Ein gastliches Haus entsteht am Fuß der Reinsberge

Kleinbreitenbach (Ilmkreis). Familie Keil baut ein altes Bauerngehöft in Kleinbreitenbach zu einem Kulturcafé und drei Ferienwohnungen um.

Harald und Almut Keil (rechts) bauen in Kleinbreitenbach ein altes Haus zu einem Café um. Hier zeigen sie mit Bauleiter Roland Wendemuth und Zimmermann Lars Hübner (links) einen kaputten Balken. Foto: Hans-Peter Stadermann

Foto: zgt

Der Balken ist kaputt, das Holz zerbröselt zwischen den Fingern. "Das war mal die Schwelle", erklärt Harald Keil. Feuchtigkeit und Holzwurm haben ganze Arbeit geleistet. Nun ersetzt Zimmermann Lars Hübner aus Gräfenroda all die Balken in dem Bauernhaus in der Heydaer Straße, die nicht mehr zu retten sind.

Stück für Stück geht es vorwärts, auch wenn sich noch Bauschutt türmt, durch Dach und Fachwerk der Himmel zu sehen ist. Doch Almut und Harald Keil bauen an ihrem Traum. Als ihre ehemalige Nachbarin verstarb und das um 1840 errichtete Bauerhaus zum Verkauf stand, haben sie es erworben und sich damit noch einmal Arbeit für Jahre und einen happigen Kredit aufgeladen.

Angebot für Natur- und Kulturbegeisterte

Nach einem Jahr Planungs- und Vorbereitungszeit entsteht nun im Erdgeschoss ein Kulturcafé mit insgesamt 50 Plätzen in zwei Räumen sowie einem Außenbereich. Außerdem werden drei großzügige Ferienwohnungen eingerichtet. "Wir denken an Leute, die natur-, kultur- und sportbegeistert sind", umschreibt Almut Keil die Zielgruppe. Familien mit Kindern sollen ebenso willkommen sein wie die mit Hund. Sie wollen Elektrofahrräder anschaffen und den Gästen Navigationsgeräte mit Routenvorschlägen zur Verfügung stellen. So lassen sich die schönen Reinsberge vor der Haustür und die gesamte Region umweltfreundlich erkunden. Im ehemaligen Kuhstall wird man feiern können oder gemeinsam Tatort gucken. Und an den Wänden bleibt Platz für wechselnde Ausstellungen.

Schließlich versteht das Bauherren- und Betreiberehepaar sein Projekt als passende Ergänzung zum Kunstwanderweg, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Kleinbreitenbach durch das Internationale Kunstsymposium der Volkshochschule entstand. Wer den Weg mit seinen mehr als 50 Kunstwerken besucht und danach noch einkehren möchte, hat bisher schlechte Karten.

Auch die Senioren aus dem Dorf sollen im Café "Landart" künftig einen Treffpunkt finden, denn ein Zentrum für die Dorfgemeinschaft gibt es in dem kleinen Ortsteil von Plaue nicht mehr. Das überzeugte auch die Regionale Aktionsgruppe Gotha-Ilmkreis-Erfurt, die das Projekt aus dem Leader-Programm für den ländlichen Raum finanziell unterstützt.

Dunkelrote Fenster und taubenblaue Balken

"Wir werden uns erst einmal herantasten, anfangs mit einem Cafébetrieb am Wochenende. Und dann wollen wir mit Gastköchen thematische Abende anbieten", erklärt Almut Keil, die als Fachbereichsleiterin bei der Volkshochschule arbeitet und sich auch auf neue Herausforderungen freut.

Allerdings wird es noch dauern, bis die ersten Touristen einziehen und die Gäste im Café die Lieblingskuchen den Künstler genießen können. Es gab ein paar Rückschläge, so deutete ein Riss im Stallgebäude auf eine alte Jauchegrube hin. Die wurde freigelegt, nun müssen die Fundamente des Stalles stabilisiert werden.

Im großen Haus hat erst einmal der Zimmermann zu tun, danach folgen Trockenbau, Fenster, Dacharbeiten... Das ursprünglich verputzte und mit nicht atmenden Materialien verkleidete Gebäude wird sich künftig mit Sichtfachwerk samt "wildem Mann" präsentieren. Das war einfach zu schön, um es wieder zu verstecken. Gebaut wird ökologisch, so kommt unter anderem Dämmwolle aus Hanf zum Einsatz.

Das Haus wird auch farblich ein Hingucker, freuen sich Keils und erzählen von dunkelroten Sprossenfenstern, taubenblauen Fachwerkbalken und grauem Putz. Das passt gut zusammen. Im Garten haben sie schon die ersten Beete für Blumen und Gemüse angelegt, auch an Parkplätze und Sitzplätze für die Gäste ist gedacht.

Probleme mit der Nachbarschaft erwarten sie nicht, das direkte Nachbarhaus ist schließlich ihr eigenes. Und Keils sind nach Kleinbreitenbach gezogen, weil sie die Ruhe schätzen.

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