Startschuss für Camper - Sehr hohe Nachfrage und geringere Stellplatzzahl

Erfurt.  Überall in Thüringen öffnen heute wieder die Campingplätze auch für das fahrende Volk. Dabei müssen strenge Regeln eingehalten werden.

Der Campingplatz Paulfeld bei Catterfeld ist beliebt. Zeltcamper müssen aber noch bis Juli warten.

Der Campingplatz Paulfeld bei Catterfeld ist beliebt. Zeltcamper müssen aber noch bis Juli warten.

Foto: Archiv-Foto: Marco Kneise

„Für Himmelfahrt und Pfingsten schon ausgebucht!“ So antwortet Daniela Disse vom Campingplatz „Paulfeld“ in Georgenthal im Thüringer Wald auf die Frage nach dem Start in die 2020er Campingsaison am Freitag. Für die Jahreszeit gebe es ungewöhnlich viele Anfragen – und das Email-Postfach sei noch immer voll. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Wir freuen uns darauf, wieder loslegen zu können“, sagt die Betreiberin der 5-Sterne-Anlage mit gut 270 Stellplätzen, die normalerweise ganzjährig nutzbar sind. Einen Normalbetrieb werde es aber vorerst nicht geben, da mehr Hygienevorschriften zu beachten sind. So darf nur eine beschränkte Anzahl von Campern gleichzeitig in die Wasch- und Toilettenbereiche. Wohnwagenbesitzer sollten daher möglichst die eigenen Sanitäranlagen nutzen. Zeltcamper müssen in Georgenthal vorerst bis Juli warten. „Paulfeld“ ist einer von über 80 Plätzen, die über ganz Thüringen verteilt wegen des Corona-Virus heute mit gut sechswöchiger Verspätung ihre Tore öffnen können.

Sehr hohe Nachfrage erwartet

Wegen der internationalen Reisebeschränkungen rechnet die Branche mit einem weiteren Anstieg der seit Jahren wachsenden Nachfrage. Zwar gab es bereits Ausnahmen für Dauercamper, auch sie mussten aber bisher ohne stationären Sanitäranlagen auskommen.

Eigentlich hätte auch Marco Elze den Schlagbaum seines „Campingplatzes im Grünen“ in Oettern bei Weimar bereits vor Ostern hochgezogen. „Wir sind später dran als geplant, aber optimistisch“, sagt der 41-Jährige. Seine über 30 Dauercampingplätze sind längst vergeben. Seit klar ist, dass auch das fahrende Volk wieder draußen wohnen darf, stehe sein Telefon nicht still. Die Instruktionen für den Betrieb hat er sich Mitte der Woche im Weimarer Gesundheitsamt abgeholt. So darf nur jedes zweite Waschbecken nutzbar sein, außerdem muss regelmäßig desinfiziert werden. Auch zwischen den Wohnwagen gelten Abstandsregeln. Für Elze ist es die zweite Saison nach der Übernahme des kleinen Traditionsplatzes am Hang des Ilmtales. Die Zwangspause habe er genutzt, um etwa Stellplätze aufzuwerten und den Außenbereich seine Imbiss „Männerwirtschaft“ zu verschönern. Beim Außerhaus-Verkauf am ersten Maiwochenende kam das schon mal gut an. Aufnehmen will Elze auch Zeltcamper.

Keine Rahmenbedingungen vorgegeben

Noch etwas unsicher klingt dagegen Steffen Albrecht vom Campingplatz „Unter dem Jenzig“ nahe dem Stadtzentrum von Jena. Ja, auch er werde am heute wieder für Camper öffnen – probeweise, wie er sagt. Bislang lägen ihm nämlich seitens der Stadt noch keinerlei Rahmenbedingungen vor. Unsicher sei er beispielsweise, wie er sich bei Campern aus NRW oder dem Landkreis Greiz wegen der dort immer noch vielen Neuinfektionen verhalten soll. Auch deswegen fand sich diese Woche auf Albrechts Internetseite weiter der Hinweis „Wegen Umbau vorübergehend geschlossen“. Trotzdem häuften sich seit einigen Tagen die Nachfragen.

Untätig war auch Albrecht in den letzten Wochen jedenfalls nicht. Er hat die Elektrizität erneuert und Dachterrassen gebaut, die allerdings noch nicht ganz fertig sind. Für eine Mitarbeiterin bedeute der Saisonstart das Ende der Kurzarbeit. Hoffnung hat Albrecht zudem immer noch, dass auch er für die Ausfälle der letzten Wochen Unterstützung vom Land erhält.

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