40 Jahre Volleyball in Nordhausen: Top-Schiedsrichter Frank Garthoff

Nordhausen  Volleyball: Als keiner pfeifen wollte, begann sein Weg zu einem der besten deutschen Referees am hohen Netz.

Frank Garthoff (rechts) als Schiedsrichter bei einer EM. Er pfiff 230-mal international. Foto: privat

Frank Garthoff (rechts) als Schiedsrichter bei einer EM. Er pfiff 230-mal international. Foto: privat

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Frank Garthoff ist auf dem Weg in den Urlaub. Zinnowitz auf Usedom. Seine Frau Inge fährt den Wagen dankenswerterweise. So hat Garthoff Zeit zum Plaudern über eine lange, sehr erfolgreiche Karriere als Volleyball-Schiedsrichter.

Seine Liebe zum Volleyball weckte ein Nordhäuser Feuerwehrhauptmann. „Herr Wagner war Europameister im Sturmleiterklettern. Als er mir die Hand drückte, dachte ich, ich versinke. Aber er war der richtige Trainer. Er zog eine Gruppe von Jungen aus meiner Schule bei Dynamo zum Volleyball zusammen Ich spielte damals Tischtennis. Das machte mir aber nicht so viel Spaß“, erinnert sich Garthoff an die Volleyball-Anfänge.

Um höherklassig zu spielen, ging Garthoff später zu Aufbau Heringen zu Peter Gottschalk. „Daraus entwickelte sich dann Aktivist. Ich war bei der Gründungsversammlung dabei“, sagt Garthoff. Der 1,89 Meter große blonde Bursche wurde mit seinen Kameraden Bezirksmeister.

Schon zuvor als 15-Jähriger hatte Garthoff Talent für das Schiedsrichtern gezeigt. „Es gab damals in der Kreisklasse Dreier-Turniere, da war immer eine Mannschaft spielfrei und von der musste einer pfeifen. Da oft keiner wollte, habe ich das eben als Stift gemacht.“

Unter Trainer Hendrik Kuntz stiegen in Nordhausen die Ansprüche. Für den Universalspieler Garthoff gab es im modernen Volleyball kaum noch Platz. Doch er wollte der Sportart verbunden bleiben. „Hendrik sagte, du kannst Trainer, Offizieller oder auch Schiedsrichter werden. Ich hatte schon eine Trainer-B-Lizenz, doch das Pfeifen reizte mich“, erzählt Garthoff. So fuhr er als Ersatzspieler in der DDR-Liga mit und piff, wenn wieder mal ein angesetzter Referee den Zug zu den Spielen verpasst hatte.

Als Garthoff dann 1987 zum ersten Schiedsrichter-Lehrgang vom DDR-Verband eingeladen wurde, hatte er schon 37 internationale Spiele gepfiffen. „Denen ist damals die Kinnlade runtergefallen“, lacht Garthoff.

Seine Karriere nahm schnell Fahrt auf. 1. und 2. Liga in der DDR. Nach der Wende wurden er und seine Kollegen ganz ohne Ost-West-Ressentiments in den Kreis der deutschen Schiedsrichter aufgenommen.

Universiade in Südkorea das schönste Erlebnis

1994 fuhr Garthoff dann zum internationalen Schiedsrichter-Lehrgang nach Bulgarien. In Sofia und Plowdiw wurden die Referees geschult. Fortan piff der Nordhäuser international. Sein erstes Länderspiel hatte Garthoff zwar schon 1988 beim Gera-Cup mit der Frauen-Partie BRD gegen Ungarn gepfiffen, doch nun hieß es Europapokal, EM oder Universiade.

Diese Reise zu den „Olympischen Spielen“ der Studenten nach Südkorea im Jahr 2003 war Garthoffs schönstes Erlebnis als Schiedsrichter. „Sportlich und kulturell“, sagt er.

Der Traum von Olympia oder einer WM blieb leider unerfüllt. „Da stand mein Gothaer Kollege Frank Leuthäuser vor mir“, erkennt Garthoff neidlos die Qualitäten des zweiten Thüringer Top-Schiedsrichters an.

Sein Motto auf dem hohen Stuhl am Netz lautete immer: „Bei mir hat jeder den Vorteil, nicht benachteiligt zu werden.“ Das zog er auch durch, wenn er einmal seine Nordhäuser Mannschaft pfeifen musste. „Wenn ein Schiedsrichter das Spiel in unserer Käthe-Kollwitz-Halle durch Zugverspätung mal nicht erreicht hatte, bin ich als Schiri öfter eingesprungen. Da habe ich die Aktionen meiner Aktivist-Spieler dann meist härter bewertet. Aber sie haben mit danach keine drübergezogen“, erinnert sich Garthoff lachend.

Mit 56 musste der Nordhäuser vor drei Jahren seine Karriere wegen der gültigen Altersgrenze beenden. An das Abschiedsspiel erinnert er sich sehr gern. „Berlin fehlte gegen Friedrichshafen nur noch ein Sieg zur deutschen Meisterschaft. Doch der VfB gewann 3:1. Die vielen Zuschauer pfiffen trotzdem nicht und klatschten bei meinem Abschied“, sagt Garthoff, der übrigens im Mai sein 40-jähriges Berufsjubiläum im Nordhäuser Bauprüfinstitut hatte, wo er als Prüfingenieur arbeitet.

Insgesamt hat der heute 59 Jahre alte Thüringer 1010 Spiele gepfiffen. 230 davon international. Inzwischen pfeift er Senioren-Turniere und ist als Schiedsrichter-Beobachter tätig. Zuletzt 2013 in Nordhausen beim Männer-Länderspiel Deutschland gegen Italien.

Auf Usedom freut sich Frank Garthoff auf Sonne, Strand und Beachvolleyball. „Es gibt sechs Plätze. Da kann ich mich schön bewegen“, meint der frühere deutsche Meister mit Nordhausen im Senioren-Volleyball.

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