Tennis in Mühlhausen: „Der Boom ist leider ausgeblieben“

Mühlhausen.  Ein Leben ohne Tennis ist für ihn nicht denkbar - Frank Zeuch, Vorsitzender des Tennisclub (TC) 1975 Mühlhausen, ist bereits seit 42 Jahren aktiv.

Linkshänder wie sein Lieblingsspieler Rafal Nadal: Frank Zeuch ist bereits seit 42 Jahren als Tennisspieler aktiv und seit 2004 Vorsitzender des TC Mühlhausen.

Linkshänder wie sein Lieblingsspieler Rafal Nadal: Frank Zeuch ist bereits seit 42 Jahren als Tennisspieler aktiv und seit 2004 Vorsitzender des TC Mühlhausen.

Foto: Martin Zenge

Ein Leben ohne Tennis ist für ihn nicht denkbar - Frank Zeuch, Vorsitzender des Tennisclub (TC) 1975 Mühlhausen, ist bereits seit 42 Jahren aktiv. Aufgrund der Corona-Pandemie musste aber auch der kürzlich 50 Jahre jung Gewordene eine Zwangspause einlegen. Im Interview der Woche spricht Zeuch unter anderem über die aktuelle Situation in seinem Klub, Tennis unter den aktuellen speziellen Vorschriften, seine Erwartungen, was eine mögliche Sommer-Wettkampfsaison angeht, und über Vorbilder, die dem Sport gut tun.

Wie haben sich die ersten Schläge nach der Corona-Zwangspause angefühlt?

Ich könnte jetzt mit der Ausrede kommen, dass ich noch gar keine Zeit gehabt habe, aber ich will ehrlich sein: Ich weiß es nicht, weil ich noch gar nichts gemacht habe (lacht).

Sie ohne Schläger in der Hand - das ist nur schwer vorstellbar...

Ich habe mit acht Jahren angefangen, Wettkampf-Tennis zu spielen, bin seit 2004 Vereinsvorsitzender, bin dabei quasi in die Fußstapfen meines Vaters getreten. Eine so lange Pause habe ich bis jetzt höchstens aus Verletzungsgründen mal einlegen müssen.

Haben Sie sich denn abseits des Tenniscourts fit gehalten?

Das ist momentan gar nicht so einfach, da ja die Fitness-Studios nach wie vor geschlossen sind und man dort kein Krafttraining machen kann. Ich habe zu Hause ein paar Übungen gemacht. Ab und zu habe ich mich zuletzt auch auf das Fahrrad geschwungen.

Seit wann wird auf der Anlage des TC Mühlhausen wieder gespielt?

Seit dem 8. Mai. Und die Resonanz war für unsere Verhältnisse seitdem sehr gut. Viele waren schon ungeduldig und sind jetzt froh, dass es endlich wieder losgeht. Auch viele Nicht-Vereinsmitglieder haben angerufen und gefragt, ob sie auf unserer Anlage spielen können. Die schlagen normalerweise auf den Indoor-Plätzen im Sporthotel auf, aber das ist derzeit nicht möglich.

Was gilt es logistisch zu beachten?

Es gibt einen Belegungsplan für die Plätze, auf dem alle Spieler erfasst werden. Zuletzt waren auch Gäste aus Nordhausen da. Mein Sohn Tim hat mit denen seine erste Trainerstunde absolviert.

Wie fühlt sich Tennis mit den neuen Abstands- und Hygieneregeln an?

Es ist schon ein bisschen schwierig. Wir haben vier Plätze, der Abstand bleibt gewahrt. Aber man muss sich schon konzentrieren, um den anderen aus lauter Gewohnheit nicht abzuklatschen. Und nach den Spielen kann man nicht wie sonst noch zusammensitzen und zusammen ein Bierchen trinken.

Das Herrenteam ist in die Oberliga aufgestiegen. Kann die Sommersaison stattfinden?

Der Verband hat die Deadline für die Mannschaftsmeldungen vom 15. auf Ende Mai nach hinten verschoben. Wie viele Teams wirklich antreten werden, ist noch völlig offen, theoretisch könnten es auch nur drei sein. Bis zum 31. Mai kann man sein Team noch ohne Sanktionen vom Punktspielbetrieb abmelden. Ich bin ehrlich gesagt etwas skeptisch, ob die Saison wirklich gestartet werden kann. Unsere beiden Kindermannschaften haben wir nach Rücksprache mit den Eltern zurückgezogen.

Was macht Sie in Sachen möglicher Saisonbeginn skeptisch?

Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen. Was macht man, wenn vier Teams auf der Anlage sind, die Spiele um neun Uhr beginnen, es dann um elf Uhr anfängt zu regnen und man unterbrechen muss. Müssen die Spieler dann im wahrsten Sinn des Wortes im Regen stehen, weil im Klubhaus nicht genug Platz ist? Generell kann ich mir nicht vorstellen, dass das viel Spaß macht. Es gehört ja nicht nur das Spiel an sich, sondern auch das Zusammensein dazu, und das ist in gewohnter Form ja leider nicht möglich.

Wie würde das Ziel im Falle einer Oberliga-Saison lauten?

Für uns als Aufsteiger ganz klar Klassenerhalt. Die Chancen auf den Klassenerhalt wären wesentlich höher, wenn mein Sohn Tom uns unterstützen könnte, aber der schlägt in Niedersachsen für den TC Alfeld auf.

Wie beurteilen Sie die Situation im Tennis insgesamt? Ist es schwierig, neue Spieler zu finden?

Dieses Thema beschäftigt uns schon lange. Der Weg, neuen Nachwuchs zu gewinnen, führt nur über die Eltern. Man hat gehofft, dass nach dem Wimbledon-Sieg von Angelique Kerber ein zweiter Boom wie zu Zeiten eines Boris Becker und einer Steffi Graf einsetzt, aber der ist leider ausgeblieben. Früher in der DDR war die Infrastruktur für Tennis nicht gegeben. Wir hatten in Thüringen im vergangenen Jahr insgesamt knapp 6000 Vereinsspieler. Das Saarland kommt alleine auf 4500 Vereinsspieler nur unter 18 Jahren.

Woran hapert es neben der Infrastruktur?

Viele Vereine können sich keine hauptamtlichen Trainer leisten. So bleibt es dann an den ehrenamtlichen Enthusiasten hängen.

Ihre beiden Söhne spielen ebenfalls erfolgreich – haben sie den Tennissport von Ihnen in die Wiege gelegt bekommen?

Beide hatten schon früh eine große Affinität zu Ballsportarten. Tim ist 2,10 Meter groß, hat in Jena Basketball gespielt. Tom war ein sehr guter Fußballer, stand in der Jugend kurz davor, nach Erfurt zu wechseln. Er war in Hannover an der Tennis-Akademie. Beide haben viel Zeit auf dem Tennisplatz verbracht. Wenn man so will, war ihr Kinderzimmer auf dem Tenniscourt (lacht).

Welche Spieler begeistern sie am meisten?

Roger Federer und Rafael Nadal haben als Aktive unsere Familie geprägt. Die sind für mich mit Abstand die größten Aushängeschilder für den Sport, aber auch als Typen. Bei den Damen ziehe ich vor Serena Williams meinen Hut. Sie ist wie Steffi Graf eine tolle Botschafterin für das Tennis.