Das grüne Herz auf dem größten Jahrmarkt der Welt

Berlin.  Mehr als 50 Thüringer Aussteller sind zur Grünen Woche nach Berlin gefahren, um für sich und den Freistaat zu werben.

Am Freitag (17. Januar) hat die Internationale Grüne Woche (IGW) begonnen. Thüringen ist mit etwa 50 Ausstellern am Gemeinschaftsstand des Freistaats in Halle 20 der Messe Berlin vertreten. In diesem Jahr präsentiert sich der Ilm-Kreis als regionaler Schwerpunkt in der Thüringenhalle. Jens Löser ist Erfinder der Thüringer Kloßpommes.

Am Freitag (17. Januar) hat die Internationale Grüne Woche (IGW) begonnen. Thüringen ist mit etwa 50 Ausstellern am Gemeinschaftsstand des Freistaats in Halle 20 der Messe Berlin vertreten. In diesem Jahr präsentiert sich der Ilm-Kreis als regionaler Schwerpunkt in der Thüringenhalle. Jens Löser ist Erfinder der Thüringer Kloßpommes.

Foto: Peter Michaelis

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Inmitten von Holzvertäfelungen, Bildern vom grünen Thüringer Wald und unterm künstlichen Kickelhahn-Turm könnte man den Eindruck gewinnen, die Welt sei in Ordnung. Während Bauern mit ihren Traktoren zumindest eine Zeit lang den Verkehr in der Hauptstadt Berlin lahmlegen, strömen zehntausende Besucher – meist aus Berlin, Brandenburg und Umgebung – auf das Messegelände unter dem Funkturm. Mehr als 50 Aussteller haben sich unterm Dach einer großen Thüringer Präsentation auf die Internationale Grüne Woche begeben, um zu zeigen, dass der Freistaat nicht nur Würste und Klöße zu bieten hat – aber natürlich auch die in großer Zahl und hoher Qualität. Etwa 400.000 Gäste werden in den zehn Messetagen erwartet.

Kräuterkunde für Fortgeschrittene

Daniel Schmutzler zum Beispiel lädt inmitten des großen Andrangs zur kleinen Kräuterkunde. „Wir sind in Thüringen führend im Arzneipflanzenanbau“, sagt der Geschäftsführer des Thüringer Interessenverbandes für Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen, der selbst bei der Agrarprodukte Ludwigshof bei Ranis im Saale-Orla-Kreis arbeitet. Er hat etwa anderthalb Dutzend Probeschälchen aufgebaut, in denen getrocknete Kräuter liegen. Viele Gäste schnuppern. Eine Besucherin mit schwäbischen Akzent dekliniert: „Pfefferminze, Zitronenmelisse, Spitzwegerich, Kapuzinerkresse.“ Alles richtig. Die Artischocke hat sie aber zunächst für etwas anderes gehalten. „Wir haben zum Beispiel für Kamille in Thüringen etwa 800 Hektar Anbaufläche.“ Das seien gut zwei Drittel des deutschen Aufkommens. Viel gehe in Badezusatz oder Medikamente. „Aber auch in viele Tees.“

Natürlich ist Schmutzler mit dem Informationsangebot Exot. Die Mehrheit der Thüringer Aussteller will verkaufen – oder eine Reise in den Freistaat schmackhaft machen. Bier für Bier etwa schenkt man am Stand der Köstritzer Schwarzbierbrauerei aus – schon kurz nach Messebeginn um 10 Uhr ist die Nachfrage sehr rege. Zur Mittagszeit sind Rostbratwürste verschiedener Anbieter ein Renner. Aber auch die Kloßpommes aus Heichelheimer Produktion sind gefragt. „Die bleiben über Stunden knusprig“, verspricht Erfinder Jens Löser aus Stützerbach. Seit etwa einem Jahr sind die Pommes tiefgefroren erhältlich. „Am besten schmecken sie mit Kräuterquark, Mayonnaise mit Preiselbeeren oder mit Senf.“ In seiner Pension serviert er sie frisch gemacht mit Vanilleeis.

Schwedeneisbecher aus dem Tiefkühlfach

Dann wollen ein paar Mittagsgäste am Stand der Ablig Feinfrost ein Eis haben und Löser hilft aus: Schwedeneisbecher und Kokos-Eis reicht er über den Tresen. „Für den Schwedeneisbecher ist hier Premiere“, sagt Mitarbeiterin Anja Hofmann. Immer wieder sondiert das Unternehmen bei der riesigen Verbrauchermesse, wie ihre Erzeugnisse ankommen. Und versorgt Gäste mit vielen Portionen Kloß mit Soße.

Es ist die Veranstaltung der Häppchen. Wer im Thüringer Bereich unterwegs ist, kann sich von Wurstpröbchen, Käsehäppchen oder Schokolade hangeln – und es gibt hunderte solcher Angebote auf dem Messegelände.

Landesregierung fördert mit fast 1 Million Euro

Ziegenkäse in allen Ausprägungen kommt zum Beispiel aus dem Ilm-Kreis. „Zehn bis zwölf Liter Milch sind für ein Kilogramm Hartkäse nötig“, sagt Siegmar Arnoldt vom Landhof „Am Ziegenried“. 160 Milchschafe geben dort zwei Mal täglich Milch. „Jetzt fressen sie Heu, im Frühjahr geht es wieder auf die Weide.“ Ergebnis sind Frischkäse, Käse nach Feta-Art, Eis und frische Milch. „Viel vitaminreicher als Kuhmilch“, weiß Arnold. Über den Hofladen und einige Edeka- und Rewe-Filialen verkauft man seine Erzeugnisse.

925.000 Euro gibt der Freistaat in diesem Jahr für den Messestand aus – auch weil sich viele Unternehmen allein eine Präsenz in Berlin nicht leisten könnten. „Interesse hätten noch viel mehr gehabt“, sagt der amtierende Thüringer Agrarminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), der sich mit dem Agrarausschuss des Landtags über die Thüringer Angebote informierte.

Fast 60 Aussteller zeigen sich aus Thüringen auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Der Freistaat Thüringen fördert den Messeauftritt mit 925.000 Euro. Erwartet wird unter anderem der Verkauf von mehren zehntausend Thüringer Bratwürsten. Parallel zur Messe protestiert am Sonnabend die Bewegung „Wir haben es satt“ mit Landwirten, Umweltverbänden und Globalisierungskritikern. Bereits am Freitag hat die Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“ in Berlin und weiteren Städten mit tausenden Traktoren gegen scharfe Auflagen für die Branche protestiert.

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