"Hanni und Nanni" räumen Kindermedienpreise in Erfurt ab

Bei der Verleihung der Kindermedienpreise räumte das neue Filmabenteuer der Zwillinge Hanni und Nanni ab. Bürger Lars Dietrich moderierte die Preisvergabe in der Neuen Oper Erfurt

Lene Oderich spielt die Hauptrolle in dem mit einem Goldenen Spatzen prämierten 35-minütigen Film "Mia und der Minotaurus". Mit Regisseur und Drehbuchautor Florian Schnell freut sie sich über die Trophäe. Foto: Marco Kneise

Lene Oderich spielt die Hauptrolle in dem mit einem Goldenen Spatzen prämierten 35-minütigen Film "Mia und der Minotaurus". Mit Regisseur und Drehbuchautor Florian Schnell freut sie sich über die Trophäe. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Und die Siegerinnen heißen: Hanni und Nanni. Die unternehmungslustigen Zwillinge haben die 24-köpfige Kinderjury beim Medienfestival "Goldener Spatz" so begeistert, dass ihr neuestes Kinoabenteuer gestern in der Neuen Oper Erfurt mit dem Preis für den besten Kinderfilm ausgezeichnet wurde. Die Regisseurin von "Hanni & Nanni 2", Julia von Heinz, kann sich außerdem über den mit 1500 Euro dotierten Sonderpreis der Thüringer Staatskanzlei freuen.

Eine gläserne Spatzen-Trophäe hat sich auch Katharina Thalbach verdient. Sie spielt Hannis und Nannis Lehrerin Mademoiselle Bertoux und überzeugte die Kinderjury mit ihrer Ausstrahlung und ihrem französischen Akzent. "Die Rolle passte sehr gut zu ihr", urteilten die 9- bis 13-jährigen Juroren, und Katharina Thalbach darf das wohl als eines der schönsten Komplimente in ihrer Karriere verstehen.

Der Goldene Spatz heißt nicht Oscar, die Gala zu seiner Verleihung fiel ein paar Nummern kleiner aus als in Hollywood, war aber ganz bestimmt fröhlicher. Bürger Lars Dietrich moderierte das Filmfest im voll besetzten Großen Haus mit Verve und Schlagfertigkeit und half den jüngsten Juroren über den einen oder anderen Lampenfieberschub hinweg.

Die Erfurter Band "Crazy Sunglasses" war live auf der Bühne für Trommelwirbel und Tusch zuständig. Und der Spatz höchstselbst - im Kostüm des kanariengelben Vogels mit Basecap steckte der Schauspieler Cito Weisel – ließ es sich nicht nehmen, Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein zu herzen und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht auf die Bühne zu geleiten. Die Schirmherrin des Festivals sieht im Goldenen Spatzen einen Mitstreiter für das Kindermedienland Thüringen.

Kein Redner versäumte es, der Kinderjury überschwänglich für ihre Arbeit zu danken. Die 24 Juroren aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Südtirol und der Schweiz nahmen ihre Aufgabe sehr ernst; um die Juryentscheidungen wurde oft heftig gerungen. "Die Diskussionen waren relativ friedlich, es wurde auch mal laut, wenn wir uns gestritten haben", erzählt Mark Voloshin (13) aus Kiel, "aber es gab keine Prügelei oder so."

Marks Favorit unter den Kino- und Fernsehfilmen war das Drama "Blutsbrüder teilen alles", das im Zweiten Weltkrieg spielt. Der Film von Wolfram Paulus unterlag "Hanni & Nanni" in der Schlussabstimmung so knapp, dass die Jury und Festivalleiterin Margret Albers die "Blutsbrüder" mit einer lobenden Erwähnung ehrten. Mit dem Mehrheitsvotum kann Juror Mark Voloshin leben. "Es wurden ja auch noch andere gute Filme ausgezeichnet." Außerdem sei "Hanni & Nanni" gar kein reiner Mädchenfilm, findet Jurorin Annabel Ihle (10) aus dem schweizerischen Hondrich: "Das ist auch ein Jungen- und Familienfilm."

Wichtig ist den Junior-Juroren das Thema Freundschaft, es spielt in fast allen längeren Wettbewerbsbeiträgen eine bedeutende Rolle. Kinderfilme müssen nicht unbedingt ein Happy End haben, meint Produzent und Fachjury-Mitglied Philipp Budweg: "Kindern gefällt auch ein realitätsnahes Ende, über das sie nachdenken können." Wie im Wettbewerbsfilm "Tony 10", dessen zehnjähriger Held das Zerwürfnis seiner Eltern nicht verhindern kann, der aber erkennt, dass eine Trennung die bessere Lösung sein kann.

Die Fachjury tagte unabhängig von der Kinderjury und vergab eine Auszeichnung für das beste Vorschulprogramm - sie ging an das Kinderkanal-Format "Ene mene bu" - und einen Innovationspreis für den Beitrag "Veronika" aus der MDR-Reihe "Selbstbestimmt". Den mit 4000 Euro dotierten Drehbuchpreis des MDR-Rundfunkrates bekam Rudolf Herfurtner für den an Mark Twains Klassiker "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" angelehnten Film "Tom und Hacke". Diese historische Freundschafts-Geschichte hätte wohl auch bei der Kinderjury Chancen gehabt, doch den bayerischen Dialekt der Darsteller konnten viele Nachwuchs-Juroren kaum verstehen. Weitere Preise vergaben die mit Kindern besetzten Jurys für Web-Auftritte und Onlinespiele.

Die 20. Ausgabe des Kindermedienfestivals verzeichnete in Gera und Erfurt insgesamt 14.000 Besucher - 2000 mehr als im Jahr zuvor. Und der 21. Goldene Spatz flattert sich schon warm, um Ende Mai 2013 in Thüringen zu landen.

Die Goldenen Spatzen 2012

  • Bester Kino-/Fernsehfilm: "Hanni & Nanni 2"
  • Beste Darstellerin:
  • Katharina Thalbach als Mademoiselle Bertoux in
  • "Hanni & Nanni 2"
  • Bester Kurzspielfilm,
  • Serie/Reihe: "Mia und der Minotaurus"
  • Kategorie Unterhaltung: "Durch die Wildnis - das Abenteuer deines Lebens"
  • Kategorie Information/Dokumentation: "Die Sendung mit dem Elefanten - Müllspezial"
  • Kategorie Animation: "Der kleine Prinz: Planet der Winde"
  • Kategorie Minis (Länge höchstens 4 Minunten): "Lui und Bo"
  • Lobende Erwähnung: "Blutsbrüder teilen alles"
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren