Volleyball: Schwarz-weißes Motto heißt flexibel bleiben

Erfurt.  Corona verlangt den Bundesliga-Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt Anpassung und Reaktionsvermögen ab. Um sich mehr Möglichkeiten zu verschaffen, plant Rica Maase den Umstieg von Diagonal auf Außen.

Mit einem der Einlaufkinder auf dem Arm winkt Rica Maase den Fans in der Riethsporthalle zu. Rund 400 Besucher sind bei den Heimspielen der Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen zugelassen. Erstmals zu Hause spielen sie am Sonnabend in einer Woche (24. Oktober, 18 Uhr), dann gegen Potsdam.

Mit einem der Einlaufkinder auf dem Arm winkt Rica Maase den Fans in der Riethsporthalle zu. Rund 400 Besucher sind bei den Heimspielen der Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen zugelassen. Erstmals zu Hause spielen sie am Sonnabend in einer Woche (24. Oktober, 18 Uhr), dann gegen Potsdam.

Foto: Sascha Fromm

„9:13, und dann kam Jenny Pettke!“ Die Augen von Rica Maase beginnen zu leuchten, wenn die Sprache auf den Vergleich mit Aachen vor einem Jahr fällt. Vier Punkte lagen die Erfurter Volleyballerinnen an jenem 14. Dezember zurück, um dann mit der Kapitänin bei der Aufgabe eine famose Aufholjagd zu starten, die die Fans in der Riethhalle von den Sitzen riss. Sechs Punkte am Stück, 15:13 im Tiebreak, 3:2, der erste Saisonsieg nach einem Krimi, dessen Drehbuch hätte kaum spektakulärer geschrieben sein können.

Die Erinnerungen werden wach, wenn es an diesem Sonnabend (18 Uhr) im zweiten Saisonspiel zu den „Ladies in Black“ geht. Besonders bei Rica Maase. Durch ihren Matchball per Block und zwei weitere Punkte in diesem Wahnsinnsendspurt ist der Abend damals gerade für die Dresdnerin zu einem wie in Gold gefasst gewesen. Getrübt durch die schwere Verletzung von Paula Reinisch, dennoch ein Erfolgsmoment in einem nicht immer nach Wunsch verlaufenen Premierenjahr. Möglich, dass die Aachenerinnen ihr nun auch mal an anderer Stelle als auf Diagonal begegnen.

Annahme/Außen, es ist eine Idee. Eine, die schon Formen annimmt. Die schlagstarke junge Frau nennt es einen fließenden Übergang. Im Verbund mit Trainer Dirk Sauermann plant sie den Positionswechsel. Passend zu dem Jahr, das Anpassung mehr denn je verlangen könnte, das Verständnis, Mut und Reaktionsvermögen für noch kaum abschätzbare Entwicklungen erfordern könnte.

Saison lässt so viele Unwägbarkeitenwie keine andere erwarten

Wachsam sein, flexibel bleiben. So umreißt Neu-Trainer Sauermann seine Erwartungshaltung. Es scheint für alle das Gebot der Stunde in dieser noch Bundesliga-Saison zu sein. Das Thema Corona beherrscht alle und lässt so viele Unwägbarkeiten erwarten wie in keiner anderen Serie.

Straubing hat am vergangenen Wochenende einen Vorgeschmack erhalten, wie schnell alles anders sein kann. Auf der Strecke nach Wiesbaden hieß es umkehren. Im Umfeld der Bayern hat es einen Coronafall gegeben, das Gesundheitsamt der Stadt Straubing wies vorsorglich Quarantäne für die gesamte Mannschaft an. Die erste Spielabsage war die Folge.

Etwas besorgt schaut Schwarz-Weiß-Präsident Michael Panse deshalb auch den Auswärtsfahrten entgegen. Erst recht, wenn sie in Gegenden mit höheren Infektionszahlen führen. Mit mehr als 70 Infizierten auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt die Inzidenzzahl in der Region um Aachen etwa sechs Mal höher als in Erfurt.

Fieber messen vor jedem Training, Coronatest vor jedem Spiel

„Wir werden uns von Spieltag zu Spieltag die Frage stellen müssen, wie wir die Spielerinnen schützen können. Das ist das Wichtigste“, sagt der Vereinschef Anfang der Woche. Im Stillen rechnet er damit, im Laufe der Saison mit unvorhersehbaren Problemen konfrontiert zu werden. Unabhängig von der sportlichen Herausforderung, die schon in Aachen ein hohe Hürde mit sich bringt.

Was, kommt es im eigenen Lager zu einem Coronafall? Zwei Wochen Quarantäne für alle wären wohl die Folge. Immerhin: Bei zwanzig Spieltagen gibt es Luft für Nachholtermine.

Vorsichtsmaßnahmen betreffen vor allem die Mannschaft. Vor jedem Training wird Fieber gemessen, vor jedem Spieltag sieht das Hygiene-Konzept einen Coronatest vor. „Bei zehn Grad setzen wir schon die Mütze auf, um ja nicht krank zu werden“, meint Rica Maase, „aber es ist nicht so, dass wir uns zu Hause einsperren“.

Sich von jetzt auf gleich auf eine neue Situation einstellen zu müssen ist nicht neu für die Erfurter. „Die Achterbahn haben wir schon durch“, erinnert Geschäftsführer Christian Beutler etwa an den verkorksten Abschluss der vergangenen Saison, an das ausgefallene Duell gegen Suhl im März. Von Stunde zu Stunde rief es damals eine veränderte Sachlage hervor. Erst waren’s noch tausend Zuschauer, vor denen der Thüringengipfel um alles oder nichts hätte steigen sollen; wenige Stunden später noch fünfhundert, dann waren gar keine mehr zugelassen; am Ende wurde das Spiel ganz abgesagt.

Die Chancen suchen und nutzen: Sehen, was geht

Für Rica Maase der hektische Schlusspunkt eines Spieljahres, in dem sie sich nach ihrem Wechsel mehr Einsatzzeiten erhoffte hatte und am Ende wegen eines angerissenen Bandes im Ellbogen auch noch zwangspausieren musste. Und zugleich war es der Anfang einer für Sportler unwirklichen Zeit, einer der Ungewissheit. Verbunden mit der Frage: Und nun?

Weg vom Volleyball, womöglich weg von Schwarz-Weiß ist für die 20-Jährige indes keine Option gewesen. „Ich fühle mich in Erfurt sehr wohl“, sagt sie. Stattdessen hat sie die Zeit zu Hause in Dresden zum Fithalten verwendet. Neben Läufen viele Krafteinheiten mit Bruder und Jungnationalspieler Lukas, der in Friedrichshafen spielt, ungewöhnlicherweise eher im Hof, und überhaupt viel draußen.

„Ändern konnten wir es eh nicht“, sagt Rica Maase, hat den Blick aber längst nach vorn gerichtet. Auf die neue Bundesliga-Saison und ihren neuen Kurs. „Es schafft mehr Möglichkeiten, macht flexibler“, ist sich Trainer Dirk Sauermann einig mit seiner Nummer 14. Sie findet Spaß daran und sieht eine Perspektive. Schauen, was geht. Sehen, was Erfolg bringt.

Es darf durchaus als Leitfaden der Erfurterinnen für die Saison gelten. Die Chance suchen – und nutzen. Gern öfter so wie gegen Aachen vor einem Jahr.