TC Ruhla II spaziert zum Tennis-Landesmeistertitel

Thal.  Zum vierten Mal seit 2016 geht der Tennis-Mannschaftstitel ins Erbstromtal. Zum Ausklang hatten Jonathan Roth und Co. gegen den Erfurter TC Rot-Weiß ein leichtes Spiel.

Paul Henkel kam in allen sieben Saisonspielen für den neuen Landesmeister zum Einsatz, wobei er sechs Einzel und auch sechs doppel gewann.

Paul Henkel kam in allen sieben Saisonspielen für den neuen Landesmeister zum Einsatz, wobei er sechs Einzel und auch sechs doppel gewann.

Foto: Mike El Antaki

Glückwünsche wirkten fast schon komisch und wurden von den Ruhlaer Tennisspielern mit einem verlegenen Grinsen entgegengenommen. Richtige Freude wollte beim frischgebackenen Thüringer Mannschafts-Landesmeister am Samstag kurz nach 16 Uhr nicht aufkommen. Zwar hatten sie ihr großes Ziel, den Oberliga-Staffelsieg, erreicht, aber ganz anders als sie es sich vorgestellt hatten. Der finale Gast, der Erfurter TC Rot-Weiß reiste nur mit einer vierköpfigen „Notformation“ an, die kein wirklicher Gegner war und von Ruhla im Schnellverfahren mit 8:0 bei lediglich vier abgegebenen Spielen von den beiden Sandplätzen in Thal gefegt wurde.

„Das war schon ziemlich unsportlich von Erfurt“, so Teamkapitän Jonathan Roth. Unsportlich und wettbewerbsverzerrend nicht zuletzt gegenüber dem Ruhlaer Titelrivalen USV Jena, der im Fernduell zeitgleich in Greiz ebenfalls mit 8:0 gewann und gespannt auf das Ergebnis aus dem Erbstromtal wartete. Die „Feierstimmung in der Kabine“, von der auf der USV-Facebookseite berichtetet wurde, dürfte schnell verflogen gewesen sein.

Tscheche Vrba kommt erstmals zum Einsatz

Da Ruhla bei der Wundertüte Erfurt nicht wusste, wen die Landeshauptstädter aufbieten würden, war erstmals der Tscheche Daniel Vrba angereist. Ob das nötig war? „Darüber kann man sicher auch diskutieren“ gestand Roth. Der international spielende Vrba (24), in der Weltrangliste aktuell auf Position 1704 geführt, hatte natürlich keine Probleme, um den über 40-jährigen Marco Lorenz mit 6:0 und 6:0 zu bezwingen. Auch in den anderen Einzeln kam keine Spannung auf: Roth (6:0, 6:1 gegen Leon Lammel), Michal Mateasko (6:1, 6:0 gegen Johann Maurer) und Paul Henkel (6:0, 6:0 gegen Andreas Kipp) siegten wie im Training. Zur Einordnung: Maurer findet sich in der Erfurter Setzliste auf Rang 29, Kipp gar nur auf Nummer 41 wieder. Mit Spielern diese bescheidenden Qualität kann man gegen einen Tabellenführer keinen Blumentopf gewinnen.

Die anschließenden Doppel waren bloß Formsache. Vrba/Mateasko verteilten eine Brille, Roth/Henkel gönnten ihren Gegnern zumindest in jedem Satz einen Ehrenpunkt. Ruhla jubelte dann gebremst, ließ es sich aber nicht nehmen, den Meistersekt zu entkorken. Es folgte schnell noch das obligatorische Siegerbild, ehe Klaus Stöber den Grill anwarf und das Teamessen vorbereitete.

Erfurt legt Protest ein

Bereits zum vierten Mal nach 2016, 2017 und 2018 holte nun ein von ihm zusammengestelltes Team den Landestitel nach Ruhla. Respekt. „Und diesmal sogar mit unserer zweiten Mannschaft“, betont der Steuerberater stolz. Sauer stieß ihm indes auf, dass Erfurt als schlechter Verlierer Protest gegen die Spielwertung einlegte. Begründung: Vrba komme aus einem Corona-Risikogebiet und hätte somit nicht spielen dürfen. Ruhla gibt dem Einspruch keine Chance, da der Tscheche seinen Wohnsitz nicht in Prag, sondern in Brno habe.

Beendet ist die Saison damit noch nicht. Am kommenden Samstag, 26. September, steht das Aufstiegsspiel beim TC Blau-Weiß Dresden Blasewitz II an, dessen Team mit makelloser Bilanz den Titel in Sachsen gewann. Die Ruhlaer werden vermutlich in unveränderter Besetzung antreten. Es wird eine Saison-Abschlussfahrt ohne sportlichen Druck. „Egal wie es ausgeht, in die Ostliga gehen wir mit der Zweiten nicht“, stellt Stöber klar. Die Reserve soll auch 2021 mit jungen Thüringern auf Landesebene spielen, während die Erste des TC Ruhla 92 dann mit einjähriger Verspätung ihre Premierensaison in der Regionalliga Süd erleben wird.