Koalition plant Groß-Stiftung: Schlösser-Zentrale Heidecksburg?

Erfurt.  Die rot-rot-grüne Koalition im Landtag will die bestehende Schlösserstiftung in Rudolstadt zu einer großen Stiftung Thüringer Residenzkultur ausbauen.

Auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt hat die Thüringer Schlösserstiftung ihren Sitz.

Auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt hat die Thüringer Schlösserstiftung ihren Sitz.

Foto: Robin Kraska

Grundlegend will die rot-rot-grüne Regierungskoalition jetzt die Struktur der bestehenden Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Rudolstadt ändern. Zug um Zug soll sie zur Stiftung Thüringer Residenzkultur umgebaut werden; ihr Portfolio soll einerseits um Liegenschaften, andererseits aber auch um Museen und Sammlungen erheblich erweitert werden. Das geht aus einem bereits unter den drei Fraktionen abgestimmten Antrag hervor, über den der Landtag am 13. November entscheiden soll. Der Hintergrund: Man will eine Einrichtung schaffen, an die der Bund nicht nur Investitions-, sondern auch Betriebskostenzuschüsse überweist und an der er sich im günstigsten Falle sogar institutionell beteiligen könnte. Dies wäre eine Lösung des seit zwei Jahren schwelenden Schlösserstreits.

Thomas Hartung, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, erkennt darin ein der Klassik-Stiftung ähnliches Modell: Schlösser und Gärten, Museen und Sammlungen lägen dann weitestgehend in einer Hand; den kommunalen Trägern winkt eine Garantie, dass sämtliche Kulturobjekte vor Ort verbleiben, ein Mitspracherecht über ihre Museen und vor allem auch eine finanzielle Entlastung. Ob der Bund sich darauf einlässt? - „Ich hoff’s!“ sagt Hartung lapidar. Allerdings weiß auch er, dass eine solche Bundesbeteiligung in Thüringen prompte Begehrlichkeiten wecken würde. Nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern ebenso in anderen Bundesländern.

Ob der Bund institutionell einstiege, bleibt vorerst eine offene Frage

Auf Staatskanzleiminister Benjamin Hoff (Linke), zuvörderst aber auf den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider, der als einer der Initiatoren der 205-Millionen-Euro-Offerte des Bundes von 2018 gilt, kämen also noch komplizierte Verhandlungen in Berlin zu. Denn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat gegen eine 100 Millionen Euro schwere Investition in die Sanierung Thüringer historischer Liegenschaften keinerlei Einwände, gegen den dauerhaften Einstieg in Institutionen - mit unabsehbaren Folgekosten für den Bund - sträubt sie sich jedoch beharrlich. Genau dies wäre ihr mit der ursprünglich geplanten Gründung einer länderübergreifenden neuen Kulturstiftung in Halle widerfahren. Zwar waren zunächst nur je 15 Millionen Euro Betriebskostenzuschüsse auf sieben Jahre zugesagt; dass der Bund sich danach völlig zurückzöge, wäre allerdings kaum vorstellbar gewesen.

Eben diesen Betriebskosten-Anteil des Bundes versuchen die rot-rot-grünen Koalitionäre nun zu retten. Sie befinden sich mit ihrem Modell auf den ersten Blick gar nicht so weit entfernt von einer Lösung, die die Thüringer CDU anstrebt. Diese möchte Schlösser einerseits und Museen andererseits zwar voneinander getrennt verwalten und vermarkten lassen, beide Einheiten jedoch unter einer Dachstiftung miteinander verbinden, um wiederum die Betriebsmittelzuschüsse für beide Zwecke zu kanalisieren. Dennoch pocht Jörg Kellner, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, darauf, die Eigenständigkeit der Museen zu bewahren. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Museumsdirektoren mit wehenden Fahnen in die neue Stiftung gehen“, sagte er am Mittwoch unserer Zeitung.

Müssen sie auch gar nicht, würde da Kollege Hartung entgegnen. Denn der Übergang der Museen in die neu-alte Stiftung Thüringer Residenzkultur geschähe freiwillig - allerdings unter dem sanften Druck des Geldes. Denn nur wer seine Liegenschaften, Museen und Sammlungen nach Rudolstadt übergäbe, dürfte an dem vom Land kofinanzierten Geldsegen aus Berlin teilhaben. Hartung: „Es wird keine komplette Unabhängigkeit geben.“ Und implizit würde das bedeuten: Wer nicht mitmacht, wird abgehängt.

Zentralistische Organisationsform in einem schwerfälligen Apparat

Kellner hingegen, der den Antragsentwurf noch nicht kennt, bleibt äußerst skeptisch. „Ich habe große Bedenken, dass man dasselbe Modell fährt wie in Sachsen-Anhalt“, sagt er - und hat damit aus seiner Sicht gewiss den Kern des Vorhabens getroffen. Zweifellos würde es eine eher zentralistische Organisationsform in einem - schon durch seine schiere Größe - schwerfälligen Apparat bedeuten. Außerdem moniert Kellner, dass ein Großteil der Liegenschaften im gegenwärtigen Portfolio der Schlösserstiftung für einen Residenzkultur-Welterbeantrag gar nicht in Frage kommt - etwa einige Klöster und Kirchen, mittelalterliche Burgruinen oder das ausgewiesen bürgerliche Kirms-Krackow-Haus in Weimar. Hartung wischt das unter dem Etikett tolerabler Unschärfen beiseite: „Wo Burgen standen, wurde auch residiert“, meint er. - Da bleibt viel brisanter Stoff für die Debatten auf der Zielgeraden.

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