Streit um die Kindergärten in Triptis

Triptis  Zähe Betriebskosten-Verhandlungen zwischen der Stadt und den beiden Trägern

Die Diakonie-Kita Farbenklex und ihre besonderen Angebote sind ein Streitpunkt in Triptis. Der Träger bräuchte 52 Euro pro Kind und Monat, die Stadt gibt 40.

Die Diakonie-Kita Farbenklex und ihre besonderen Angebote sind ein Streitpunkt in Triptis. Der Träger bräuchte 52 Euro pro Kind und Monat, die Stadt gibt 40.

Foto: Marius Koity

Die Verträge zur Erstattung der Betriebskosten der drei Kindergärten in Triptis sind zum 31. Dezember 2018 von der Stadt gekündigt worden. Grund war die umfassende Änderung des Thüringer Kita-Gesetzes Ende 2017. Innerhalb von zwei Jahren müssen die Gemeinden die neuen Vorschriften in ihre Vereinbarungen mit den Trägern aufnehmen. In der Triptiser Stadtratssitzung vom Dienstagabend sind die neugefassten Verträge zwischen der Stadt und den Kita-Trägern Diakonieverein Orlatal und Regionalverband Ostthüringen der Johanniter-Unfall-Hilfe einstimmig ­beschlossen worden. Diese sollen am 1. Januar in Kraft treten.

Allerdings hat noch keiner der beiden Vereine das Schriftstück unterschrieben. Die Johanniter, die die Kita in der Bahnhofs­straße betreiben, signalisierten die baldige Unterzeichnung – die Diakonie hingegen ließ die Entscheidung noch offen. Schlimmstenfalls drohe die Rückgabe der beiden Diakonie-Kitas Farbenklex und Sonnenkäfer an die Kommune.

Doch das wünsche sich keiner der Vertragspartner, weiß die Geschäftsführerin der Diakonievereines, Angela Wenning-Dörre. „Wir haben grundsätzlich die Bereitschaft, die Kindergärten weiterzuführen“, sagte sie gestern gegenüber der OTZ.

Falls man sich doch dazu durchringe zu unterschreiben, halte man sich die Möglichkeit offen, bis zum 31. September 2019 aus dem Vertrag aus­zusteigen, wenn es erforderlich sein sollte. „Wir schauen, wie es sich entwickelt“, gab sich Wenning-Dörre vage.

Die Verträge haben bislang keinen Einfluss auf die Elternbeiträge, sagte die zuständige Sachbearbeiterin der Verwaltungsgemeinschaft Triptis, ­Anika Seidemann. Die letzte Beitragserhöhung von 90 auf 140 Euro gab es 2012 und war mit viel Unmut verbunden. „Wir werden trotzdem nicht umhinkommen, die Beiträge irgendwann wieder anzuheben“, sagte der Triptiser Bürgermeister ­Peter Orosz (Feuerwehrverein) in der Stadtratssitzung.

Die neuen Verträge mit den Trägern seien auch deshalb nötig geworden, weil zum Nachteil der Stadt bisher keinerlei Prüfrecht verankert gewesen sei und keine Regelungen zu den Verwaltungskosten und Abschreibungen gefasst worden waren. Das werde sich nun ändern. „Am Ende des Jahres erhielten wir immer eine Rechnung. Triptis übernahm eins zu eins die Kosten, ohne zu hinterfragen für was“, nahm Ellen Hoyer, Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Triptis, kein Blatt vor den Mund. Bei Überprüfungen hätten sich Positionen offenbart, die die Stadt nicht übernehmen musste. „Wir sind daran nicht unschuldig“, räumte Bürgermeister Peter Orosz ein.

Um die Zahlungen trans­parenter zu gestalten, gibt es im neuen Vertragswerk einzelne Ausgabenpositionen. Zum Teil sogar Pauschalen, die für die beiden Träger gleich sind. Den in der Vergangenheit sprunghaft angestiegenen Verwaltungskosten wolle die Stadt aus dem Weg gehen, indem sie Grenzen setze und zum Sparen animiere.

„Wir fordern künftig Begründungen für höhere Ausgaben von den Trägern ein“, so die ­VG-Vorsitzende Ellen Hoyer. Anika Seidemann ergänzte: „Wir wollen nicht in erster Linie die Gelder kürzen. Wir haben ein faires Angebot vorgelegt.“

Mit harten Bandagen sei gekämpft worden, ließ man in der Stadtratssitzung durchblicken. Bis Dienstag seien Verhandlungen geführt worden. Besonders gerieben hätten sich die Geschäftsführer Angela Wenning-Dörre (Diakonie) und Uwe Werner (Johanniter) an der Höhe der Betreuungspauschale. „Wir haben uns am Landesdurchschnitt orientiert und haben 38 Euro pro Kind und Monat vorgeschlagen“, sagte Hoyer. Man habe sich auf 40 geeinigt.

„Nach unseren Berechnungen sind 52 Euro von Nöten“, sagte Wenning-Dörre gegenüber der OTZ. Als Gründe nannte sie hohe Verwaltungskosten, insbesondere Personalkosten, und die besonderen Angebote in Triptis wie das Eltern-Kind-Zentrum sowie die Sprach-Kita, die teuer seien und andere Träger nicht hätten. „Man kann nicht alle freien Träger über einen Kamm scheren“, sagte Wenning-Dörre. Sie wisse zwar noch nicht, woher sie im Ernstfall das fehlende Geld „her­zaubern“ werde, aber man sei bereit, das Wagnis einzugehen. Seit 25 Jahren ist die Diakonie Trägerin zweier Kindergärten in Triptis und das wolle man nicht leichtfertig verspielen, sagte sie.

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