Neues Verfahren von Glatt Weimar steht vor der Industrie-Anwendung

Weimar  Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlammasche mit Hilfe der Weimarer Wirbelschichttechnologie

Phosphatdüngergranulat aus Klärschlammasche.

Phosphatdüngergranulat aus Klärschlammasche.

Foto: GLATT INGENIEURTECHNIK

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Firma Glatt Ingenieurtechnik errichtet in Sachsen-Anhalt die erste Anlage zur rückstandsfreien Produktion von marktfähigem Phosphordünger aus Klärschlammasche. Im Kern geht es dabei um die Nutzung der Phosphate, die das Pflanzenwachstum fördern. Der jährlich in Deutschland anfallende Klärschlamm mit recyclingfähigem Phosphor zählt nach Millionen Tonnen. Gleichzeitig befinden sich weltweit 90 Prozent der Phosphor-Rohstoffreserven außerhalb Europas.

Der Weimarer Glatt-Geschäftsführer Reinhard Böber weiß, dass die Betreiber großer Kläranlagen bis 2023 Konzepte vorlegen müssen, wie sie den knappen Rohstoff aus Klärschlämmen und aus den Resten seiner Verbrennung, der Klärschlammasche, gewinnen wollen. Nach den Übergangsfristen wird die Phosphorrückgewinnung ab 2029 sogar zur Pflicht.

Mit der Firma Seraplant Haldensleben und der Materialforschungs- und Prüfanstalt in Weimar hat die Glatt Ingenieurtechnik unter Einsatz ihrer Wirbelschichttechnologie ein Verfahren entwickelt, phosphorhaltigen Dünger aus der Asche des verbrannten Klärschlamms zu erzeugen. Nach Angaben von Jan Kirchhof (Glatt) wird in einem zweistufigen Verfahren aus der Asche ein pflanzenverfügbares Düngergranulat gefertigt. Ein wichtiger Vorteil sei die einfache technische Umsetzbarkeit. Es werde kein Rohphosphat und weniger Energie benötigt. Nicht zuletzt gebe es keine Abfälle. So lasse sich der Kreislauf des Phosphors schließen. Diese Ansatz hat auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt überzeugt. Sie unterstützt das Projekt mit rund 119.000 Euro.

Für Glatt-Projektleiter Jan Kirchhof ist das Potenzial immens: Getrocknet brächte es der in Deutschland anfallende Klärschlamm pro Jahr auf rund zwei Millionen Tonnen. 60.000 Tonnen davon seien Phosphor. Doch bisher werde weniger als die Hälfte des Klärschlamms überhaupt genutzt. In Weimar setzt der Abwasserbetrieb des Kommunalservice beispielsweise einen kleineren Teil seiner Klärschlämme direkt in der Landwirtschaft ein. Das Gros aber geht zur Rekultivierung in den Landschaftsbau der Region Leipzig. Beides ist in Zukunft so allerdings nicht mehr möglich.

Für Reinhard Böber ist die industrielle Anwendung jetzt der entscheidende Schritt. Am Rande eines Treffens mit dem Bundestagsabgeordneten Roland Hirte und dem Landtagsabgeordneten Jörg Geibert (beide CDU) stellte er auch Tests mit anderen Stoffe zur Düngerumwandlung durch dieses Verfahren in Aussicht. Der Projektleiter kann sich die Anwendung etwa bei Gülle vorstellen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren