Slackline und Monkeybar

Zeulenroda/Jena.  Siebenkämpferin Serina Riedel vom TSV Zeulenroda erhält zum dritten Mal das Heike-Drechsler-Stipendium

Erstmals deutsche Meisterin: Serina Riedel vom TSV Zeulenroda.

Erstmals deutsche Meisterin: Serina Riedel vom TSV Zeulenroda.

Foto: KJPetersPhoto

Auch vor Ehrungen macht das Corona-Virus nicht Halt. Im kleinen Rahmen wurde Serina Riedel am Donnerstag in Zeulenroda zum dritten Mal in Folge mit dem Heike-Drechsler-Stipendium geehrt.

„Das freut mich sehr, dass ich das Stipendium einer so erfolgreichen Sportlerin erhalte. Das ist eine schöne Anerkennung“, sagt die 17-Jährige. Als die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler ihre großen Erfolge feierte, war Serina Riedel noch nicht geboren.

„Ich verfolge ihre Entwicklung nun schon seit ein paar Jahren und finde es klasse wie fokussiert sie ist, wie sie mit Feuer und Flamme bei der Sache ist“, sagt Heike Drechsler. „Ich hoffe, dass sie gesund bleibt, weiter ihren Weg geht, sich auch von Rückschlägen, die zum Sport dazu gehören, nicht abbringen lässt.“

Serina Riedel, die in Naitschau zu Hause ist, geht ihren ganz eigenen Weg, trainiert an keiner Sportschule, wird beim TSV Zeulenroda von Tom Mäusebach trainiert und ist am Gymnasium in Greiz in die Abiturphase getreten.

„Die Unterstützung, die wir von der Schule erhalten, ist wirklich toll“, sagt der Trainer, der selbst Lehrer ist. Als Serina Riedel ihren deutschen Mehrkampftitel im Sommer in Vaterstetten verteidigte, verbesserte sie den 21 Jahre alten deutschen U18-Siebenkampfrekord um 23 Zähler auf 5818 Punkte.

„Ich habe alles, was ich brauche“, sagt sie und ihr Trainer stimmt zu: „Wir sind ein Provinzverein, sind es gewohnt, zu improvisieren. Kein Tag ist wie der andere. Eine gute Schule für den Siebenkampf.“

Im Wettkampf könne so viel passieren, wenn es gilt, sieben Disziplinen zu beherrschen. Und so wird auch die Corona-Krise die Zeulenrodaerin nicht aus der Bahn werfen. „Wir können es nicht ändern“, sagt Tom Mäusebach. Trainiert wird, als gebe es doch bald mal wieder einen Wettkampf, stünde die Hallensaison vor der Tür, würde es die deutschen U20-Meisterschaften in Halle oder die EM und WM geben. Und als das Mehrkampf-Trainingslager in Kienbaum Corona-bedingt gestrichen wurde, wichen sie nach Jena aus. Der Kontakt zu Röhler-Trainer Harro Schwuchow und Speer-Olympiasiegerin Petra Felke besteht nicht erst seit heute.

Training bei Harro Schwuchow

Peter Fleißner, der Serina Riedel die vergangenen sechs Jahre trainierte und nun in Rente ist, schwor schon auf das Training in Jena. Und Tom Mäusebach überraschte Harro Schwuchow mit ein paar Fotos aus seiner gemeinsamen Jenaer Trainingszeit mit Thomas Röhler.

„Da war Thomas nach Dreispringer“, sagt der 27-Jährige mit einem Lachen. „Es ist einfach toll, dass wir bei Harro Schwuchow trainieren können, er auf unsere Würfe schaut.“ Serina Riedel nahm sich einen Speer nach dem anderen vor. In der Altersklasse U20 muss sie sich mit dem 600 Gramm schweren Sportgerät anfreunden. Noch ist keiner angeschafft, doch konnte sie das Sortiment schon mal durchprobieren.

In Jena empfingen Slackline, Hangelgerüst (Monkeybar) und Lkw-Reifen die Gäste. Nichts, was man als erstes in einer Laufhalle erwartet. Auch auf dem wackligen Seil hielt Serina Riedel die Balance. „Ein wichtiges Trainingsmittel für die Rumpfstabilität, die wir in einigen Disziplinen besonders brauchen“, sagt Tom Mäusebach. Das Training sei anstrengend und intensiv, anders gehe es auch gar nicht, „doch wir schauen schon, dass es auch Spaß macht“.

Improvisieren kann sie, die Truppe aus dem Waldstadion, das hat sie auch in der Corona-Zeit bewiesen. Und so werden sich die Nachbarn in Naitschau vielleicht gar nicht mehr so sehr wundern, wenn am Wochenende ein Speer übers Feld segelt.