Stadt Weimar unterstützt freies Internet

20 öffentliche Gebäude werden für ein dichteres "Weimarnetz" bereitgestellt. Das soll auch touristisch attraktiv sein. OB Wolf übernahm einen entsprechenden Antrag der Grünen. Eine Gebäudeliste soll nächste Woche komplett erstellt sein.

Dieser Freifunk-Router hängt im 12. Stock des Studentenwohnheims an der Jakobstraße.  Foto: privat

Dieser Freifunk-Router hängt im 12. Stock des Studentenwohnheims an der Jakobstraße. Foto: privat

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Weimar. Beinahe etwas ungläubig staunte Katharina Spiel über den Erfolg: "In Berlin hat das nicht geklappt, in Weimar schon", jubelte die bündnisgrüne Stadträtin dennoch.

Was war geschehen? Katharina Spiel formulierte im Mai für ihre Fraktion einen Antrag, der in den Stadtrat eingebracht wurde: "An 20 Gebäuden der Stadt werden W-Lan-Router mit Freifunk-Firmware angebracht", hieß es da. Und: "Die Anschaffungskosten in Höhe von maximal 2000 Euro werden aus dem Topf Wirtschaftsförderung entnommen."

Der Antrag wurde zur Beratung in den Wirtschafts- und Tourismusausschuss verwiesen. Dorthin lud man sich Bastian Bittorf und Simon Tretter ein, die die Idee vorstellten.

Beide sind im Freifunk-Verein "Weimarnetz" aktiv. Dort arbeiten Computer-Enthusiasten und Neugierige daran, Schritt für Schritt ein unabhängiges, nichtkommerzielles Computer-Funknetz über die Stadt zu legen. Darüber gelangt man kostenlos und ohne Anmeldung ins Internet. Es soll eine Verfügbarkeit bis 90 Prozent haben.

Bislang gibt es zwischen 50 und 100 Menschen in Weimar, die sich daran aktiv beteiligen. Sie schaffen sich privat einen Router an: ein Netzwerkgerät, das sich zu Hause installierten. Sie alle sind mit dem "Server" verbunden, mit dem Zentral-Computer des "Weimarnetzes", den der Verein betreibt.

"Jedes Gerät ist ein Multiplikator", erklärt Bastian Bittorf das Prinzip. "Je mehr Leute eines aufstellen, umso dichter und schneller wird das Netz."

Bislang findet man die Geräte nicht zufällig vor allem in der Nähe zum Universitätscampus. Das "Weimarnetz" war und ist vor allem eine studentische Initiative; der Studentenkonvent der Bauhaus-Universität unterstützt das Projekt. Auch Stadträtin und Medienstudentin Katharina Spiel ist Freifunkerin.

Ihr Vorstoß, Freifunk-Router in städtischen Gebäuden anzubringen, hatte das Ziel, das Netz dichter zu machen. Das gelingt nicht allein durch die Anzahl. Die Gebäude sind relativ hoch; so lässt sich ein größeres Gebiet abdecken, weil die Funkwellen nicht so schnell abprallen.

Der Antrag war erfolgreich: OB Stefan Wolf (SPD) erklärte im Ausschuss, die Verwaltung werde ihn übernehmen. Überzeugt hatte offenbar ein touristisches Argument: Gäste der Stadt könnten unkompliziert mit Smartphones, Tablet-Computern oder Klapprechnern ins Internet gelangen, um sich mit allerlei Informationen über Weimar zu versorgen: "Ein flächendeckendes Angebot von freiem Internet durch ergänzende Anbringung von Routern an städtischen Gebäuden kann ein weitere positiver Standortfaktor für Weimar werden", hieß es zur Begründung.

Dem verschloss sich auch Ausschusschef Wolfgang Hölzer (Weimarwerk-Bürgerbündnis) nicht. Im Gegenteil: "Kommerzielle Betreiber werden zwar nicht erfreut sein", sagte er unserer Zeitung. "Aber die Attraktivität der Stadt gewinnt."

Nicht nur Hölzer sieht nämlich neue Möglichkeiten, die das "Weimarnetz" bietet. Die Idee ist zukünftig, einen digitalen touristischen Leitweg aufzubauen.

Passenderweise entwickelten Informatiker und Gestalter der Bauhaus-Universität gerade ein Anwendungsprogramm dafür: "Vademecum" wurde vor drei Wochen auf der Jahresschau "Summaery" vorgestellt.

Die "App" fürs Smartphone erkennt Sehenswürdigkeiten Weimars und gibt blitzschnell Auskunft zu wichtigen Gebäuden (unserer Zeitung berichtete). Mit einer Handbewegung erkennt die "App" beispielsweise das Goethehaus und liefert sofort Informationen zu Architektur, Geschichte, Veranstaltungen, und Öffnungszeiten.

Nun geht es aber erst einmal darum, die 20 Netzwerkgeräte einzurichten. Die 2000 Euro, sie anzuschaffen, hätte der Freifunker-Verein, der sich über Spenden finanziert, notfalls auch selbst aufbringen können, sagt Bastian Bittorf. Viel wichtiger war, Zugang zu den städtischen Gebäuden zu bekommen. Dass die Stadt Geld nun bereitstellt, ist zudem ein deutliches Bekenntnis.

Nächsten Mittwoch soll laut Rathaus die komplette Liste dazu vorliegen, welche 20 Gebäude ausgewählt wurden. Dann werden die Geräte eingerichtet. Ins "Weimarnetz" gelangt man laut Bittorf mindestens im 50-Meter-Umkreis eines Routers.

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