Tödlicher Fenstersturz in Altenburg: Angeklagte bestreiten Tat

Gera.  Das Landgericht Gera muss einen Todesfall klären: Haben zwei Maurer eine Frau auf dem Gewissen?

Der 57 Jahre Angeklagte mit seinen Verteidigern Carl Sommer (links) und Martin Sommer

Der 57 Jahre Angeklagte mit seinen Verteidigern Carl Sommer (links) und Martin Sommer

Foto: Tino Zippel

Am Landgericht Gera hat am Dienstag der Prozess in einem kniffligen Kriminalfall begonnen: Zwei Männer aus Altenburg sitzen auf der Anklagebank, weil sie eine Frau misshandelt haben sollen. Diese fiel im Anschluss aus dem Fenster eines Altenburger Wohnhauses und verstarb an ihren Verletzungen.

Streit um Geld und gestohlenen Fernseher

Laut Staatsanwaltschaft hat sich die Tat am 6. April 2017 im Wohngebiet Altenburg-Nord ereignet. Demnach konsumierten alle gemeinsam größere Mengen Bier. Dabei kam es zum Streit zwischen den beiden gelernten Maurern und der Frau, die Geld geschuldet haben soll. Die damals 57-Jährige hingegen unterstellte den beiden Männern, ihren Fernseher gestohlen zu haben. Zunächst soll der heute 58-Jährige die gelernte Köchin mit den Händen geschlagen haben, bis sie vom Stuhl fiel. Dabei habe sie sich unter anderem das rechte Felsenbein gebrochen.

Anschließend soll der heute 57 Jahre alte Angeklagte in der Küche auf die Frau eingetreten haben. Dabei sei es zu mehreren Rippenbrüchen und einer Lungeneinblutung gekommen. Kurze Zeit später sei die Geschädigte unter ungeklärten Umständen aus dem Fenster im zweiten Obergeschoss gefallen. Die beiden Angeklagten hatten laut Alkoholrückrechnung zur Tatzeit zwischen 2 und 2,8 Promille Alkohol im Blut.

„Habe ihr nur einmal in den Arsch getreten“

Vor Gericht bestreiten die Männer, für den Tod der Frau verantwortlich zu sein. Der 57-Jährige sagt, er habe der Frau nach deren Beleidigungen „nur einmal in den Arsch getreten“. Er habe danach im Supermarkt Bier-Nachschub geholt. Nach der Rückkehr habe die Frau auf der Fensterbank gesessen, ihn angelächelt. Als eine Bekannte von unten rief, habe sie losgelassen. „Da hat sie das Gleichgewicht verloren und stürzte ab.“

Der andere Mann gibt zu, der Frau „zwei geklatscht“ zu haben. Er sei gerade beim Rauchen gewesen, als die Frau aus dem Fenster fiel. „Ich habe nur gesagt: Holt den Krankenwagen.“

Rechtlicher Hinweis zu möglicher Verurteilung

Der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf erteilt den rechtlichen Hinweis, dass nicht nur eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, sondern auch wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tatmehrheit mit versuchtem Mord in Betracht kommt. Mögliche Mordmerkmale seien die Verdeckungsabsicht oder andere niedere Beweggründe.