Stürmischer Applaus für Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“

Eisenach.  Die Zuhörer im Landestheater Eisenach feiern die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach. Das zweite Konzert der Spielzeit hat ein amerikanisches Grundthema.

Markus Huber, Chefdirigent der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach.

Markus Huber, Chefdirigent der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach.

Foto: Rainer Aschenbrenner

Mit „Grüße aus der Neuen Welt“ war das zweite Sinfoniekonzert der Spielzeit am Freitagabend im Landestheater Eisenach überschrieben. Alle drei Komponisten dieses Abends sind aber keine gebürtigen Amerikaner: Nino Rota, Erich Wolfgang Korngold, Antonín Dvořák. Bis sich in der Neuen Welt eine Europa gleiche Musiklandschaft entwickelte, brauchte es Zeit und Unterstützung, besonders den Hilferuf an Dvořák. Der Dirigent Markus Huber gab im Foyer des Landestheaters eine emotionsgeladene Einführung. Diese und das Programmheft lassen den Zuhörer tiefer in die Musik eindringen, sie nicht nur zur Klangkulisse zu werden.

Ein Blick auf die Programmfolge hätte den Beifall nach dem 1. Satz des Violinkonzertes vermieden. Markus Hubers „als Zugabe spielen wir jetzt noch den 2. und 3. Satz“ war eine geistreiche, sanft korrigierende Reaktion.

Wann greift ein Dirigent zum Taktstock, wann lässt er ihn weg? Bei Nino Rotas Ausschnitt aus „Romeo and Juliet“ animierte Markus Huber die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach ohne Taktstock mit kleinen Handbewegungen. Solche kleinen Zeichen gehen grundsätzlich auf die Musiker über, sie sind zu hören.

Ein erster Höhepunkt war das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 des gebürtigen Österreichers Korngold, das in New York mit Jascha Heifetz seine Uraufführung erfuhr. Sich gegen ein großes Orchester mit viel Schlagwerk und Bläsern klanglich durchzusetzen, erfordert einen Meister auf dem Soloinstrument und eine einfühlsame Orchesterführung. Beides war zu hören. Nicht die „Stradivari ‚Dancia’ aus dem Jahr 1703“ macht den Meister Linus Roth, sondern der Bogen und dessen Führung. Wie weit vom Steg entfernt wird die Saite angestrichen? Welchen Druck übt der Spieler auf die Saiten aus? Da die alten Geigen umgebaut sind, eine neuzeitliche Besaitung haben, haben sie ihren Klang verändert, sind volltönender geworden, können mit heutigem Instrumentarium im Orchester ebenbürtig musizieren. Das Publikum dankte Linus Roth für seine exzellente Darbietung mit stürmischem Beifall, er mit einer Gavotte von Bach.

„Die Neunte“ von Dvořák war der zweite Höhepunkt des Abends. Mit kleinen Verzögerungen, den Rubati, gelang Markus Huber und der Philharmonie eine beeindruckende Interpretation. Ein Zuhörer, der das Konzert schon am Vortag in Gotha gehört hatte, fand das hier in Eisenach als das bessere. Wer das Werk kennt, wartete ungeduldig auf den 2. Satz mit dem Englisch Horn, dem größeren Geschwister der Oboe. Ulrike Gruner durfte es uns spielen. Im Schlussapplaus dankte der Dirigent den einzelnen Stimmgruppen. So war zu erkennen, wer zu den 1. Violinen, wer zu den 2. Violinen gehört, und wo die Pulte der Bratschen sind. Wenn sich dann der Dirigent nicht vor das Orchester, sondern zwischen zwei Spieler, also mit seinen Mitstreitern auf gleiche Stufe stellt, sagt das sehr viel über sein Verhältnis zu den Instrumentalisten aus.

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