„Viele in den Sportvereinen sind frustriert“

Saalfeld/Rudolstadt.  Der SV 1883 Schwarza und der 1. SSV Saalfeld registrieren einen wachsenden Mitgliederschwund

Auch die Basketballer des 1. SSV Saalfeld müssen derzeit auf ihr Ritual vor den Punktspielen verzichten, dürfen ihre Punktspiele nicht fortsetzen. Die Einschränkungen beim Amateursport sorgen derweil auch für einen Mitgliederschwund bei den zwei größten Sportvereinen im Landkreis.

Auch die Basketballer des 1. SSV Saalfeld müssen derzeit auf ihr Ritual vor den Punktspielen verzichten, dürfen ihre Punktspiele nicht fortsetzen. Die Einschränkungen beim Amateursport sorgen derweil auch für einen Mitgliederschwund bei den zwei größten Sportvereinen im Landkreis.

Foto: Peter Scholz

Der gebremste Amateursport, das Aus für den Trainingsbetrieb bei den Erwachsenen vielerorts auch für den Nachwuchs, geschlossene Sporteinrichtungen und das Verbot sämtlicher sportlicher Wettbewerbe im Freistaat – die Vereine haben daran extrem zu leiden. Das wird sich in den kommenden Wochen auch in konkreten Zahlen ausdrücken, ist man sich beim Kreissportbund (KSB) Saale/Schwarza sicher. „Die Vereine“, sagt KSB-Vorsitzender Frank Persike, „registrieren immer mehr einen deutlichen Mitgliederschwund.“

Bis Ende Januar müssen die Sportvereine turnusmäßig ihre aktuellen Mitgliederzahlen an den KSB melden. Und es ist jetzt schon absehbar, dass diese geringer ausfallen als vor zwölf Monaten. „Viele unserer Mitglieder sind frustriert, einige haben erstmal gekündigt“, sagt beispielsweise Michael Hunger, Geschäftsstellenleiter beim SV 1883 Schwarza. Seit etwa anderthalb Monaten kommen von den Mitgliedern fast täglich die Kündigungsschreiben, „so etwas habe ich in den vergangenen Jahren in diesem Umfang noch nie erlebt“, sagt Hunger.

Vor allem beim Rehasport und beim Sport mit kleinen Kindern sei diese Tendenz zu beobachten. Vornehmlich die Älteren haben eine gewisse Angst vor der Ansteckungsgefahr, so dass sie erst einmal auf den Rehasport und eine weitere Mitgliedschaft verzichten. Bei den Schwarzaern kommt noch hinzu, dass der Verein erstmals seit zehn Jahren die Beiträge erhöht hat. Allerdings sagt Michael Hunger, dass die sinkende Mitgliederzahl nichts mit diesem Beschluss der Mitgliederversammlung zu tun habe.

Abgänge auch in Saalfeld

Ähnlich sieht die Situation beim 1. SSV Saalfeld aus, mit 1400 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein des Landkreises, aus. „Wir rechnen damit, dass wir etwa 100 Mitglieder verlieren“, sagt SSV-Vorsitzender Oliver Grau, in dessen Verein ebenfalls gerade die statistischen Erhebungen angestellt werden. Betroffen werde wohl vor allem der Kindersport sein. Hinzu kommt bei den Saalfeldern allerdings noch die Tatsache, dass sich – unabhängig von Corona – in Leutenberg eine ganze Reha-Sportgruppe aufgelöst hat.

„Wir werden unseren Sportlern anbieten, dass sie einen Teil ihres Mitgliedsbeitrages erstattet bekommen“, kündigt der Vereinschef an, der jedoch auf den Solidaritätsgedanken setzt: Im Frühjahr hatten sich viele dazu bereit erklärt, während des ersten Lockdowns dennoch weiterhin ihre Beiträge zu zahlen.

In einer Präsidiumssitzung am vergangenen Mittwochabend sprachen sich die fünf Teilnehmer dafür aus, in einem Brief an die Mitglieder über die gegenwärtige Situation beim SSV zu informieren und ihnen in dieser schwierigen Zeit zu danken. Doch die Kommunikation ist für den ehrenamtlich geführten Verein nicht einfach in diesen Zeiten: „Nicht alle erreichen wir auf digitalem Weg“, räumt Oliver Grau ein. Und so sollen jetzt, trotz der damit verbundenen zusätzlichen finanziellen Belastung, Briefe geschrieben werden.

Dankesworte sind aber nur das eine: „Wir würden am liebsten im kommenden Jahr unsere Mitglieder bei der Sportgala vielleicht zu einem Getränk einladen und uns damit für ihr Entgegenkommen bedanken“, blickt Oliver Grau voraus.