Wohngruppe in Schmölln auf der Kippe

Schmölln/Meuselwitz  Nach Insolvenz des Mitteldeutschen Bildungszentrums ist Zukunft unklar – Kündigung steht im Raum

Symbolbild

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Foto: Peter Michaelis

Das Fortbestehen der Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Räumlichkeiten der Wohnungsverwaltung Schmölln ist unklar.

Außerdem gibt es erhebliche Differenzen zwischen den Aussagen der verschiedenen Beteiligten über die Hintergründe. Das wären auf der einen Seite der Insolvenzverwalter, Anwalt Harald Heinze. Er leitete die Geschäfte des Trägers der Wohngruppe, das Mitteldeutsche Bildungszentrum (MBZ), welches vor knapp zwei Wochen Insolvenz angemeldet hatte. Auf der anderen Seite stehen der Landkreis Altenburger Land, der das MBZ für die Betreuung der Jugendlichen bezahlt sowie die Wohnungsverwaltung Schmölln. Die hatte nicht nur die Räumlichkeiten der Wohngruppe vor über zwei Jahren aufwendig hergerichtet, sondern auch Informationsveranstaltungen für die anderen Mieter durchgeführt – und so die Integration der Kinder und Jugendlichen begünstigt.

Übereinstimmend berichten alle Beteiligten sowie Anwohner und Ehrenamtler, dass die Wohngruppe mittlerweile gut etabliert sei. Es bestünden Verbindungen zu verschiedenen Vereinen, die Schule sei in der Nähe. Das Landratsamt hofft daher darauf, dass das Projekt an Ort und Stelle fortgeführt werden kann. Dirk Nowosatko, Leiter des Jugendamtes im Landratsamt: „Alle Beteiligten haben Zeit, Engagement und Herzblut hineingesteckt, es wäre schade.“ Auch der Schmöllner Stadtrat war involviert. Salomé Fischer (Linke), Stadtratsmitglied: „Wir haben alle so hart daran gearbeitet, dass es funktioniert, waren mit dem Stadtrat vor Ort. Die Anfangsprobleme sind ausgeräumt und es wäre schade, wenn die Jugendlichen jetzt herausgerissen werden würden.“

Wenn sich nicht bald eine Einigung findet, könnte es für die Wohngruppe an ihrem jetzigen Standort zum 31. August zu Ende sein. Denn: Nach Informationen von OTZ Schmöllner Nachrichten wurden offenbar Monatsmieten nicht gezahlt und die Schmöllner Wohnungsverwaltung soll die Kündigung gegenüber dem MBZ ausgesprochen haben. Bisher jedoch laut Insolvenzverwalter nur mündlich. „Wir haben keine Kündigung vorliegen, aber es steht im Raum, dass es eine gibt. Ich hoffe auf ein Versehen.“

Gegensätzliche Aussagen zu Mietzahlungen

Kristian Blum, der Geschäftsführer der Wohnungsverwaltung Schmölln, sagte auf Anfrage: „Es gibt keine schriftliche Kündigung.“ Zu mehr wollte er sich nicht äußern, nur noch, dass auch ihm das Fortbestehen der Gruppe am Herzen liege. Die Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter gestaltet sich offenbar schwierig, das gaben mehrere Beteiligte an.

Auf die Frage nach der rückständigen Miete gab dieser Auskunft: „Die Miete wird gezahlt. Deshalb ist die Kündigung aus meiner Sicht gegenstandslos.“ Er hoffe, so Harald Heinze, auf ein Missverständnis.

Verwirrung über diese gegensätzlichen Angaben herrscht auch im Landratsamt. Dirk Nowosatko: „Ich kann verstehen, dass die Wohnungsverwaltung die Kündigung in den Raum stellt, wenn das Geld nicht gezahlt wird.“ Andererseits habe das Landratsamt seine Zahlungen immer sofort geleistet. „Ich frage mich, wo das Geld geblieben ist“, so der Amtsleiter.

Der Landkreis hoffe nun, moderieren und vermitteln zu können. Es gebe mehrere Träger, die an der Übernahme der Wohngruppe Interesse angemeldet haben, so der Insolvenzverwalter Heinze. Doch es muss schnell gehen. Denn: Vergangene Woche war das Landesjugendamt zur Vor-Ort-Begehung in der Wohngruppe. Das ist die Aufsichtsbehörde in Erfurt, zuständig für alle Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche eine Unterkunft finden. „Sie haben festgestellt, dass der Betrieb ordnungsgemäß läuft“, so Nowosatko. Doch das große Fragezeichen ist auch ihnen nicht entgangen, nämlich die Perspektive nach dem 31. August. Würde die Kündigung wirksam, stünden die Jugendlichen auf der Straße. Dann wird das Landesjugendamt dem MBZ die Betriebserlaubnis entziehen.

Dann müssten die Kinder und Jugendlichen umziehen und alle Bemühungen, die Betreuer, Ehrenamtler, die Schule, die Anwohner, der Stadtrat, der Landkreis und die Wohnungsverwaltung in die Integration der Gruppe in ihr neues Umfeld investiert haben, wären umsonst gewesen.

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