Peter Baumgardt: „Gera besitzt unglaubliches kulturelles Potenzial“

Gera.  Am heutigen Mittwoch schließt das Geraer Kulturhauptstadt-Büro. Ein Gespräch mit dem scheidenden Manager Peter Baumgardt.

Der scheidende Kulturhauptstadt Peter Baumgardt (60) vor dem „Gera 2025“-Büro.

Der scheidende Kulturhauptstadt Peter Baumgardt (60) vor dem „Gera 2025“-Büro.

Foto: Ulrike Merkel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nachdem es Gera nicht in die zweite Bewerbungsrunde um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ geschafft hat, schließt am Mittwoch das „Gera 2025“-Büro. Wir sprachen mit dem scheidenden Manager Peter Baumgardt.

Herr Baumgardt, wie sehr schmerzt Sie das Kulturhauptstadt-Aus?

Sehr. Ich war überzeugt davon, dass wir auf die Short List kommen; schon allein aufgrund der Außenseiter-Position Geras, aber auch aufgrund unserer Themen wie die Wismut, den Uranabbau und die Nutzung der Ressourcen der Zukunft. Das sind doch angesichts unserer unsicheren Zeiten brennende Themen. Insofern hat mich das Aus sehr getroffen, zumal ich mir während der Verkündung gute Chancen ausgerechnet hatte, als ich hörte, dass fünf von acht Städten weiterkommen. Dann wurden vier Städte aus vier verschiedenen Bundesländern genannt, da fehlte eigentlich nur noch Thüringen als fünftes und letztes Land. Doch dann wurde Hildesheim genannt. Das hat mich umgeworfen; mit Hannover war ja schon eine Stadt weiter, die in unmittelbarer Nähe zu Hildesheim liegt.

Die Entscheidung ist inzwischen einige Wochen her. Aus etwas Abstand betrachtet, woran hat es gelegen?

Ich habe mir darüber oft Gedanken gemacht, bin aber zu keinem Schluss gekommen. Vielleicht hatte die Jury Zweifel, ob Gera das logistisch und finanziell gestemmt bekommt. Obwohl wir in der Präsentation ganz explizit darauf hingewiesen haben, dass die Buga hier mit 1,5 Millionen Besuchern erfolgreich durchgeführt wurde. Wir müssen warten, was im Report der Jury stehen wird.

Gäbe es etwas, was Sie bei der Bewerbung heute anders machen würden?

Wir haben in der knappen Zeit, die uns im Vergleich zu anderen Städten zur Verfügung stand, das Beste herausgeholt. Ich habe über Weihnachten noch einmal das Bid Book, also unser Bewerbungsbuch, gelesen; da ist mir tatsächlich höchstens ein Punkt aufgefallen: Das Thema Umsetzungsfähigkeit war von anderen Bewerberstädten detaillierter dargestellt worden. Vielleicht hätten wir auf die Zahlen eher blicken sollen. Wir haben uns logischerweise in den ersten Monaten erst einmal mit den Inhalten beschäftigt. Wir hatten aber auch – im Gegensatz zu den anderen Städten – zwar umfassende Zusagen, zum Beispiel vom Land Thüringen, aber keine untersetzten Beschlüsse, was die Finanzierung des Gesamtprojektes angeht.

Welche Punkte aus dem Kulturstadt-Konzept sähen Sie gern umgesetzt?

Ich freue mich, dass die neue Kulturamtsleiterin Claudia Tittel bereits in der lokalen Presse angekündigt hat, dass sie von uns erarbeitete Ideen weiterentwickeln möchte, wie das „Depot“ im ehemaligen Tietz-Kaufhaus, in dem es um die Wismut-Aufarbeitung gehen soll, wo Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen im Kontext zu Handel innovative Foren in sich schließen. Damit wird die Wiederbelebung des Kaufhauses und zugleich der oberen Sorge einhergehen. Oder das Regionet, wo wir schon sehr viel angestoßen haben. Ich war bei einem Dutzend Bürgermeistern und gemeinsam mit dem OB bei Landräten. Wir haben viel Zustimmung für unsere Idee eines gemeinsamen kulturellen Bundes geerntet. Ostthüringen mit seinen rund 600.000 Einwohnern sollte eine gelebte und eine touristisch erlebbare Region werden.

Haben Sie schon neue Pläne?

Nein. Jetzt geht’s erst mal wieder zurück in meine Wohnung nach Augsburg. Wobei ich schon seit Jahren damit liebäugele, meinen Wohnsitz dort aufzugeben. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in Gera sesshaft zu werden.

Tatsächlich?

Absolut. Ich war kürzlich mit meinem Hund zu seinem fünften Geburtstag beim Hundefriseur in Gera-Untermhaus. Da ist mir wieder einmal mehr aufgefallen, welch tolle Atmosphäre die Stadt hat. Abgesehen davon interessieren mich viele Themen, die durch die Kulturhauptstadtbewerbung angestoßen wurden. Gera ist eine Stadt mit einem unglaublichen kulturellen Potenzial, mit vielen Dingen, die es lohnt überregional bekannt zu machen. Denken wir nur an den einzigartigen Sarkophag von Heinrich Posthumus oder den zu Unrecht vergessenen Klavierbauer Christian Ernst Friederici, der das Pyramidenklavier erfand. Gera ist zwar keine Haupt-, doch hauptsächlich eine Kulturstadt.

Zur Person:

  • Peter Baumgardt (60) übernahm die Leitung des Geraer Kulturhauptstadtbüros Ende 2018/Anfang 2019.
  • Er gilt als versierter Theatermann und Kulturmanager.
  • Er war unter anderem Intendant des künstlerischen Programms des deutschen Expo-Pavillons in Hannover.
  • Als geistiger Kopf verantwortete er zudem die Kulturhauptstadt-Bewerbung der Stadt Görlitz, die 2006 gegen Essen verlor.

Nach Kulturhauptstadt-Aus: Gelder sollen dennoch nach Gera fließen

Geraer Traum vom Kulturhauptstadt-Titel zerplatzt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren