Sporttalk zum Sport in Corona-Zeiten: Relegation oder Abbruch

Erfurt.  Joachim Zeng vom Fußball-Verband und Arena-Geschäftsführer Christian Fothe sprechen im Talk im Steigerwaldstadion über Corona und die Folgen.

Joachim Zeng (links) vom Thüringer Fußball-Verband und Christian Fothe, Geschäftsführer der Arena Erfurt GmbH, skizzieren harte Einschnitte für den Sport durch die Corona-Krise.

Joachim Zeng (links) vom Thüringer Fußball-Verband und Christian Fothe, Geschäftsführer der Arena Erfurt GmbH, skizzieren harte Einschnitte für den Sport durch die Corona-Krise.

Foto: Frank Steinhorst

Kein Ball rollt mehr, niemand rennt über die Tartanbahn: Die Corona-Krise zwingt auch den Sport zu einer Zwangspause. Beim Sporttalk im Steigerwaldstadion mit den Moderatoren Marco Alles und Gerald Müller Alles sprechen Joachim Zeng, Sachgebietsleiter Spielbetrieb des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV), und Christian Fothe, Geschäftsführer der Arena GmbH als Betreiber des Erfurter Steigerwaldstadions, über die gravierenden Auswirkungen auf den Ligaalltag in Thüringen, auf die Vereine im Land und die Veranstalter.


SORGEN DER VEREINE
Joachim Zeng: Die größten Sorgen befassen sich mit der Frage: Wie geht es überhaupt weiter im Spielbetrieb? In der vergangenen Woche hat die Problematik solch eine Fahrt aufgenommen, dass der Spielausschuss eine Telefonkonferenz durchgeführt hat. Nach der Abstimmung im Spielausschuss gab es die Festlegung, dass wir den Ligabetrieb bis zum 31. März ruhen lassen. Den Kreisen wurde die gleiche Regelung empfohlen, und das haben auch alle so umgesetzt.


STICHTAG 31. MÄRZ
Joachim Zeng: Ob es danach wieder losgeht, kann man aus heutiger Sicht nur schwer sagen. Ich glaube eher nicht, weil es auch von Kommunen und Bundesländern bereits Festlegungen gibt, dass der Spielbetrieb bis zum 10. April und teilweise sogar darüber hinaus ruhen soll. Ich befürchte, es wird sich in den kommenden ein, zwei Wochen herausstellen, dass wir weitere Einschnitte zu akzeptieren haben.


VERWAISTE ARENA
Christian Fothe: Für uns kam die Information, dass die Sportstätte insgesamt geschlossen bleibt wie alle Erfurter Sportstätten. Deshalb ruht auch bei uns jeglicher Breiten- und Vereinssport. Im vergangenen Jahr hatten wir 150 Veranstaltungen. Nun haben wir zuletzt absehen können, dass die Veranstalter auch abseits des Sports häufig schon von sich aus verzichtet haben. Es haben inzwischen nach und nach alle abgesagt, weil es nachvollziehbar notwendig ist, auf größere Menschenansammlungen zu verzichten. Egal mit wem sie in Erfurt sprechen, ob mit dem Kaisersaal und der Messe, allen geht es derzeit nicht anders.


RASCH GEHANDELT
Joachim Zeng: Die Entscheidung ist uns nicht ganz so leicht gefallen. Wir konnten die Aussetzung des Spielbetriebs aber rechtzeitig umsetzen, dass unnötige Fahrten und damit verbundene Aufwendungen vermieden werden konnten. Auch die Landessportschule in Bad Blankenburg, wo wir viele Lehrgänge abhalten, ist zunächst bis zum 10. April geschlossen. Aber der Fußball ist momentan nebensächlich. Es geht um die Gesundheit der Menschen.


TRAININGSBETRIEB
Joachim Zeng: Es gibt nach wie vor Vereine in der Regionalliga oder Oberliga, wo noch weiterhin teilweise trainiert wird. Aus unserer Sicht können wir den Vereinen allerdings nur empfehlen, den Trainingsbetrieb einzustellen und abzuwarten, wie sich die Konstellation in den kommenden Tagen weiter entwickelt. Es ist natürlich ein riesiges Problem für den Nachwuchsbereich, wenn alle zu Hause sind und beschäftigt werden müssen. Der Fußball ist an dieser Stelle aber momentan zweitrangig.


ZWANGSPAUSE
Christian Fothe: Wir sind jetzt als Steigerwaldstadion eine Versammlungs- und Sportstätte ohne Versammlungen und ohne Sport. Aber die nächsten Wochen werden wir das tun, was man ohnehin in Pausen tut. Also werden wir so etwas Banales wie die Inventur vorziehen, um gerüstet zu sein, wenn es wieder losgeht. Aber wenn ich mit Technikern oder Fotografen rede, mit denen wir zusammenarbeiten, die spüren die Situation ganz massiv.


FINANZHILFEN
Joachim Zeng: Der Thüringer Fußball-Verband hat keine Mittel, um irgendwelche Dinge zu entschädigen. Klar sind die Vereine benachteiligt, die keine Einnahmen haben. Aber sie haben auch keine Ausgaben, für Schiedsrichter zum Beispiel. Das generelle Problem ist damit aber natürlich nicht gelöst sein. Trotzdem wird bei allen am Ende ein minus unter dem Strich stehen.
RELEGATION ODER ABSAGE
Joachim Zeng: Ich sehe sehr große Probleme auf uns zukommen, wenn sich die Lage über Ostern hinaus nicht ändert. Es gibt zwar noch freie Termine, zum Beispiel zu Ostern, Pfingsten oder vor dem 1. Mai. Wir haben eine Umfrage unter den Vereinen gestartet, wie eine Lösung aussehen könnte. Im schlechtesten Fall kann es passieren, dass die Saison abgebrochen werden muss. Eine Variante bei einer Fortführung könnte zum Beispiel sein, dass man Auf- und Absteiger über eine Relegation ausspielt. Oder man wertet nur die Halbserien-Tabelle. Aber das ist wiederum schwierig, weil nicht überall die Herbstmeisterschaft zu Ende gespielt ist. Teilweise sollten jetzt noch Nachholspiele ausgetragen werden. Man sagt vielleicht auch, die Serie ist null und nichtig und spielt die Saison noch einmal unter gleichen Voraussetzungen. So oder so: Es wird immer Benachteiligte geben.


REGIONALLIGA
Joachim Zeng: Dass der FC Rot-Weiß von der Situation bei einer möglichen Annullierung der Saison profitiert, kann ich mir schlecht vorstellen. Denn der Verein hat sich ja vom Spielbetrieb vor Beginn der Rückrunde zurückgezogen. Deshalb gibt es da sicher keine Entscheidung, dass die Mannschaft in den Spielbetrieb wieder eingeordnet wird, aus dem sie sich gerade erst abgemeldet hat. Bei Carl Zeiss Jena könnte die Wiederholung einer Saison ein denkbares Szenario sein. Auch Halle und Zwickau bevorzugen ja solch eine Variante. Aber das müssen andere Gremien entscheiden, ob das machbar ist.


FAIR ODER UNFAIR
Christian Fothe: Eine für jedermann faire Lösung wird es nicht geben. Wenn ich die Saison einfriere und neu spiele, würde sich in der Fußball-Regionalliga zum Beispiel Lok Leipzig als heißer Aufstiegskandidat benachteiligt fühlen. Gleichzeitig würde der FC Carl Zeiss Jena, der vermutlich absteigt, das natürlich als eine super Idee finden. Es gibt keinen perfekten Weg, aber es ist eben auch keine perfekte Situation. Viel wird davon abhängen, wann es überhaupt weitergeht.

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