Gothaer plädieren für einen Westentaschenpark an der Gartenstraße

In der "Plan-Werk-Stadt" diskutierten Bürger mit der Stadt und dem Investor die Bebauung des Areals an der Gartenstraße.

Überwiegend Architekten und Geschäftsleute hatten sich für die erste Gothaer Plan-Werk-Stadt angemeldet. Foto: Katja Dörn

Überwiegend Architekten und Geschäftsleute hatten sich für die erste Gothaer Plan-Werk-Stadt angemeldet. Foto: Katja Dörn

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Gotha. Die Teilnehmer der ersten "Plan-Werk-Stadt" ließen bis in den späten Mittwochabend ihren Ideen freien Lauf. Als ein "ergebnisoffener Dialog" war der Abend mit 55 Bürgern angelegt.

Und ebenso offen blieb er am Ende. Was die Teilnehmer in fünf Gruppen diskutierten und vorstellten, waren nur Anregungen, die weder die Stadt noch der Investor für das Areal zwischen der Gothaer Gartenstraße und Moßlerstraße aufnehmen müssen.

Sichtlich interessiert hörten die Verantwortlichen dennoch zu: sowohl Gothas Stadtvater Knut Kreuch (SPD) und Bürgermeister Werner Kukulenz (CDU), als auch Mitarbeiter der Saller Bau GmbH, die Teile des Areals erworben haben und das zukünftige Einkaufszentrum derzeit planen.

Und so drehten sich die Beiträge unter anderem um die Fassadengestaltung, die denkmalpflegerische Einbindung der zerstörten Synagoge und um die räumliche Anbindungen an die Innenstadt. Eine Gruppe fiel dabei mit ihrem Vorschlag auf, die Verkehrsführung der Gartenstraße um den hinteren Teil des geplanten Einkaufszentrums zu legen.

Vielfach kam auch der Wunsch nach mehr Grün in der Bebauung auf. Ein Teilnehmer errechnete, dass der B-Plan ein Minus von 80 Bäumen aufweist. Der westliche Teil könnte nach den Wünschen einer Gruppe als Park genutzt werden, für den sie sich auch schon einen Namen einfallen ließen: "Westentaschenpark".

Andreas Barth von der Saller-Gruppe, die unter anderem schon Einkaufszentren wie das "Atrium" in Weimar und die "Neue Mitte" in Jena erbaut haben, hörte sich die Vorschläge im hinteren Teil des Bürgersaals aufmerksam an. Dabei schwankte seine Gemütslage zwischen Seufzen und Schmunzeln. Etwa ein Prozent, schätzt Barth, könnten am Bebauungsplan des Einkaufszentrums verändert werden. Alles andere sei wirtschaftlich nicht tragbar. Wenn Forderungen kämen, die nicht machbar sind, dann werde die Saller-Gruppe sich zurückziehen, sagte Barth.

Auf die Frage, was er von der "Plan-Werk-Stadt" halte, antwortete er mit einem Vergleich: "Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Garten und plötzlich kommen zehn Personen und wollen diesen mitgestalten. Laden Sie die zum Kaffee ein?"

Noch besitzt die Saller-Gruppe erst Teile des Areals. Das städtische Gebiet werde ihnen erst verkauft, wenn der Stadtrat dem Erschließungsvertrag zustimmt, so Stadtplanungsleiter Roland Adlich.

"Es sind verschiedene Modifikationen am Einkaufszentrum von den Arbeitsgruppen vorgenommen worden. Aber keine hat es in Frage gestellt", resümierte Architekturprofessor Reinhold Zempke von der FH Erfurt, der mit einer Kollegin die Moderation des Abends übernahm.

Architekt Sebastian Großkopf, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens "Lebendige Innenstadt", widersprach: Er sehe das Einkaufszentrum weiterhin als Gefahr für die Innenstadt und deren Händler. Sein Wunsch: keine Bebauung, sondern eine Grünzone.