Heiß und Eis: Mit Abwärme beheizen die Ilmenauer ihre neue Schwimmhalle

Ilmenau.  Zum 9. Mal wird in diesem Jahr der Thüringer Energieeffizienzpreis an Unternehmen und Kommunen vergeben, die ihren Energieverbrauch deutlich senken, Einer der fünf Preisträger ist die Stadt Ilmenau.

Die neue Schwimmhalle in Ilmenau. Für ihr Konzept zur Nutzung der Abwärme aus der benachbarten Eishalle erhält die Uni-Stadt in diesem Jahr den Thüringer Energieeffizienzpreis.

Die neue Schwimmhalle in Ilmenau. Für ihr Konzept zur Nutzung der Abwärme aus der benachbarten Eishalle erhält die Uni-Stadt in diesem Jahr den Thüringer Energieeffizienzpreis.

Foto: ThEGA/Gecko One GmbH

Es sind wahrlich außergewöhnliche Zeiten: Am 25. Oktober hat die Stadt Ilmenau ihre neue Schwimmhalle eröffnet, die sofort sehr gut angenommen wurde. Nur eine Woche später musste sie sie wegen des neuerlichen Lockdowns gleich wieder für die Öffentlichkeit schließen – und nun erhält sie, obwohl der reguläre Badebetrieb noch immer ruht, dafür einen Preis: Die Stadt Ilmenau ist einer der fünf Gewinner des mit 30.000 Euro dotierten 9. Thüringer Energieeffizienzpreises, der am Donnerstag verliehen wird. Mit diesem Preis werden Kommunen und Unternehmen geehrt, die ihren Energieverbrauch und ihre Kohlenstoffdioxid-Emissionen deutlich gesenkt haben.

55 Tonnen CO2 werden pro Jahr eingespart

Was aber ist an der Schwimmhalle, die allein schon mit ihrer geschwungenen Dachkonstruktion besticht, das Preiswürdige? Es ist die Tatsache, dass die Schwimmhalle von der Nachbarschaft zur Eishalle profitiert: Anstatt die bei der Eispflege entstehende Abwärme wie bisher verpuffen zu lassen, wird sie zur Warmwasseraufbereitung und Beckenvorwärmung in der Schwimmhalle genutzt. Die Gebäudehülle wurde zudem so konstruiert, dass Verwirbelungen in der Lüftungsanlage minimiert und mögliche Kältepunkte vermieden werden. Unterm Strich spart das 55 Tonnen CO 2 im Jahr. Zählt man die zentrale Stadtlage der beiden Freizeiteinrichtungen mit guter Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr hinzu, fällt die Öko-Bilanz sogar noch besser aus.

Dabei haben es sich die Ilmenauer mit der Entscheidung für einen Neubau nicht leicht gemacht: Schließlich gab es in der aufstrebenden Uni-Stadt bereits eine Schwimmhalle, einen typischen 70er-Jahre-DDR-Bau. „Der aber war trotz mehrfacher Sanierungen inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen“, sagt Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (parteilos). Als erneut eine Sanierung anstand, „haben wir einfach mal alles auf den Tisch gelegt und einen Vergleich angestellt: Was kostet eine Kernsanierung – und was ein Neubau, wenn wir dafür Fördermittel bekommen?“ Schnell habe sich herausgestellt, „dass sich ein gut geförderter Neubau von den Kosten her nicht mehr so viel von der Kernsanierung unterscheidet“. Weil eine solche aus dem Altbau aber immer noch keinen Neubau gemacht hätte, der energetisch auf dem neuesten Stand ist, andererseits aber die Chance zur intelligenten Kopplung von Kälte- und Wärmeerzeugung am Standort der Eishalle bestand, sei die Entscheidung schließlich zugunsten des Neubaus gefallen: rund zwölf Millionen Euro Investitionskosten, mehr als die Hälfte davon gefördert. Weitere 1,5 Millionen Euro flossen in die schmucken Außenanlagen.

Umweltfreundliche Fernwärme aus Biomasseheizkraftwerk

Aber natürlich reicht die Abwärme allein nicht aus, um das Wasser im Sportbecken sowie im Sprung-, Kinder- und Lehrschwimmbecken auf Betriebstemperaturen zu bringen. Daniel Schultheiß: „Den anderen Teil liefert unsere umweltfreundliche Fernwärme, die in einem Biomasseheizkraftwerk erzeugt wird. Das heißt, auch die Energie, die zugeliefert wird, ist nach heutigen Standards sehr grün.“

Mit der coronabedingten Schließung der Schwimmhalle will sich Ilmenaus Oberbürgermeister indes nicht lange aufhalten: „Klar“, sagt Schultheiß, der selbst in einem ähnlichen Bau in Sonneberg das Schwimmen lernte, „jeder Monat Schließzeit ist traurig und finanziell eine Belastung. Aber wir schauen nach vorn. Am Ende ist die Schwimmhalle ja nicht für ein halbes Jahr gebaut worden, sondern für hoffentlich viele Generationen von Kindern, die dort das Schwimmen lernen, für Familien und Senioren.“ Er sehe den deutlich längeren Zeitraum, „in dem die Menschen in der Stadt von einer solchen Einrichtung profitieren“.

Träger des Thüringer Energieeffizienzpreises ist die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (Thega). Der Preis „Klimaschutz in Kommunen“ wird vom Thüringer Umweltministerium gestiftet, Hauptsponsor des Energieeffizienzpreises ist die Thüringer Energie AG (Teag). In diesem Jahr lagen neun Bewerbungen aus Kommunen und acht von Unternehmen vor.