sich gegen die Hünen im Abwehr-Innenblock durchzusetzen. Der THC glich beim 4:4 erstmals aus und blieb bis zum 9:10 (23.) dran, ehe sich die Hausherren in den letzten Minuten der ersten Hälfte mit kuriosen Treffern etwas absetzten. Kevin Gellrich drückte den Ball wie ein Kegler zum 14:10 unten rein und Sekunden später fand auch ein „Notwurf“ von Marko Wiegand den Weg ins Netz. „Es sieht gut aus, so müssen wir weitermachen“, gab Fiedler dem Team mit für Hälfte zwei.

Doch die kleine Führung war nach Wiederbeginn schnell futsch. Gäste-Kreisläufer Marcus Baumgarten schaffte mit dem 21:21 (41.) erstmals wieder den Ausgleich. Dann machte Minewski ernst. „Er droht ja immer sich einzuwechseln“, scherzte THC-Coach Ingo Irovsky vor dem Spiel über die zweite Hälfte des Trainerduos. Der Russe traf zwar zum 24:25-Anschluss, meckerte aber und musste für zwei Minuten raus. Es waren auch die insgesamt neun, zum Teil umstrittenen Zeitstrafen, denen die THC-Männer am Ende Tribut zollen mussten.

Drei Schnellmannshäuser Youngster hatten dagegen sogar noch Luft für weitere 60 Minuten. Nach kurzer Verschnaufpause liefen Robin Kaufmann, Leon Biehl und Tobias Wiegand für die SGS-Reserve auf und feierten gegen Krauthausen (28:23) gleich noch einen Sieg.

SGS: T. Wehner, Bergmann, Gärtner - Gellrich 2, Hengst 8, Kaufmann 2, P. Jauernik 2, D. Jauernik, M. Wiegand 13/3, T. Wiegand 4, Biehl, Luhn 3/1.

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