Schwarz-Weiß Erfurt startet Vorbereitung mit halbem Kader

Erfurt.  Der Volleyball-Bundesligist muss wohl ohne die Zugänge aus Übersee beginnen.

Für Michelle Petter und ihr Schwarz-Weiß-Team soll am Montag in einer Woche das Training auf die neue Bundesliga-Saison wieder anlaufen.

Für Michelle Petter und ihr Schwarz-Weiß-Team soll am Montag in einer Woche das Training auf die neue Bundesliga-Saison wieder anlaufen.

Foto: Sascha Fromm

Links vorbei am Block oder rechts, diagonal oder der Linie entlang. Meist mit Feuer. Nur wenige haben in der vergangenen Bundesliga-Saison den Ball immerzu so ins Feld geschmettert wie Schwarz-Weiß-Außenangreiferin Danielle Brisebois; noch dazu aus so einer Höhe, aus der sie beinahe zu einem Dunking am Basketballkorb hätte fliegen können. Umso mehr hätten sich die Erfurter gewünscht, dass die sprunggewaltige Kanadierin weiter für sie punktet. Immerhin: Es gibt ein Wiedersehen.

So der Bundesliga-Plan in der gerade so unsicheren Zeit durch die Corona-Pandemie aufgeht, schlägt die dann 26 Jahre alte Angreiferin am 21. November in der Riethhalle auf. Mit Florian Völker an der Seitenlinie, der sie vor einem Jahr in die Thüringer Landeshauptstadt geholt hat. Und mit Vilsbiburg, wohin sie dem Coach neben Co.-Trainerin Rebekka Schneider in diesem Sommer gefolgt ist. Im Trio haben sie sich nach einem Jahr in Erfurt den Roten Raben angeschlossen.

Viele Auszeichnungen für Brisebois

„Wenn du gefühlt die Hälfte der Spiele MVP geworden bist, dann haben dich alle auf dem Zettel“, sagt Schwarz-Weiß-Präsident Michael Panse im Rückblick. Sechs Mal ist Brisebois in ihrem ersten Bundesliga-Jahr zur besten Erfurter Spielerin gewählt worden. Entsprechend hatte der Klubchef dem Bemühen um die angriffsstarke Nummer 12 auch nur kleine Chancen eingeräumt. Um zu großen Sprüngen bei stark umworbenen Spielerinnen anzusetzen, scheinen die Möglichkeiten ohnehin nicht groß genug. Was aber nicht bedeutet, dass die Erfurter nicht gern den einen oder anderen Gegner überraschen wollen.

Michael Panse strahlt trotz einiger offener Fragen Zuversicht aus. Die neue Mannschaft steht. Die größten finanziellen Sorgen sind dank der Hilfe für Profisportvereine durch die Landesregierung vom Tisch. In diesen Tagen kommt Trainer Dirk Sauermann aus seiner finnischen Wahlheimat in Erfurt an. Ab dem Montag in einer Woche beginnt er, das Team vor Ort fürs neue Spieljahr fitzumachen. Zunächst aber wird es wohl nur die halbe Mannschaft sein.

Visumsfrage ungeklärt

Unwahrscheinlich erscheint im Moment, dass die Spielerinnen aus Übersee noch vorm Trainingsauftakt eintreffen. Bei den US-Amerikanerinnen Maddie Palmer, Jasmine Gross, Madelyn Cole und der Kanadierin Sara Kovac hängt es aufgrund der Lage am Visum. Im Fall von Agnes Victoria Michel Tosi, die neben ihrem argentinischen Pass einen deutschen besitzt, besteht die Schwierigkeit darin, einen Flug zu bekommen. Derzeit gehen laut Panse nur neun Flüge im Monat von Argentinien nach Europa. Welche Auflagen die Einreise von Mariia Levanova aus St. Petersburg mit sich bringt, ist schwer abzuschätzen. Komplikationslos dürfte sein, dass Zuspieltalent Meghan Barthel vom Bundesstützpunkt VCO Dresden am 3. August zum Stamm stößt.

Um nicht zu riskieren, wertvolle Vorbereitungszeit durch eine Quarantäne zu verlieren, wird Schwarz-Weiß wohl die Möglichkeit nutzen, die am Flughafen eintreffenden Spielerinnen vor Ort sogleich ei­nem Schnelltest auf das Coronavirus zu unterziehen. In wenigen Stunden herrscht Klarheit.

Saisonstart wird möglicherweise verschoben

„Möglich, dass die Liga den Saisonstart aber noch einmal verschieben wird“, sagt Michael Panse. Eine der wichtigsten Fragen ist unbeantwortet. Die, ob und wie viele Zuschauer zugelassen werden können. Das erschwert die Planung – insbesondere bei den Klubs, die in Größenordnungen auf Ticket-Einnahmen bauen. „Bis Ende Oktober wissen wir, wie alles läuft“, so Panse.

Den Erfurterinnen kommt zupass, dass sie ihr erstes Heimspiel erst dann bestreiten. Zum Auftakt am 3. Oktober müssen sie nach Straubing, nach einer spielfreien Woche dann nach Aachen (17. Oktober). Gegen Potsdam und Wiesbaden folgen die ersten Auftritte in der Riethhalle am 24. und 31. Oktober.

Dank Corona-Hilfe wackelt Saison nicht

Die Aussicht, unter Umständen nur eine begrenzte Zahl an Besuchern in die Halle lassen zu dürfen, ist keine schöne. „Klar schmerzt es, wenn etwa nur 200 Zuschauer reinkommen. Aber es ist nicht so, dass die Saison wackelte“, sagt der Erfurter Klubchef auch in Dankbarkeit für die nicht selbstverständliche Corona-Hilfe vom Freistaat. Gut sechs Millionen Euro stellt Thüringen seinen Profisportvereinen zur Verfügung, um wirtschaftliche Schäden infolge der Krise abzumildern.

Erfurts Volleyball-Bundesligist ist dabei, für die Zeit vom März bis August verloren gegangene Mittel zu beantragen. Die schaffen kein Ruhekissen, weil nach wie vor Sponsoren gewonnen werden müssen, lassen aber für Panse einen optimistischen Blick in die ungewisse Zukunft zu: „So können wir mit ruhigem Gewissen Ende August final die Lizenz beantragen.“