THC-Coach Miranda: „Karriere meiner Frau hat Vorrang“

Erfurt/Bad Langensalza.  Gonçalo Miranda, Trainer beim THC, spricht über sein Leben für den Handball, Saisonziele, Kritik am deutschen Handball und das Leben in Erfurt.

Eingespieltes Team: Trainer Gonçalo Miranda (vorn) und Co-Trainer Nico Geyersbach gehen in ihre zweite Saison als Trainergespann der zweiten Mannschaft des Thüringer HC und wollen um den Titel mitspielen.

Eingespieltes Team: Trainer Gonçalo Miranda (vorn) und Co-Trainer Nico Geyersbach gehen in ihre zweite Saison als Trainergespann der zweiten Mannschaft des Thüringer HC und wollen um den Titel mitspielen.

Foto: Henry Müller

Es ist eine echte Handball-Liebe. Mariana Ferreira Lopes, Profi-Handballerin, und Gonçalo Miranda, einst auch Handballer und nun Trainer, kennen sich seit Schulzeiten in ihrer portugiesischen Heimatstadt Aveiro. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar. „Wo sie hingeht, gehe ich auch hin“, sagt Miranda. Da die Rückraumspielerin im Sommer vergangenen Jahres zum Thüringer HC wechselte und der Verein gerade einen Trainer für die zweite Mannschaft suchte, übernahm Miranda, der die EHF Pro-Lizenz besitzt, den Job und trainiert auch die A-Jugend.

Im Interview sprachen wir mit dem 27-Jährigen über den erfolgreichen Saisonstart seiner Teams, hohe Ziele, seine Karriere als Trainer, seine Kritik am deutschen Handball und das Leben in Erfurt.

Herr Miranda, Glückwunsch zum erfolgreichen Start Ihres Teams in der dritten Liga! War das 36:25 gegen Mainz II ganz nach Ihrem Geschmack?

Danke. Ich bin zufrieden, auch wenn es trotz des klaren Sieges ein ganz schönes Auf und Ab war. Das ist aber normal nach so einer langen Pause. Außerdem haben wir ja das jüngste Team der Liga, bis auf zwei Spielerinnen sind alle unter 20.

Ein Team, das fast identisch mit der A-Jugend-Bundesligamannschaft ist, die sie ebenfalls trainieren und die ihre Vorrunde klar gewonnen hat. Mit beiden Mannschaften wollen Sie um den Titel spielen. Was macht Sie so optimistisch?

Wir haben 16 Mädels mit extrem hoher Qualität, die sehr gut eingespielt sind und verschiedene taktische Systeme beherrschen. In der A-Jugend sind wir nahezu zusammengeblieben, während bei den besten Gegnern im Vergleich zur letzten Saison mehr Spielerinnen aus Altersgründen nicht mehr dabei sind. Für die dritte Liga gilt das anfangs Gesagte ebenfalls, zudem trainieren wir im Vergleich am professionellsten, zehnmal die Woche, und haben deshalb für den Saisonverlauf das größte Steigerungspotenzial.

Sie sind selbst erst 27. Ist das ein Vorteil, wenn man eine so junge Mannschaft trainiert?

Grundsätzlich sollte das Alter des Trainers keine Rolle spielen, sondern dessen Qualität, selbstbewusstes Auftreten und Leidenschaft für den Handball. Ich habe ja in Schweden ein Männerteam trainiert, in dem die meisten älter waren als ich, so war es auch bei meiner letzten Station bei den Berliner Zweitliga-Frauen. Mein Vorteil: Es ist noch nicht so lange her, dass ich als Spieler das Gleiche erlebt habe, was meine THC-Mädels gerade erleben. Also zweimal am Tag zu trainieren und im Prinzip kein normales Teenager-Leben zu haben. Deshalb verstehe ich gut, was in ihnen vorgeht.

Trotz Ihres jungen Alters ist der THC bereits Ihre sechste Trainerstation. Warum haben Sie so oft den Verein gewechselt und würden Sie hier gern längerfristig bleiben?

Die Karriere meiner Frau hat Vorrang. Deshalb habe ich mir immer da, wo sie gespielt hat, einen Trainerjob gesucht. Prinzipiell sind wir beide sehr glücklich hier und hätten nichts dagegen, länger zu bleiben.

Miranda: „Der deutschen Handball macht zu wenig aus seinen tollen Ressourcen“

Als Inhaber der EHF Pro-Lizenz könnten Sie einen Erstliga-Klub trainieren. Wäre es eine Option, Herbert Müller als Trainer der ersten Mannschaft mal zu beerben?

Herbert macht das denke ich noch viele Jahre, so lange werde ich dann wahrscheinlich doch nicht hier sein (lacht). Ich will mich erst einmal profilieren und lernen, ein richtig guter Coach zu werden.

Und diesbezüglich tauschen Sie sich viel mit Müller aus?

Klar. Wir trainieren vor oder nach der ersten Mannschaft, Herbert ist oft bei unseren Spielen, wir tauschen uns sehr viel aus.

In den Meisterjahren gab es die Kritik, dass die Talente des Vereins zu wenig in die erste Mannschaft einbezogen werden. Hat sich das inzwischen geändert?

Soweit ich es beurteilen kann, funktionieren die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen erster und zweiter Mannschaft sowie den A-Juniorinnen sehr gut. Mit Laura Kuske, Arwen Rühl und Klara Schlegel werden drei meiner Spielerinnen regelmäßig im Bundesligateam eingesetzt, Jolina Huhnstock und Lucie Gündel trainieren dort mit.

Was gefällt Ihnen in Ihrer neuen Wahlheimat am besten und was nicht so gut?

Wir wohnen in Erfurt, das ist eine sehr schöne Stadt mit vielen grünen Ecken. Gerade wenn man einen Hund hat wie wir, ist das super. Wir gehen auch gern auf dem Rennsteig wandern. Was mir nicht gefällt? Dass ich nicht soviel Zeit habe, um das alles wirklich zu genießen. Gerade an den Wochenenden habe ich ja als Trainer jede Menge zu tun.

Wie sind die Bedingungen für Handball in Portugal, verglichen mit denen in Deutschland?

In Deutschland sind sie um Welten besser. In Portugal ist Handball nicht so populär wie hier, entsprechend ist auch kein Geld dafür da. Gerade deshalb muss ich aber sagen: Der deutsche Handball macht zu wenig aus seinen tollen Ressourcen. Er lebt zu sehr in der Vergangenheit und tut sich damit schwer, andere Einflüsse, neue Ideen und Konzepte zuzulassen. Diese Erfahrung habe ich mitunter selbst schon gemacht. Gemessen an den Bedingungen und der Zahl seiner Mitglieder müsste der deutsche Handball eigentlich die Nummer eins der Welt sein.

Was würden Sie gern als Schlagzeile über sich selbst lesen, sagen wir in zehn Jahren?

Natürlich will ich meine Spieler sportlich verbessern. Es geht mir aber zuerst um den Menschen, nicht den Spieler oder die Spielerin. Insofern wäre das keine Schlagzeile, sondern schlicht ihre Wertschätzung. Dass sie mir, wenn man sich wiedersieht, sagen, gern an die Zeit mit mir zurückzudenken.