Science City Jena: Playoffs auf der Playstation

Jena.  Basketball-Zweitligisten entdecken den eSport für sich. Jena schickt Jostmann ins Rennen

Melvin Jostmann ist auf der Playstation und im wahren Leben ein hervorragender Basketballer.

Melvin Jostmann ist auf der Playstation und im wahren Leben ein hervorragender Basketballer.

Foto: Jürgen Scheere

Basketball auf dem Sofa, ohne Halle oder Korb – das geht. Virtuell auf der Konsole als Computerspiel. Die deutschen Zweitligisten machen aus der Not der abgebrochenen Saison eine Tugend und nutzen den elektronischen Sport (E-Sport) für sich. Die besten acht Mannschaften der Pro A, unter ihnen der bei Abbruch Dritte Science City Jena, spielen die Playoffs trotzdem – auf der Playstation.

Dafür schickt jedes der Teams – neben Jena sind noch Chemnitz, Bremerhaven, Heidelberg, Leverkusen, Trier, Paderborn und Nürnberg dabei – einen Spieler ins Rennen, der auf der Playstation eine Mannschaft steuert und online im Spiel „NBA2K20“ auf den jeweiligen Gegner trifft.

Bei Science City hat sich Melvin Jostmann als versiertester Zocker hervorgetan. „Ich wurde ausgewählt, weil bei unserer Mannschaft bekannt ist, dass ich relativ viel spiele“, sagt der 19-Jährige und lacht. Einen internen Wettbewerb bedurfte es nicht. Die Dominanz in Sachen E-Sports von Jostmann wurde schon mehrfach deutlich. „Wir haben schon gegen unser E-Sports-Team vom Verein gespielt und ich habe mein Spiel deutlich gewonnen“, erzählt er.

Allerdings durfte Jostmann die ganze Mannschaft steuern, während der E-Sportler nur einen Spieler lenken konnte. Beim Turnier der Zweitligisten dürfen die Teilnehmer auch eine komplette Mannschaft übernehmen. Zur Auswahl stehen die aktuellen NBA-Teams, von denen der talentierte Jenaer Basketballer, der im realen Sport langsam an die 2. Bundesliga herangeführt wird, am liebsten die Milwaukee Bucks oder die Los Angeles Lakers steuern würde. „Mal sehen. Wer welche Mannschaft bekommt, wird noch bestimmt“, sagt Jostmann.

In der ersten Runde am Sonntag trifft er auf den Vertreter der Uni Baskets Paderborn, Leo Döring. Die beiden kennen sich aus Paderborn. „Ob wir aber schon einmal gegeneinander auf der Playstation gespielt haben, weiß ich nicht.“ Natürlich will Jostmann gern den in der Realität verpassten Aufstieg virtuell mit Science City nachholen, wofür er ins Finale einziehen müsste. „Meine Chancen kann ich aber kaum abschätzen, weil ich ja nicht weiß, wie gut die anderen sind.“

Gespielt wird keine Serie wie bei echten Playoffs, sondern nur eine Begegnung. Austragungsort ist Jostmanns Wohnzimmer, weil bei ihm zuhause das WLAN besser als in der Arena ist und die Duelle online stattfinden. Die Fans können am Computer mitfiebern. Science City überträgt die Begegnungen auf seinem Facebook- und Twitch-Kanal.

E-Sport: Jena – Paderborn, Sonntag, 20 Uhr, twitch.tv/sciencecityesports