Die Zukunft der Gothaer Gartenstraße

Gotha  Der symbolische Spatenstich für das Fachmarktzentrum zwischen Gartenstraße und Moßlerstraße in Gotha ist am Dienstag erfolgt. Nun gewinnt das Baugeschehen an Fahrt. Zum Weihnachtsgeschäft 2020 sollen die Läden geöffnet sein

Die Computer-Simulation zeigt einen Blick auf das künftige Fachmarktzentrum von Ost nach West. Bis Bäume die hier abgebildete Größe erreichen, wird nach der Eröffnung noch Zeit vergehen. Abbildung: Saller-Bau

Die Computer-Simulation zeigt einen Blick auf das künftige Fachmarktzentrum von Ost nach West. Bis Bäume die hier abgebildete Größe erreichen, wird nach der Eröffnung noch Zeit vergehen. Abbildung: Saller-Bau

Foto: Saller-Bau

Es wird keine Standard-Kaufhalle, und es werden keine Standard-Fachmärkte. Das verspricht am Dienstagnachmittag Josef Saller, der Inhaber der Unternehmensgruppe Saller-Bau, nachdem ihn Projektleiter Andreas Barth bat, auch ein paar Worte an die Anwesenden zu richten.

Es waren Mitglieder des Gothaer Stadtrats, Amtsleiter und Mitarbeiter der Stadtverwaltung einschließlich Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD), Mitarbeiter von Planungsbüros und Baufirmen und Vertreter benachbarter Gewerbebetriebe, die Barth zum symbolischen ersten Spatenstich auf das Gelände zwischen Gartenstraße und Moßlerstraße eingeladen hatte.

Der Bau nimmt seit den frühen Morgenstunden mit Planierarbeiten auf der großen Fläche und letzten Abbrucharbeiten der Fußwege an der Nordseite an Fahrt auf. Er hat eine lange Vorgeschichte, an die Andreas Barth erinnerte. Die Geschichte fing aus seiner Sicht vor zehneinhalb Jahren an. Erste Vorgespräche zwischen Josef Saller und Knut Kreuch soll es schon 2008 gegeben haben.

Die Idee eines weiteren Einkaufszentrums in Gotha wurde über einen langen Zeitraum kontrovers diskutiert. Das Areal an der Nordseite der Gartenstraße war schnell favorisiert. Barth nennt die verkehrsgünstige Lage, die großzügige Fläche und die unmittelbare Nähe zur Altstadt als Vorzüge. Nicht extra erwähnt wird in Barths Ansprache, dass die Saller-Gruppe dort Flächen von privaten Besitzern erwerben konnte. Später kamen Flächen der Baugesellschaft Gotha hinzu.

Weiter erinnert Andreas Barth an Besprechungen im Bauausschuss, mit den Fraktionen des Stadtrates und in der Öffentlichkeit. Von völliger Ablehnung bis zum Favorisieren einer Variante mit weniger Verkaufsfläche reichten die Reaktionen. Dennoch, so Barth, läutete der Stadtrat am 31. August 2011 mehrheitlich mit dem Aufstellungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren den Planungsprozess ein.

Die Pläne wurden später öffentlich ausgelegt. Zahlreiche Einwände mussten behandelt werden. Es gab einen Fassadenwettbewerb. Der Investor ging in Vorleistung. Im Laufe der Zeit kam nach seinen Angaben ein Betrag von etwa drei Millionen Euro zusammen. Immer wieder gab es kritische Stimmen. Eine Initiative gegen das im Volksmund „Glitzerpalast“ genannte Projekt wurde gegründet. Sie scheiterte bei der Einleitung eines Volksbegehrens an juristischen Formalitäten. Eine Bürgerbefragung im Rathauskurier votierte mit über 70 Prozent für das Projekt. Kritiker merkten aber an, dass sich Oberbürgermeister Knut Kreuch deutlich pro Glitzerpalast positionierte, Teilnehmer der Befragung aber Name und Adresse offenlegten. Der Stadtrat votierte mehrheitlich, auch mit den Stimmen der zuvor skeptischen CDU-Fraktion, für das Projekt.

Doch zum Bau gehört auch die verkehrtechnische Erschließung. Im Zusammenhang damit sollte der Investor neben anderen Erschließungskosten die Sanierung des Heutalweges tragen, um die Stadt für Rettungsfahrten nach Norden durchlässig zu halten. Damit war das Projekt für ihn ökonomisch nicht mehr tragbar. Zwischen Weihnachten und Silvester baute der damalige Bürgermeister Klaus Schmitz-Gielsdorf (parteilos) in seiner Freizeit ein Modell, das eine abgespeckte Variante mit Supermarkt und Fachmärkten zeigte. Der neue Bauantrag von Saller-Bau entsprach dem in vielen Belangen, doch nun begann der Planungsprozess neu.

Inzwischen betätigte sich Saller-Bau auch als Wohnungs-Sanierer und setzte sieben Millionen Euro für 156 Wohnungen in den Plattenbauten am Rande des Areals ein. In Verantwortung eines anderen Investors entstehen schräg gegenüber an der Gerbergasse Wohnbauten, so dass bald mehr Menschen zu Fuß einkaufen gehen können.

Die Parkplätze am nun „Neuer Markt“ genannten Zentrum sind für zwei Stunden unentgeltlich. Die Rewe-Kaufhalle folgt einem eigenen energieeffizienten Konzept. Die Fachmärkte werden Fernwärme-Kunden. Vor Weihnachten 2020 soll der Neue Markt öffnen.

Zu den Kommentaren