Schwarz-Weißer Heimstart: Zwischen Spannung und Spektakel

Erfurt.  Erfurts Erstliga-Volleyballerinnen steigern sich beim 1:3 gegen Potsdam. Am Samstag kommt mit Wiesbaden eine neue Chance, aber vor leeren Rängen.

Erfurts Spielerinnen feiern einen Punkt. Noch größer viel der Jubel nach dem gewonnenen zweiten Satz gegen den Favoriten Potsdam aus.

Erfurts Spielerinnen feiern einen Punkt. Noch größer viel der Jubel nach dem gewonnenen zweiten Satz gegen den Favoriten Potsdam aus.

Foto: Sascha Fromm

Erst ist es ein Kratzen im Hals gewesen, das sie nach der Busfahrt von Aachen nach Hause nervös machte. Dann Schmerz, und dann – Entwarnung. Angina.

Wäre die Diagnose anders ausgefallen, hätte sich Sindy Lenz unter Umständen Vorwürfe gemacht. So hingegen war die Angreiferin von Bundesligist Schwarz-Weiß Erfurt am Montag vor einer Woche sogar beinahe erleichtert. „Ich wollte nicht diejenige sein, die das Ganze ankurbelt“, beschrieb die 22-Jährige ihre Gefühlslage, nachdem sie sicher sein konnte, dass sie „nur“ von einer Mandelentzündung erwischt worden war.

„Nur“, weil der Corona-Test negativ ausfiel. „Nur“, weil allein sie ein paar Tage aus dem Rennen geworfen wurde statt auch der Rest der Truppe. Und „nur“, weil trotz einer zunehmend angespannten Corona-Lage das erste Heimspiel stattfinden konnte. In dem betrieb Sindy Lenz mit ihren Erfurterinnen trotz eines 1:3 (-18, 25, -18, -20) gegen Potsdams Top-Team viel Werbung.

Trainer Sauermann sieht weiteren Schritt nach vorn

„Die Gegner werden immer stärker. Aber wir gewinnen einen Satz“, fand Erfurts Trainer Dirk Sauermann. Ungeachtet des dritten 1:3 nach Straubing und Aachen lobte er die Teamleistung. Dank dieser, viel Biss und teils spektakulär erkämpfter Punkte forderten seine Erfurterinnen vor gut 300 begeisternden Volleyball-Fans den Favoriten. Nicht viel, und sie hätten gepunktet.

5:10 lag der Außenseiter im vierten Satz vorn, um dann Potsdams Güte anerkennen zu müssen. Nach knapp zwei Stunden Spannung und Spektakel beendete die neben der Erfurterin Victoria Michel Tosi zur wertvollsten Spielerin gekürte Mittelblockerin Kelsey Veltman ein intensives Duell. „Schade, dass wir uns nicht belohnt haben. Alles in allem haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht“, so Sindy Lenz. Der Angreiferin war die Enttäuschung anzumerken wie Kapitänin Michelle Petter. Mit ihrem Team hatten sie alles gegeben, jeden Zentimeter des Feldes „gewischt“, um die Angriffe der Antonia Stautz und Co. zu kratzen. Durch den Gewinn des zweiten Satzes und einige gewonnene lange Ballwechsel sprachen beide aber von einem Schritt nach vorn.

Dabei schien es eine klare Sache zu werden. Den Erfurterinnen fehlte nach einem Drei-Punkte-Lauf im ersten Satz Wucht und Präzision im Angriff. Die direkten Punkte daraus ließen sich an einer Hand abzählen. Hinzu kamen Aufgabenfehler. Und der erste Satz war weg (18:25).

Gutes Gefühl bestätigt sich im zweiten Satz

Die Sorge, dass der Heimauftakt schnell Episode hätte werden können, trug Schwarz-Weiß-Trainer Dirk Sauermann aber nicht in sich. „Man hatte gemerkt, dass die Mannschaft da ist“, sagte er. Im zweiten Abschnitt sahen sich alle bestätigt.

Der Fehlstart schien die viel Risiko gehenden Einheimischen mutiger zu machen. Selbst dass der Favorit einen 8:13-Rückstand aufgeholt hatte, in Führung gegangen war und zum Satzball kam, warf die sich von Punkt zu Punkt pushenden Erfurterinnen nicht um. Im Gegenteil: Sie kamen durch Sindy Lenz‘ abgewehrten Satzball groß zurück. Mit Applaus begleiteten die Fans den Schlussakkord, in dem Jasmine

Gross nach Madeline Palmers Ausgleich zum 26:25 punktete. Ein Netzball der einstigen Erfurterin Antonia Stautz ließ die Schwarz-Weißen vor Freude hüpfen.

Nächstes Heimspiel ohne Zuschauer

Weitere schöne Punkte durften sie feiern. Potsdam gab sich indes Mühe, Durchgang zwei als Art „Betriebsunfall“ stehen lassen zu wollen. Angeführt von Außenangreiferin Brittany Abercrombie und Kelsey Veltman dominierte der Favorit den dritten Satz. Und zum Leidwesen der Erfurterinnen auch den vierten. Ob Michelle Petter, Sara Kovac, Madeline Palmer oder oder oder – keine war sich zu schade, um in den letzten Winkel zu fliegen. Bis zum 18:18 durften sie hoffen. Dann legte Potsdam eine Schippe drauf.

Die erste Enttäuschung mischte sich bei Erfurt sogleich mit neuem Kampfgeist. „Wir haben viel Rallyes gewonnen. Darauf können wir aufbauen“, so Sindy Lenz, „es kommt die Zeit, in der wir belohnt werden“. Vielleicht am Samstag gegen Wiesbaden. Dann aber ohne Zuschauer, nachdem Erfurt am Sonntag Beschränkungen aufgrund der gestiegenen Corona-Zahlen im Stadtgebiet beschlossen hat.