ThSV-Kreisläufer Beciri: „Basketball ist mir zu körperlos“

Eisenach.  Eisenachs neuer Hüne ist ein Vollblut-Handballer. Im Interview spricht er über Abwehrarbeit, Vorbild und Ziele.

Lässt seine Emotionen auf dem Parkett raus: Eisenachs Kreisläufer Kristian Beciri.  

Lässt seine Emotionen auf dem Parkett raus: Eisenachs Kreisläufer Kristian Beciri.  

Foto: SPORTFOTOSEISENACH

Er wurde bei den Test- und ebenso bei den ersten Punktspielen des ThSV Eisenach stets bei den Besten genannt: Kristian Beciri, der 2.01-Mann mit 119 Kilo, glänzt am gegnerischen Kreis mit ungemeiner Beweglichkeit und enormen Durchsetzungsvermögen, hat in der Defensive im Innenblock schon die Rolle des Abwehrchefs übernommen. Am Mittwoch empfängt der Hüne mit dem THSV Eisenach um 19.30 Uhr die HSG Konstanz um Zweitliga-Zähler. Kurz vor einer Trainingseinheit sprachen wir mit Kristian Beciri, der nach Elektrotechnik-Ausbildung abschloss und zuletzt beim HC Zagreb unter Vertrag stand.

Wann und weshalb entschieden Sie sich für Handball?

In meinem Heimatort ist Handball sehr populär. Im Alter von 8 Jahren schloss ich mich dem RK Crikvenica an.

Mit der Körpergröße von über zwei Metern sind Sie eigentlich prädestiniert für einen Rückraumspieler?

Ich war schon in jungen Jahren sehr groß. Anfangs spielte ich im linken Rückraum. Als ich 14 Jahre war, wurde ein Kreisspieler gesucht. Mein damaliger Trainer stellte mich an den Kreis. Ich fand Gefallen und blieb auf dieser Position.

Was fasziniert Sie am Handballsport?

Ich gebe zu, ich habe mich auch für Basketball interessiert. Doch diese Ballsportart ist zu körperlos. Handball, ein Kontaktsport, passt wesentlich besser zu mir.

Welche Erfolge stehen schon in Ihrer Vita?

Bei der U 19-Weltmeisterschaft eroberte ich mit Kroatien die Silbermedaille. Mit Velenje stand ich im Finale des EHF-Cups. Wir trafen in Berlin auf die Füchse Berlin, in deren Reihe mit jetziger Teamkollege Willy Weyhrauch stand. Die Berliner holten sich den Pott.

Mit 26 Jahren entschlossen Sie sich zu einem Wechsel nach Deutschland, zum ThSV Eisenach.

Ich spielte sechs Jahre in Slowenien und ein Jahr in Zagreb. Mein großes Ziel war seit Jahren die 1. Handballbundesliga. Über meinen Berater kam in schwierigen Corona-Zeiten der Kontakt zum Zweitbundesligisten ThSV Eisenach zustande. Die Tür nach Deutschland stand auf. Ich will in die 1. Handballbundesliga. Sehr gern mit dem ThSV Eisenach.

Ihr Trainer Markus Krauthoff-Murfuni bezeichnet Sie bereits als Abwehrchef. Eine Rolle, die Ihnen liegt?

Aus meiner Sicht ist die Abwehr wichtiger als der Angriff. Es heißt ja auch, Spiele werden über die Abwehr gewonnen. Bei meinen bisherigen Stationen übernahm ich stets eine wichtige Rolle im Deckungs-Innenblock.

Abwehrchef?

Ja, das liegt mir.

Sie beeindrucken trotz Körpergröße und Gewicht mit ganz viel Beweglichkeit, haben Sie da ein Vorbild?

Cédric Sorhaindo. Der 1,92 Meter große und 110 Kilogramm schwere Kreisläufer gilt gemeinhin als einer der besten Spieler auf seiner Position, steht seit 2010 beim spanischen Verein FC Barcelona unter Vertrag und sammelt nationale und internationale Titel zuhauf.

Spielen Sie lieber in einer defensiven 6:0- oder in einer offensiven 5:1-Abwehrformation?

Das ist egal. Letztendlich ist das Abwehrsystem auch abhängig vom jeweiligen Kontrahenten.

Sie trugen auch bei Ihren vorherigen Vereinen die Rücken-Nummer 80. Hat das einen Hintergrund?

Ich kam als Neuer, die Rücken-Nummer 80 war frei. Ich bin dabei geblieben.

Wie empfinden Sie die 2. Handballbundesliga?

Sie weist eine für mich überraschend hohe Qualität vor. Ich bin hier richtig, um mich weiter zu entwickeln. Schade, dass ich aufgrund der Corona-Pandemie noch keine volle Werner-Aßmann-Halle erleben durfte.

Was ist in Eisenach anders als bei Ihrem vorherigen Verein?

Ich lebe stets zu 100 Prozent Handball. Die Professionalität ist gleich. Einen Unterschied gibt es schon. Eisenach ist eine Kleinstadt. Zagreb, meine vorherige Station, ist eine Großstadt. Zu den Spielen kommen ganz viele Zuschauer. Doch der Handball ist dort nicht so verwurzelt wie in Eisenach. Die sprachliche Barriere ist noch ein Hindernis für mich. Doch ich arbeite intensiv an meinem Deutsch.

Und wie sieht es privat aus?

Meine Freundin ist in der Heimat berufstätig. In diesen unsicheren Zeiten gibt sie verständlicherweise ihren Job nicht auf. Sie wird mich aber hoffentlich bald in Eisenach besuchen können.