WSV Bad Lobenstein wartet auf den Winter

Bad Lobenstein.  In Bad Lobenstein macht sich Frust breit. Schlechte Ski-Bedingungen kennt man inzwischen, doch der gänzliche Schneeausfall ist neu.

Um das Gefühl, auf Skiern zu stehen, zumindest ansatzweise nachempfinden zu können, wird beim WSV Bad Lobenstein mangels Schnee regelmäßig auf Skirollern trainiert.

Um das Gefühl, auf Skiern zu stehen, zumindest ansatzweise nachempfinden zu können, wird beim WSV Bad Lobenstein mangels Schnee regelmäßig auf Skirollern trainiert.

Foto: Alexander Hebenstreit

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Eigentlich ist er ja schon da. Meteorologisch seit Anfang Dezember, kalendarisch einen guten Monat und seit einigen Tagen nun auch mit Blick auf das Thermostat. Der Winter tastet sich allmählich voran, doch eines fehlt. Abgesehen von einem unzureichenden und nicht nachhaltigen Ausreißer kurz nach Neujahr wartet man bislang vergebens auf Schnee.

Was nicht wenige Autofahrer freuen dürfte, sorgt bei mindestens einem Sportverein in der Region für reichlich Argwohn: dem WSV Bad Lobenstein. Abgesehen von einem einzigen Wettkampf in Oberhof, wo die Langläufer zumindest einmal eineinhalb Kilometer Schnee unter die Skier bekamen, durften die Kurstädter ihrer eigentlichen Kernsportart in dieser Saison noch gar nicht nachgehen.

Kurze Hose und Turnschuhe statt Mütze und Skier

„Es gab immer wieder schlechte Winter, aber dass es überhaupt keinen Schnee gab, daran kann ich mich nicht erinnern“, gibt ein sichtlich frustrierter Silvio Fuckerider am Rande einer Trainingseinheit unterm Hallendach zu Protokoll. An jungen Sportlerinnen und Sportlern mangelt es sichtlich nicht, doch die sind in kurzer Hose und Turnschuhen statt mit Mütze und Skiern unterwegs.

Zumindest das etwa 700 Meter hoch gelegene Rodacherbrunn war in den letzten – oftmals auch nicht rosigen – Jahren die eiserne Wintersportbastion. Doch selbst dort ist aktuell nicht ans Skifahren zu denken, was sich auch trotz aktueller Minusgrade nicht so schnell ändern dürfte. Befragt nach den Wetteraussichten holt WSV-Trainer Silvio Fuckerider tief Luft und antwortet flüsternd: „Das kannst du vergessen.“

Wenigstens einmal auf Skiern stehen

Egal ob mit Leistungsgedanke oder als reines Hobby: Nichts geht in Sachen Langlauf. Selbst der jüngste Wettkampf Oberhof, wo die Bedingungen auch kaum der Rede wert sind, war allenfalls ein kleiner Tapetenwechsel. „Leider Gottes sind unsere Sportler dort angetreten, ohne dass sie mal auf Skiern standen. Es war einfach nur, um überhaupt das Gefühl kennenzulernen“, so der Bad Lobensteiner Übungsleiter weiter.

Zwar ist das Trainingsangebot des WSV vielseitig aufgebaut, so dass Koordination, Athletik und Kondition über verschiedene Disziplinen vermittelt werden, doch letztlich geht es nun einmal ums Skilaufen. Und hier gilt die Aufmerksamkeit nicht nur dem Breitensport, in Bad Lobenstein will man auch in der Spitze gut sein, wofür sechs Vereinsmitglieder am Oberhofer Sportgymnasium der Nachweis sind. Zuletzt wurde im Sommer Tristan Wenzel an die Eliteschule delegiert, doch es wird für den kleinen Verein aus der Kurstadt immer kniffliger.

Weg ans Sportgymnasium wird schwieriger

„Vor zehn Jahren war es aufgrund der Schneelage einfacher, Talente nach Oberhof zu bekommen. Die Wintersaison macht für die Bewertung zwei Drittel aus und wenn man nur noch die Sommerwettkämpfe hat, wird es eben schwieriger“, meint Fuckerider. Zunächst dürfte sich an der geringen Zahl der Wettkämpfe nicht viel ändern.

So stehen am 1. Februar theoretisch die Ostthüringer Skimeisterschaften an, die der WSV Bad Lobenstein ausrichtet. Abgesagt ist sie – jedenfalls bislang – nicht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, erklärt Silvio Fuckerider, doch allzu groß ist sie nicht. Nicht weniger ernüchtert merkt Vereinschef Reinhard Kurtz an, dass selbst die bayerischen Meisterschaften abgesagt seien.

Vielseitig wie der FC Bayern München

Den Vereinsnamen WSV, also Wintersportverein, wollen die Bad Lobensteiner übrigens in jedem Fall behalten. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage antwortet Fuckerider augenzwinkernd: „Ich drücke es mal vorsichtig aus: Ein FC Bayern München bietet ja auch nicht nur Fußball an.“ Ohnehin besteht die Hoffnung, dass ein so schlechter Winter wie dieser im Thüringer Schiefergebirge die Ausnahme bleibt. „Man geht ja davon aus, dass es auch wieder etwas besser wird.“

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