Sport in Zeiten von Corona: Nadine Franke

Jena.  In unserer Serie erzählen Athleten, Trainer, Schiedsrichter, Vereinsvorsitzende oder Hallenwarte, wie sie die Ausnahmesituation erleben.

Nadine Franke, hier mit Sebastian Harz.

Nadine Franke, hier mit Sebastian Harz.

Foto: Marcus Schulze

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Für Nadine Franke hat sich eigentlich in Sachen Sport nichts geändert. Die Läuferin aus Jena kann ihrer Leidenschaft auch weiterhin nachgehen – trotz Coronapandemie und Social Distancing. Sie laufe seit jeher immer allein, präferiere zudem den Wald. Vor diesem Hintergrund beschwört Franke -- wenn auch unfreiwillig – geradezu ein zeitgemäßes Ideal: das des isolierten Individuums.

„Laufen war für mich schon immer eine Sache, die ich für mich ganz alleine haben wollte. Ein Facette meines Daseins, die ich mit niemandem teilen wollte und auch immer noch nicht teilen will“, sagt Nadine Franke über ihre Passion. Sie möchte sich niemandem verpflichtet füllen, wolle sich nicht nach anderen richten müssen. Eine Laufgruppe würde nicht ihrem Naturell entsprechen, sagt die Athletin aus Jena. „Da müsste ich ja schon wieder Kompromisse eingehen.“

Dass aufgrund der fortschreitenden Pandemie alle Laufveranstaltungen der kommenden Monate abgesagt worden, sei bitter, aber eben auch notwendig.

„Die Gesundheit der Menschen geht immer vor“, sagt Franke, die am Rennsteiglauf im Mai teilnehmen wollte, der jedoch nun auch Geschichte ist. In schöner Regelmäßigkeit nahm sie auch am Mühltallauf in Eisenberg teil, der am vergangenen Wochenende über die Bühne gegangen wäre. Die Wettkämpfe müsse sie nun fürs Erste allesamt mit sich selbst austragen, sagt Franke, die jedoch auch darauf verweist, dass es ihr in erster Linie um das reine Laufen gehe – und das könne sie auch immer noch unter den verschärften Auflagen der Stadt Jena.

An anderer Stelle wird Nadine Franke indes weitaus mehr mit der Geisel dieser Tage konfrontiert, schließlich betreut die Sozialpädagogin derzeit Kinder an der Dualingo Schule in Jena-Ost, deren Eltern nicht von zu Hause arbeiten oder gar Urlaub nehmen können. In den meisten Fällen würde es sich dabei um den Nachwuchs von Pflegepersonal und Ärzten handeln. „Ich bin aber froh, dass ich noch das Haus für die Arbeit verlassen darf. Mir fällt doch sehr schnell die Decke auf den Kopf“, sagt Franke, die selbst eine 15-jährige Tochter hat. Ihre Filia sei wie alle Schulkinder derzeit zu Hause. Als Mutter spüre sie, dass ihrer Tochter der soziale Kontakt fehle, dass sie unausgeglichen und auch schon mal genervt sei. „Ich kann das irgendwo nachvollziehen, doch sie weiß natürlich auch um die generelle Situation“, sagt Franke, die dann noch mit einem Augenzwinkern hinterherschiebt: „Jetzt muss sie halt mit mir Spazierengehen.“

Am vergangenen Sonnabend feierte Nadine Franke, die aus Hermsdorf stammt, ihren 42. Geburtstag – natürlich unter den Gegebenheiten der Zeit. Sie ging mit ihren Eltern und ihrer Tochter in einem Waldstück um Hermsdorf spazieren. „Wir haben aber alle den Abstand gewahrt, auf Körperkontakt und auch ein gemeinsames Essen verzichtet“, berichtet Franke.

Als sie nach der Wanderung wieder in Jena aufschlug, habe sie dann noch einen kurzen Zwischenstopp in der völlig verwaisten Wagnergasse eingelegt, um bei einem Italiener eine Pizza für sich und ihre Tochter abzuholen. „Das war schon ein wenig gespenstisch.“

Sport in Zeiten von Corona: In der Serie berichten wir über Menschen, die in die Sportwelt involviert sind. Hier erzählen Athleten, Trainer, Schiedsrichter, Vereinsvorsitzende oder Hallenwarte, wie sie die Ausnahmesituation erleben, in denen Sport nur noch rudimentär ausgeübt werden kann und auch das Wettkampfgeschehen ruht.

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