Dieses TLZ-Interview mit dem Thüringer FDP-Landesvorsitzenden Heinrich Arens schlug 1999 ein wie eine Bombe. Drei Tage vor der Landtagswahl vom 12. September rief Arens in dem Gespräch dazu auf, nicht seine Partei, sondern die CDU zu wählen. So wollte er die Union angeblich vor einem Debakel bei den Landtagswahlen und das Land vor Rot-Rot bewahren. Dass es dieser überraschenden Volte des Liberalen gar nicht gebraucht hätte, zeigt das überzeugende Ergebnis der Union drei Tage später. Sie kam auf 51 Prozent, die FDP sackte dank des Alleingangs ihres Spitzenkandidaten auf 1,1 Prozent ab.

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„Die Sorge um unser Land zwingt mich zu diesem Schritt“, hatte Arens der TLZ gesagt. Die FDP-Spitze reagierte geschockt, sprach von parteischädigendem Verhalten und forderte den Rücktritt von Arens, sonst drohe ihm der Rauswurf. Auch die FDP-Bundesspitze wird von den Thüringer Turbulenzen aufgeschreckt. Parteichef ist damals Wolfgang Gerhardt, Generalsekretär Guido Westerwelle. Beide verurteilen in einer Erklärung den „Stimmenschacher“ in Thüringen. Noch vor der Landtagswahl wurde ein Parteiausschlussverfahren gegen Arens eingeleitet, nach dem Wahldebakel wurde er offiziell von seinem Amt als Landesvorsitzender entbunden, dagegen erwirkte er bei Gericht eine einstweilige Verfügung, sodass erst bei einem FDP-Sonderparteitag im November ein offizieller Schlussstrich unter die Ära Arens gezogen werden konnte.

Die bislang in Deutschland einmalige Geschichte um einen Parteichef, der zur Wahl einer anderen Partei aufruft, wurde in der Thüringer FDP noch getoppt: Und zwar 2020 durch die Wahl des FDP-Vorsitzenden Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten. Hier musste erst die Bundes-FDP in Gestalt des damaligen Vorsitzenden Christian Lindner intervenieren, um Kemmerich zu stoppen.

Die Nachwende-Geschichte der Thüringer Liberalen ist reich an skurrilen Vorfällen. So war es 1991, als der damalige FDP-Chef Andreas Kniepert öffentlich bekannt gab, FDP-Wirtschaftsminister Hans-Jürgen Schultz werde aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten – obwohl dieser selbst davon nichts wusste und bei der Pressekonferenz von Kniepert selbst im Saal anwesend war.  Erinnert sei auch an den FDP-Wirtschaftsminister Jürgen Bohn, der schon mal der TLZ mit einer von ihm organisierten Abbestellungswelle drohte, wenn am nächsten Tag nicht dies oder das in der Zeitung stehen würde. Erfolglos natürlich.

Aber es gab in der FDP auch die seriösen Politiker, die für das Land und ihre Stadt standen, arbeiteten und kämpften. An erster Stelle war das Peter Röhlinger, der langjährige Jenaer OB, der ein kongeniales Duo mit Lothar Späth bildete und so die Saalestadt voranbrachte. Oder der sympathische, stets freundlich und zurückhaltend auftretende Karlheinz Guttmacher. Er übernahm im Juni 2002 die Partei in einer schweren Zeit von Andreas Kniepert, der sich mit seinem oft kritisierten Führungsstil in der FDP unbeliebt gemacht hatte. Guttmacher lenkte sie wieder in ruhiges Fahrwasser. Aber wirklich zur Ruhe ist die FDP damals in Thüringen aber nicht gekommen.

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