Premiere für „Sein oder Nichtsein“ des Theaters am Markt Eisenach geht in heiße Phase

Eisenach  Tribüne mit 140 überdachten Sitzplätzen und Bühne stehen im Innenhof des Eisenacher Stadtschlosses. Am Mittwochabend geht es los

Noch in der heißen Probephase sind auch (von links) Regisseurin Naemi Simon sowie die beiden Schauspieler Tillmann Zänker und Sabine Zänker. Sie fiebern der Premiere am Mittwoch im Innenhof des Stadtschlosses entgegen.

Noch in der heißen Probephase sind auch (von links) Regisseurin Naemi Simon sowie die beiden Schauspieler Tillmann Zänker und Sabine Zänker. Sie fiebern der Premiere am Mittwoch im Innenhof des Stadtschlosses entgegen.

Foto: Peter Rossbach

„Das ist die größte Bühne, die wir je zu einem Sommertheater aufgebaut haben“. Ein gewisser Respekt vor der Aufgabe ist bei Tam-Theaterleiterin Theresa Frey durchaus zu spüren. In diesen Respekt mischt sich aber wie bei allen anderen Beteiligten die unbändige Freude, dass es jetzt bald losgeht. Am Wochenende wurden Bühne und die überdachte Tribüne mit den überdachten 140 Zuschauerplätzen aufgebaut. Am Mittwoch ist Premiere des Stücks „Sein oder Nichtsein“. Aufregung pur. Bis 25. August stehen zwölf Aufführungen auf dem Spielplan.

13 Meter lang, vier Meter hoch und etwa 43 Meter tief ist die Bühne, auf und vor der die zwölf Ensemblemitglieder agieren werden – allesamt Laienschauspieler. „Es ist ja schon so etwas wie eine Verwechslungskomödie. Daher brauchen wir die Breite, um der Inszenierung folgend schnell von einem Handlungsort zum anderen wechseln zu können“, so Frey.

Sechs Profis in Sachen Tribünen- und Bühnenbau sind aktiv, sechs Tam-Vereinsmitglieder und auch das Ensemble ist im Innenhof des Stadtschlosses beim Aufbau zu finden. Und natürlich die Feuerwehr, die die acht für die Statik nötigen Ballasttanks mit 10.000 Litern Wasser füllt. „Bühne und Tribüne müssen natürlich den Windlasten, denen sie ausgesetzt sein werden und können, gewachsen sein“. Am heutigen Montag ist Bauabnahme durchs Amt.

Die Schauspieler im Alter zwischen 18 und 70 Jahren allerdings sind dann noch heftig mit Proben beschäftigt. Sie können ja jetzt erst ab jetzt aus der intimen Atmosphäre der TAM-Räume mit den Proben auf die große Bühne wechseln.

Aus Mutter-Sohn wird ein Vater-Sohn-Gespann

Das gilt für ein Mutter-Sohn-Gespann, das im Stück aber als Vater-Sohn-Duo zu erleben sein wird. Tillmann Zänker ist 19 Jahre alt. Er geriet schon als Viertklässler über ein Tam-Theaterprojekt an der Jakobschule in den Bann des Theaters. Mehrere Jahre spielte er im Tam regelmäßig mit, pausierte aber 2009.

Er blieb aber dem Tam nahe, schon weil seine Mutter Sabine ebenfalls über das Theaterprojekt des Sohnes zum Tam fand. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung ist „Tamate“ (wie sich die Mitglieder selbst nennen) mit Haut und Haaren. Seit zehn Jahren ist sie jedes Jahr in mindestens eine Produktion zu erleben. Und als Regisseurin Naemi Simon nun fragte, ob sie nicht beide Lust hätten beim Sommertheater mitzumachen, brauchte nur Tillmann zwei Tage Zeit zum Überlegen, Mama Sabine war sofort Feuer und Flamme.

„Auf der Bühne sind wir nicht Mutter und Sohn, sondern begegnen uns wie mit allen anderen Mitspielern auch“, sagt Tillmann und seie Mutter nickt. Gerade das sei es ja, was das Tam ausmache.

„Da begegnen sich völlig unterschiedliche Menschen und Charaktere und arbeiten obwohl Laien extrem professionell zusammen, bringen tolle Sachen auf die Beine“, sagt Sabine Zänker. Die beiden freuen sich ungeheuer, auf die Chance mal vor größeren Publikum als im Tam selbst zu spielen und diese „tolle Atmosphäre im Schloss-Innenhof zu erleben“. Für Tillmann ist es ein kleiner Abschied, denn er ist auf dem Sprung ins Freiwillige Soziale Jahr ab Herbst in einer Kita in Greifswald.

Das gilt im übrigen auch für die junge Regisseurin Naemi Simon. Das Sommertheater ist ihre vierte Regiearbeit, allesamt fürs Tam. Im September geht auch sei. Ihre Bewerbung für ein Regie-Studium in Berlin hatte Erfolg. Und so heißt es für Simon auch Abschied nehmen. Diesen Abschied will sie mit einer Inszenierung zum Sommertheater feiern. „Da ist es natürlich herrlich, solch ein tolles Stück mit einem grandiosen Ensemble vor einem so imposanten Bühnenbild inszenieren zu dürfen“, sagt die 30-Jährige „Sein oder Nichtsein“ ist eine Komödie, die aber in der Nazizeit in Polen spielt. „Es zeigt uns, wie man sich mit viel Humor auch einem solch existenziellen Thema nähern und es aufnehmen kann“, findet Naemi Simon. Sie ist sich sicher, dass schon zur Premiere der Funken vom Ensemble auf die Zuschauer überspringt.

„Die Qualität des Stückes mit seinem Wechsel aus irrsinnig temporeichem Klamauk zu tiefgehenden ernsten Passagen, die Live-Musik von Marco Böttger und Jo Fingerhut sowie und die Energie, die ein oder andere wirklich schöne Inszenierung-Idee sowie die Professionalität und Spielfreude des Ensembles werden dafür sorgen“.

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