Eisenach: Schüler informieren sich über die Sucht am Glücksspiel

Eisenach  Interaktive Ausstellung zur „Glücksspielsucht“ veranstaltet. Auch in Eisenach gibt es immer mehr Betroffene

Angeleitet von drei Schülern (rechts) starteten die Zwölftklässler des Elisabeth-Gymnasiums t in die Ausstellung zum Thema „Glücksspielsucht“ im Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) . Foto: Peter Rossbach

Angeleitet von drei Schülern (rechts) starteten die Zwölftklässler des Elisabeth-Gymnasiums t in die Ausstellung zum Thema „Glücksspielsucht“ im Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) . Foto: Peter Rossbach

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„Das sind nicht Dimensionen wie bei Alkohol oder Chrystal Meth, aber die Zahlen in der Eisenacher Suchtberatungsstelle steigen. Und gerade bei Glücksspielsucht ist die Dunkelziffer sehr hoch“, weiß Jennifer Hornaff von der Suchtberatungsstelle „Kompass“ der Diako. Dass diese Dunkelziffer so hoch ist, hat natürlich Gründe, weiß auch Martin Lorenz vom Präventionszentrum Suchthilfe in Thüringen (SiT).

„Die Suchtfolgen sind beim Glücksspiel nicht so augenfällig wie etwa bei Alkohol, der Leidensdruck muss erst richtig hoch sein, bevor sich ein Betroffener in eine Beratung oder Behandlung begibt“. In nur zwei Jahren hat sich die Zahl der bei „Kompass“ betreuten Menschen mit einer Glücksspielsucht nahezu verdreifacht.

Rund 10 000 Spielsüchtige in Thüringen betroffen

Und deshalb war die SiT seit Montag mit einer interaktiven Ausstellung zu „Spielglück – Glücksspiel“ im Haus der christlichen Jugendorganisation (CVJM) zu Gast. Das Angebot richtete sich vor allem an ältere Schüler aus Eisenach. „Wir wollen sensibilisieren“, so Lorenz. Das gesamte Eisenacher Jugendhilfe Netzwerk war beim Gelingen der Ausstellung mit im Boot, Schulsozialarbeit und CVJM ebenso.

Besonders aktiv waren dabei die Schüler der Erzieherinnen-Klassen im dritten Ausbildungsjahr der Medizinischen Fachschule. „Das machen sie wunderbar“, freuten sich Lorenz und Björn Lange vom städtischen Jugendamt über das Engagement der Schüler. An den Stationen konnten so gestern die Schüler einer 12. Klasse des Elisabeth-Gymnasiums mit Lehrerin Christel Streubel zum Teil spielerisch lernen, was Glücksspielsucht ist, was sie in einem selbst anrichtet und welche verheerenden Konsequenzen haben kann.

Da wurde eben mehr als nur Wissen zu Glücksspielen und ihren Wirkungsweisen vermittelt. „In Thüringen gibt es 10 000 Betroffene, von denen man weiß“, so Lorenz von SiT. Jeder Betroffene ist im Durchschnitt mit rund 58 000 Euro verschuldet. „Da verspielen manche tatsächlich Haus und Hof“, so Lorenz. „Sobald das Glücksspiel die eigene Lebensführung beeinträchtigt, zu Kontrollverlusten führt oder Schäden materiell oder psychisch anrichtet, darf man von einer Sucht sprechen. Die Suizidrate ist in diesem Bereich hoch“, so Lorenz. Männer sind heute in der Mehrzahl bei den Betroffenen.

„Wir registrieren aber gerade eine Zunahme bei Frauen, vor allem im Bereich der Automatenspiele“, so Jennifer Hornaff. Bei Männern zwischen 18 und 29 Jahren stehen gerade Sportwetten hoch im Kurs. Und vielfach geht die Spielsucht auch die Kombination mit anderen Süchten, seien es Drogen oder Alkohol, ein.

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