Tritt für Tritt voran

Gera.  Lucas Schädlich kann das Rad nicht neu erfinden, als Bundestrainer hat er schon einiges bewegt und mit EM-Bronze seine erste Medaille eingeheimst

Seit einem Jahr ist der Geraer Lucas Schädlich Bundestrainer der Juniorinnen.

Seit einem Jahr ist der Geraer Lucas Schädlich Bundestrainer der Juniorinnen.

Foto: Andreas Rabel

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Und wieder geht die Reise nach Apeldoorn. Die Niederländer haben den internationalen Bahn-Wettkampf mit Rennern aus den USA, Großbritannien und Frankreich als „Next Generation“ überschrieben. Das trifft es.

Lucas Schädlich ist seit exakt einem Jahr als Bundestrainer für die Radsportlerinnen der U 19 und U 23 verantwortlich, arbeitet eng mit Elitecoach André Korff zusammen. Mit der Geraerin Lena Reißner, Thalea Mäder (Bad Sulza) und Friederike Stern (Exleben) zählen auch drei Thüringerinnen im Kader. Er selbst studiert noch bis Herbst an der Trainerakademie in Köln, wird zum Trainer Diplom-Trainer ausgebildet. „Theorie und Praxis gehen Hand in Hand“, sagt er und blickt auf ein „schön anstrengendes und lehrreiches Jahr“ zurück.

250 Tage war er 2019 nicht zu Hause, mit den Weltcups in Hongkong und Brisbane, der EM- und WM-Vorbereitung war er vier Mal drei bis fünf Wochen nicht zu Hause. Ein straffes Programm, doch der gebürtige Zwickauer begrüßt es, dass es im Nachwuchs keine strikte Trennung zwischen Bahn und Straße gibt. Auch er ist einst damit gut gefahren. Als Junior saß er auch auf dem Bahnrad, erkämpfte sich 2006 im Punktefahren Platz sieben bei der Weltmeisterschaft, fuhr auf der Straße auf Gesamtrang drei der Junioren-Bundesliga.

Zum SSV Gera war er 2003 gekommen, trat später beim Thüringer Energie Team mit John Degenkolb und Marcel Kittel in die Pedale. Erste Erfahrungen als Trainer sammelte er beim SSV Gera, seinem Heimatverein. „Ich habe in Gera viel gelernt, dafür bin ich dankbar.“ Nun zieht es ihn in die große weite Radsportwelt.

Beim Bahn-Weltcup Ende November in Hongkong ist er 31 Jahre alt geworden, er steht noch am Anfang seiner Trainerlaufbahn und dennoch hat er schon einiges bewegt. „Es sind kleine Schritte“, sagt er. Doch Stück für Stück rücken die Juniorinnen an die internationale Spitze heran. Der U19-Bahn-Vierer erkämpfte bei der EM in Gent die Bronzemedaille. Schädlichs erste Medaille als Bundestrainer. Mit 4:34 Minuten verbesserte das Quartett den deutschen Rekord in dieser Altersklasse um fast fünf Sekunden.

Und noch ein Rekord soll fallen, die Uralt-Bestmarke von Hanka Kupfernagel (1992/Athen) von 2:25,2 Minuten in der 2000-m-Einzelverfolgung. „Wer das schafft, wird sich zeigen – vier, fünf Sportlerinnen kommen in Frage“, sagt der gebürtige Zwickauer.

Als er vor einem Jahr das erste Mal als Bundestrainer nach Apeldoorn fuhr, da erkundigte er sich bei den Dänen wie es läuft, wie die Strukturen sind. „Die haben da ein Bahntraining abgefeuert“, staunte er nicht schlecht. Doch bei den Sixdays in Bremen vor einigen Tagen kamen die Belgier zu ihm, erkundigten sich, wie er das Jahr strukturiert, welche Trainingsschwerpunkte gesetzt werden. „Das tut schon gut, wenn man merkt, du wirst mit deiner Arbeit wahrgenommen.“

Ohne ins Detail zu gehen sei es üblich, dass man sich mit den anderen Trainern austauscht. Genossen hat er die Gespräche mit dem Erfurter Rene Wolff, Teamsprint-Olympiasieger 2004, dann Auswahltrainer der Niederlande, jetzt in Neuseeland. Natürlich kann auch Lucas Schädlich das Rad nicht neu erfinden, doch seine Arbeit trägt erste Früchte. „Wir haben die Saison neu strukturiert, bieten mehr internationale Wettkämpfe an und bauen das Athletiktraining anders auf.“

Sehr eng sei das Miteinander mit den anderen Bundestrainern, den Heimtrainern der Kaderathletinnen. „Ich setze da auch auf Vertrauen“, sagt er.

Gerade die U 23-Rennerinnen arbeiten schon sehr selbstständig, sind motiviert. Zum Lehrgang in Frankfurt/Oder zog der junge Trainer den Sportwissenschaftler und –Sportpsychologen Dr. Konrad Smolinski mit hinzu. „Wir haben uns mit den Themen Zielsetzungstraining und Vorstartroutinen beschäftigt.“

Sport ist eben auch Kopfsache.

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