Theaterpremiere

Gott verkauft keinen Joghurt

Rudolstadt.  Premiere von „Die Tür nebenan“ im Schminkkasten in Rudolstadt

Szene aus „Die Tür nebenan“ mit Benjamin Petschke und Marie Luise Stahl.

Szene aus „Die Tür nebenan“ mit Benjamin Petschke und Marie Luise Stahl.

Foto: ANKE NEUGEBAUER / Anke Neugebauer

Ein Mann, eine Frau, Nachbarn auf der selben Etage und zwei Typen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und kaum anstrengender. Denn jede ihrer Unterhaltungen endet in einer hitzigen Debatte aus Anschuldigungen und Unterstellungen. Aber genau das birgt reichlich Potenzial für Komik in Fabrice Roger-Lacans französischer Romantik-Komödie „Die Tür nebenan“. Am Sonnabend hatte das Zwei-Personen-Stück im Rudolstädter Schminkkasten Premiere und bescherte den Zuschauern von der ersten Minute an köstliche Unterhaltung.

Sie (Marie Luise Stahl), eine aufgescheuchte Psychologin mit Hang zur Besserwisserei, und er (Benjamin Petschke), der Marketing-Fuzzi in der Joghurtbranche, hassen sich von der ersten Begegnung an: Er hört nachts zu laut Musik, will mit Bruckners siebter Sinfonie sein neues Milchprodukt bewerben. Sie kann bei dem Lärm nicht arbeiten und klärt erst einmal auf, dass ein Genie, ein Gott wie Bruckner wahrlich keinen Joghurt verkaufe. Der Beginn eines herrlichen Kleinkrieges und kuriosen Schlagabtauschs, der manchen Zuschauern nicht ganz fremd sein dürfte. Egal wo und wann die beiden sich nun treffen, es gibt reichlich Gelegenheiten, sich in die Wolle zu kriegen. Fetzen kann – von außen betrachtet – so schön sein. Erst recht, wenn es um ödipale und anale Phasen, um Musik und Genies, um pradoxale Übersprunghandlungen, um den sechsjährigen Adolf Hitler, um Hecht im Ofen und Paranoia geht.

Neurotisch, aber sympathisch

Abseits des Gekeifes suchen die einsamen Singles wie Millionen andere im Internet nach der großen Liebe, jemandem Seelenverwandten und dem genauen Gegenteil von diesem bekloppten Nachbarn hinter der Tür nebenan. Doch auch Kontaktbörsen haben ihre Tücken: Wie soll man sich selbst beschreiben – und was denkt der geneigte Leser, wenn man ankreuzt, Sex sei wichtig?

Die beiden Rudolstädter Schauspieler meistern das Gefühlschaos ihrer Figuren bravourös und überzeugend. Sie spielen die beiden neurotischen, aber durchaus sympathischen Großstadtbewohner mit viel Herz, Komik und Tiefgang. Erstmals führte in Rudolstadt Peter Bernhardt Regie, der selbst Schauspieler und Regisseur am Meininger Theater ist und mit diesem Stück voll und ganz überzeugt. Ein Meisterstück ist auch beim Bühnenbild gelungen – Bühne und Kostüme stammen von der Ausstattungsleiterin des Theaters, Monika Maria Cleres. Auf der begrenzten Schminkasten-Bühne ist mit dieser schlauen, flexiblen Variante Platz für beide Wohnungen sowie Flur samt Fahrstuhl und Treppenhaus geschaffen worden. Insgesamt eine großartige und sehenswerte Inszenierung, die an jenem Premierenabend mit viel Applaus gewürdigt wurde.

Karten für die folgenden Aufführungen am 14. und 28. Dezember, um 20 Uhr, sind an den üblichen Vorverkaufsstellen, im Internet sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

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