Wirtschaft in der Krise: Ein Drittel der Thüringen Firmen nutzt Kurzarbeit

Erfurt.  Laut einer Studie der Commerzbank sehen sich 15 Prozent der Thüringer Unternehmen in Existenznot.

(Symbolbild)

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Foto: Dirk Lorenz-Bauer / Martin Kappel

Von der Corona-Krise sind 38 Prozent der Unternehmen in Thüringen stark betroffen. Für rund 15 Prozent ist die aktuelle Ausnahmesituation sogar existenzbedrohend. Damit liege dieser Anteil allerdings deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 24 Prozent, ergab eine aktuelle Unternehmerkunden-Studie der Commerzbank. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Für diese wurden bundesweit 3500 Selbständige, Freiberufler und Unternehmer mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragt.

Vor allem kleine Unternehmen betroffen

Über die Hälfte der Unternehmen im Freistaat hat demnach in den zurückliegenden Monaten staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Am häufigsten wurden dabei die Zuschüsse der Thüringer Aufbaubank genutzt.

Vor allem viele kleine Unternehmen sind offenbar betroffen, berichtete Ronny Neumann, Leiter der Unternehmenskundenberatung der Niederlassung Jena der Commerzbank. „In 78 Prozent der Fälle lag die Höhe der staatlichen Unterstützung unter 10.000 Euro“, berichtete Neumann.

Angesichts des enormen wirtschaftlichen Einbruchs sind die Auswirkungen auf den Thüringer Arbeitsmarkt bislang vergleichsweise glimpflich geblieben. „59 Prozent der Thüringer Unternehmen sind bisher ohne Personalmaßnahmen ausgekommen“, bestätigte der Leiter Unternehmenskundenberatung der Niederlassung Erfurt Tino Opp.

Schub bei Digitalisierung

Dazu habe in erster Linie die Nutzung der Kurzarbeit beigetragen. Demnach hat jede dritte Firma das Instrument der Kurzarbeit zur Bewältigung der Krise genutzt. Lediglich fünf Prozent der Unternehmen mussten Mitarbeitern kündigen.

Einen deutlichen Schub bringt die Corona-Krise in das Thema Digitalisierung der Arbeitswelt. So will jedes vierte Unternehmen die Digitalisierung vorantrieben, vor allem im Bereich Marketing und Kommunikation mit den Kunden. „Nur wer mit den Kunden im Kontakt ist, wird mit seinen Angeboten auch wahrgenommen“, hält Opp dies für eine positive Entwicklung.

Zwei Drittel der Unternehmen wollen die Digitalisierung in den nächsten zwölf Monaten vorantreiben, rund drei Viertel der Firmen schätzen den finanziellen Aufwand dafür mit unter 20.000 Euro ein. Einen deutlich höheren Stellenwert als vor der Krise hat aktuell das Thema Home-Office. 42 Prozent der Unternehmen ermöglichen ihren Beschäftigten die Arbeit von daheim aus. Natürlich spiele das bei Freiberuflern und in der Dienstleitungsbranche eine größere Rolle als etwa im Handwerk, räumte Opp ein.

Beratungsmöglichkeiten gut angenommen

Viele Unternehmen haben in den zurückliegenden Monaten ihre Geschäftsmodelle angepasst, jede vierte Firma reduzierte die Kosten. Mit digitalen Vertriebswegen und Kommunikationskanälen konnte oftmals das Produkt- und Dienstleistungsangebot erweitert werden.

Eine bedeutende Rolle in den Krisenzeiten kommt laut Studie den Hausbanken zu. Demnach fühlt sich mehr als jedes dritte Unternehmen in Thüringen aktuell gut über bestehende Fördermöglichkeiten beraten. Zudem gaben 89 Prozent der befragten Firmenchefs an, dass ihre Bank in der Krise eine große Unterstützung sei.

Die Thüringer Unternehmen haben in der gegenwärtigen Krise laut Opp auch positive Veränderungen wahrgenommen. So freue sich etwa ein Drittel über flexiblere Arbeitszeiten und eine Entschleunigung des Alltags.