Weimarer Remis mit drei Roten Karten

Weimar.  Fußball: Der Schöndorfer SV und die Zweite des SC 03 Weimar trennen sich 3:3. Wie erwartet ging es heiß her, Missverständnisse eingeschlossen.

Man fasst es nicht: Markus Haubold, Trainer des Schöndorfer SV, musste selbst mit Roter Karte hinter die Barriere.

Man fasst es nicht: Markus Haubold, Trainer des Schöndorfer SV, musste selbst mit Roter Karte hinter die Barriere.

Foto: Jürgen Scheere

Markus Haubold muss erst einmal tief Luft holen. Der Trainer des Schöndorfer SV braucht für die Suche nach den richtigen Worten etwas Zeit. Nein, das bloße 3:3 im Ortsderby gegen die zweite Mannschaft des SC 03 Weimar sei es nicht, was ihm zu denken gebe. Vielmehr seien es die Scharmützel am Rande.

Die zwei, nein sogar drei Roten Karten. Denn eine, die habe er selbst erhalten. „Dieses Spiel begann völlig normal“, erinnert er sich. Sonntagnachmittag, Kreisoberliga – und seine Schützlinge legten los, wie die Feuerwehr. Rasch führte der Schöndorfer SV mit 2:0. Sehenswert seien die Tore gewesen, freilich verdient. Die SC-Kicker seien zunächst schon geknickt gewesen. „Haben deswegen aber nicht angefangen, nach allem zu treten“, sagt Haubold. Alles sei im Rahmen geblieben, bis zu jener Szene, als sich die Wege des Schöndorfer Angreifers Philipp Neunemann und des Weimarer Abwehrspielers Marcus Stinka kreuzten – und der SSV-Stürmer sich dafür die erste Gelbe Karte abholte. Nein, nicht dafür. Wirklich nicht, bemerkt Schöndorfs Trainer. Es folgte nach einer guten halben Stunde ein denkwürdiges Wortgefecht, in dem der eine vom SC dem anderen vom SV mit einem kurzen Wort unterstellt haben soll, seine Liebe als Service käuflich anzubieten. „Das hat er wohl zwei-, dreimal gemacht. Zuschauer, die weit entfernt standen, konnten mir hinterher den genauen Wortlaut der Unterhaltung erzählen. Der Schiedsrichter hat aber wohl nur das gehört, was mein Spieler gesagt hat“, erklärt Haubold.

Wenn lobende Worte falsch interpretiert werden

Die verbale Erwiderung von Matthias Happe war happig – und hatte die Rote Karte zur Folge. Zu recht, wie Haubold sofort sagt. Derlei hätte seinem Mann einfach nicht rausrutschen dürfen. Doch nur Minuten später rückte Schöndorfs Trainer selbst in den Mittelpunkt. Auf Höhe der Trainerbank hätte sein Spieler Christoph Bachmann ein sauberes Tackling hingelegt, was er mit einem „Gut gemacht, Christoph“ und Applaus honorierte. Blöderweise hört der Schiedsrichter auch auf Christoph, und der Herr Rank ahndete den Einsatz des Spielers mit einem Freistoß für den SC. Den Applaus von Haubold wertete er als hämisch auf sich bezogen, das „Gut gemacht“ ebenso – und hielt dem Trainer den Roten Karton vor die Nase. Und das mit einer gewissen „Genugtuung“, wie Coach Haubold bemerkt haben möchte.

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 2:3 aus Sicht der Hausherren. In der Pause habe er dann an den Charakter seiner Jungs appelliert. „Wir lagen zurück, waren einer weniger und hatten das Gefühl, dass sich der Gegner beim Schiedsrichter mehr erlauben kann als wir. Das hat uns motiviert“, sagt Haubold, der nun aber die Partie 20 Zentimeter weiter hinten verfolgen musste. Er lehnte wegen des Platzverweises – Warum gab es eigentlich da nicht Gelb als Verwarnung? – nicht mehr mit dem Rücken an der Querstange, sondern stand nun dahinter.

Nun, gut, sei‘s drum: Schöndorf kämpfte sich zurück und kam noch zum Ausgleich. Toni Hage war es, der nach 72 Minuten das 3:3 als erster bejubeln durfte. Haubold freute sich fast wie ein echter Fan auf den Rängen, um nur acht Zeigerumdrehungen später schon wieder mit dem Kopf zu schütteln. Schütteln zu müssen. Denn Lenny Große wurde ballführend hart attackiert, ging zu Boden, will nachgrätschen und trifft den Gegenspieler. Und: Tschüss! Die nächste Rote Karte (80.). „Und wieder war sie berechtigt“, sagt der Coach des Schöndorfer SV.

Das sportliche Remis am Ende findet er gerecht, die Darbietung des Unparteiischen hätte auch wenig Einfluss darauf gehabt. Nur ein fader Beigeschmack, der bleibe.