Kreis Nordhausen: Hohe Lohnkosten bremsen kleine Betriebe aus

Nordhausen.  Sollte der Mindestlohn auf über 12 Euro steigen, müsste Susanne Schickschneit ihren Wertstoffhandel schließen.

Susanne Schickschneit betreibt in Nordhausen eine Wertstoffhandel-Firma. Ihr macht der Mindestlohn zu schaffen. Deshalb plädiert sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Susanne Schickschneit betreibt in Nordhausen eine Wertstoffhandel-Firma. Ihr macht der Mindestlohn zu schaffen. Deshalb plädiert sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Foto: Hans-Peter Blum

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Der gesetzliche Mindestlohn ist am 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro pro Stunde gestiegen. Über die Höhe dieses Lohns, den die Gewerkschaften als große gesellschaftliche Errungenschaft feiern, sind nicht alle glücklich. Gerade kleine Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern fällt es oftmals schwer, dieses Geld zu bezahlen.

Ein Beispiel dafür liefert Susanne Schickschneit. Sie betreibt in Nordhausen in der Helmestraße einen Wertstoffhandel. „Ich habe im Jahr 2006 mit einem Papierankauf in der Straße Morgenröte begonnen und bin zwei Jahre später an die Helmestraße gezogen.“ Dort kauft sie neben Altpapier und alten Textilien auch Bleiakkus und Europaletten an. „Ich handele mit gebrauchten Sachen und muss gegen Konkurrenz wie Kik oder Billiganbieter im Internet bestehen“, verdeutlicht sie.

Bevor der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2015 mit 8,50 Euro pro Stunde in Deutschland eingeführt wurde, hatte Schickschneit bis zu sechs Mitarbeiter. „Heute beschäftige ich noch zwei Mitarbeiter in Teilzeit“, betont sie. Mehr könne sie sich wegen der hohen Lohn- und Nebenkosten nicht leisten. Eine Außenstelle in Wipperdorf habe sie deshalb schließen müssen. „Ich kann auf vieles reagieren, aber der Lohn ist mein größtes Problem“, hat sie festgestellt.

Unternehmerin plädiert für bedingungsloses Grundeinkommen

„9,35 Euro bedeuten für mich das Ende der Fahnenstange“, schimpft die Geschäftsführerin. Und es soll für sie noch schlimmer kommen. „Der DGB-Vorsitzende Rainer Hoffmann hat kürzlich im ZDF-Morgenmagazin für eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 12,50 Euro pro Stunde plädiert, um später die Rente bezahlen zu können und nicht von Altersarmut bedroht zu sein“, sagt Schickschneit. „Dann kann ich meinen Laden gleich zumachen“, ist sie sicher.

Wobei sie einen anderen Lösungsansatz verfolgt. „Das Problem der Altersarmut könnte man dadurch lösen, dass man ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat einführt“, erklärt sie. Ist die Nordhäuserin doch gleichzeitig Vorsitzende des Vereins „Thüringer für Grundeinkommen“.

Auch Handwerksbetriebe ächzen unter den hohen Lohnkosten. „Wer gute Arbeit macht, soll auch gut bezahlt werden“, meint etwa Gabriele Neumeyer von der gleichnamigen Tischlerei in Niedersachswerfen. Ihr Mann Klaus ist Geschäftsführer eines kleinen Betriebes, der zwei Gesellen beschäftigt. Der tarifgebundene Mindestlohn liegt im Bauhandwerk bei 12,20 Euro in der untersten Lohngruppe und steigt im April auf 12,55 Euro.

Konkurrenz zu den Nachbarländern

„Den Mindestlohn können wir zahlen, müssen aber wegen gestiegener Nebenkosten immer mehr drauflegen, damit uns die Leute nicht abhanden kommen“, führt sie an. Zum Beispiel ins nur wenige Kilometer entfernte Niedersachsen. Dort werde nämlich ungleich besser gezahlt als in Thüringen. Das schlage sich dann auf die Preise nieder. „Wenn die Kunden wenigstens bereit wären, etwas mehr für die Produkte zu bezahlen. Aber so beißt sich die Katze in den Schwanz“, weiß sie keinen Ausweg.

Die Lohnspirale dreht sich trotzdem weiter. So hat etwa die IG Metall erst kürzlich angekündigt, tarifliche Regelungen zu vereinbaren, die die hiesigen Standorte und Beschäftigung sichern und die Thüringer Tarifgebiete an die alten Bundesländer angleichen. Keine guten Aussichten für Schickschneit & Co.

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