Viele Erfolge in 100 Jahren gefeiert

Bernterode b. Worbis.  Die SV Bernterode feiert 100 Jahre Fußball und 120 Jahre Turnen und kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken.

Oft hatten die schwarz-weißen Kicker aus Bernterode Grund zum Jubeln über Meisterschaften und Aufstiege sowie Triumphe im Kreispokal.

Oft hatten die schwarz-weißen Kicker aus Bernterode Grund zum Jubeln über Meisterschaften und Aufstiege sowie Triumphe im Kreispokal.

Foto: Eckhard Jüngel

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Sicherlich bis auf den letzten Platz wird am Samstagabend, 15. Februar, die Turnhalle in Bernterode gefüllt sein. Die Turner der Sportgemeinschaft in der 1300-Seelen-Gemeinde an der Grenze zum Kreis Nordhausen feiern ihr 120-jähriges, die Fußballer ihr 100-jähriges Bestehen. Ein festlicher Anlass, zu dem regionale Prominenz aus Politik und Sport geladen ist.

Begrüßt werden die Festgäste durch die Abteilungsleiter Roswitha Solf (Turnen) und Markus Worm (Fußball) sowie durch den Vorsitzenden Thomas Busse, der seit 1999 die rund 250 Mitglieder in den Sparten Fußball, Turnen, Badminton, Tischtennis, Schach und Wandern leitet und selbst aktiver Fußballer sowie Ausdauerläufer war und ist. Die feierliche Rede hält Wolfgang Barthel mit einem Abriss der langen Geschichte der beiden Sportarten und des Vereins. Komplettiert wird der offizielle Teil des Festaktes durch Ehrungen zahlreiche Mitglieder sowie Auftritte der jungen Turnerinnen des SC Leinefelde unter Helmut Seidemann sowie der Frauensportgruppe der Turnabteilung. Durch den Abend führt Christina Hunold.

Freuen werden sich vor allem die älteren Mitglieder auf zahlreiche Gespräche über die lange und abwechslungsreiche sportliche Geschichte des Vereins, große „Fußball-Schlachten“ noch einmal hochleben lassen und sich an die eine oder andere Vereinsgröße verbal erinnern. Auch an die Gründung des „Arbeiter-Turnvereins“ im Juni 1900 unter anderem durch Heinrich Schlichting, Robert Born, Christoph Vatteroth, Andreas Große, Jakob Kohl und Andreas Senke. 20 Jahre dauerte es, bis zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges fußballbegeisterte Bernteröder wie unter anderem Josef Große, Alois Kohl, Heinrich Stolze und Hermann Kohl der FC Wacker Bernterode aus der Taufe gehoben wurde, die ab 1922 für 50 Jahre außerhalb des Ortes ihre sportliche Heimat mit dem Sportplatz am Hagenberg fanden. Zum 50-jährigen Bestehen der organisierten Kicker, die 1946 mit dem Männerturnverein zur Sportgemeinschaft (SG) Bernterode fusionierten, wurde 1970 der neue Sportplatz am Brückenplatz nach eineinhalbjähriger ehrenamtlicher intensiver Tätigkeit der Mitglieder eingeweiht.

Turnhalle brauchte mehrals fünf Jahre Bauzeit

Bereits sechs Jahre zuvor wurde nach fünfjähriger Bauzeit mit dem Einsatz der Bernteröde am Feierabend und an den Wochenenden die Turnhalle in der Ortsmitte fertiggestellt. „Das geschah zu einem Zeitpunkt, als das Turnen im Verein bereits seinen Höhepunkt weit überschritten hatte und am Auslaufen war“, berichtet Roswitha Solf, die 1988 die Sektionsleitung von Martina Hesse übernahm und bis heute noch innehat. Die Tochter des ehemaligen Vereins- und Kreissportbund-Vorsitzenden Rudolf Würth betreut als Sportlehrerin die 1967 ins Leben gerufene Frauensportgruppe. „Sie werden auch wieder am 4. April bereits zum 20. Mal am Frauensporttag des Kreissportbundes teilnehmen“, erklärt die Bernteröderin, die in früheren Jahren auch als Leichtathletin über 400 und 800 Meter von sich reden machte. Die jungen Turntalente des Ortes werden von Heidrun und Helmut Seidemann betreut.

Dagegen läuft „König Fußball“ nach wie vor auf Hochtouren in der Eichsfeldgemeinde. Sportliche Höhen und Tiefen gab es seit der Gründung. Höhepunkte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren am 24. Juni 1930 in Leinefelde der Gewinn des Eichsfeldpokals. Über 60 lange Jahre mussten die Bernteröder Kicker und ihre Fans warten, bis sie 1994 durch ein 5:0 gegen den SC Leinefelde II erneut im Kreispokal triumphierten. In der Saison 1930/31 stiegen die kickenden Wackeraner in die erste Gauklasse auf mit dem überragenden Otto Degenhardt, der sich nach seiner aktiven Laufbahn als Trainer, Betreuer und Vereinsvorsitzender große Verdienste um den Fußballsport in Bernterode machte. Riesig war der Andrang am 4. Juni 1933, als Tennis Borussia Berlin im Eichsfeld weilte.

Stark reduziert rollte das runde Leder in den sieben Jahren des Zweiten Weltkriegs, wurden zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs Spieler aus Gerterode und der auf dem benachbarten Schacht stationierten Arbeitsdienstabteilung in die Mannschaft integriert. Die Phase in der DDR war geprägt von Auf- und Abstiegen. Im Mittelpunkt standen neben Kreismeisterschaften im Nachwuchsbereich zweimalige Durchmärsche in die Bezirksklasse unter anderem mit Spielern wie Rudolf Würth, Walter Bley und Schlussmann Heinz Hartung. Mit dem zweiten Abstieg im Frühling 1968 ging das erfolgreichste Kapitel der Bernteröder Fußballgeschichte zu Ende.

Nur kurz verlief die Ära der Bernteröder Fußballerinnen unter ihrem Trainer Hans Kaseletzky Anfang der 70-er Jahre. Höhepunkt war 1972 das Finale im Bezirkspokal vor Tausenden von Zuschauern im Erfurter Georgi-Dimitroff-Stadion, das gegen eine Nordhäuser Kreisauswahl verloren wurde. Nach dem Tod von Kaseletzky im Jahr 1973 erlosch der weibliche Fußball-Stern.

Unmittelbar nach der Wiedervereinigung stiegen die Kicker der neuen Sportvereinigung Bernterode in die Kreisliga auf. Geehrt wurde der Verein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seine engagierte Nachwuchsarbeit. Den letzten großen Erfolg feierten die Kicker der ersten Mannschaft um Spielertrainer Daniel Kohl 2017 mit dem Gewinn des Kreispokals, wurden dafür zur „Mannschaft des Jahres“ im Landkreis Eichsfeld gekürt.

„Momentan umfasst unsere Abteilung 120 Mitglieder“, erklärt deren Leiter Markus Worm. Der 38-jährige frühere Aktive löste vor fünf Jahren Günther Kohl nach 30-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit ab. „Er hat den Fußball bei uns in schwierigen Zeiten mit der Wende geprägt“, berichtet sein Nachfolger und nennt dann den Namen Gottfried Hunold, ohne den das Vereinsleben in den vergangenen Jahren nicht denkbar gewesen wäre.

„Er ist quasi unser Sportdirektor, das Aushängeschild des Vereins sowie dessen Dreh- und Angelpunkt“, berichtet Worm voller Anerkennung über den 60-Jährigen, der jahrelang selbst kickte, jahrelang als Trainer wirkte und überall mit anpackt. So ist er auch maßgeblich am Bau eines Soccer-Platzes mit Kunstrasen zum großen Jubiläum beteiligt. Und der Zukunft? Der sieht Worm „nicht euphorisch, aber optimistisch“ entgegen.

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