Stimmung gegen die Endzeitstimmung - Fanta Vier und Clueso rocken Apolda

Apolda  Der Rückblick auf ein großartiges Konzert der Fantastischen Vier am Sonnabend in Apolda vor 9500 Fans – auch Überraschungsgast Clueso war mit auf Bühne.

Einziger Thüringen-Auftritt der  Fantastischen Vier: Am Freitagabend auf der Festwiese in Apolda. Smudo (links) und Thomas D. mit Überraschungsgast Clueso.

Einziger Thüringen-Auftritt der  Fantastischen Vier: Am Freitagabend auf der Festwiese in Apolda. Smudo (links) und Thomas D. mit Überraschungsgast Clueso.

Foto: Ulrike Kern

30 Jahre gemeinsame Bandgeschichte und immer noch strömen Fans mittlerweile aller Generationen in Scharen vor die Bühne, immer noch ist jeder Auftritt der Fantastischen Vier ein hochprofessionelles Event und immer noch haben die vier richtig Bock darauf, eine riesengroße Hip-Hop-Party auf der Bühne abzufeiern. Die Zeit, sie scheint hier spurlos vorüber gezogen zu sein.

Mit dem titelgebenden „Captain Fantastic“ – von ihrem nunmehr zehnten Studioalbum – legten Smudo, Thomas D., Michi Beck und And.Ypsilon von der ersten Minute am Sonnabendabend auf der Festwiese in Apolda richtig los. Alle in schwarz, T-Shirt, lässige Stoffhose im Jogging-Style, Sneakers in weiß. Die Bühne wird von Videoleinwänden eingerahmt, so dass auch die hinteren der 9500 Fans die Vier und ihre exzellente fünfköpfige Band gut sehen können. Es ist ihr einziger Thüringen-Auftritt im Rahmen der Tour in diesem Jahr – und der ist zweieinhalb Stunden ein Erlebnis.

Natürlich wird viel vom neuen Album gespielt („Hitisn“, „Aller Anfang ist Yeah“, „Moduland Y“) und machen die Fantas ordentlich Stimmung gegen die „Endzeitstimmung“, wo doch gerade alles Scheiße ist und man einen Schuldigen sucht. „Gebt die Schuld für alles einfach uns“, ist die einfache Botschaft von der Bühne. Die Deutsch-Rapper setzen wie gewohnt auf Toleranz. Gewalt und Rassismus haben keinen Platz bei ihnen und so lautet auch die klare Botschaft Smudos an die Thüringer vor der Landtagswahl: „Wählt bitte nicht die Faschos von der AfD, die lösen unsere Probleme nicht.“

Aber auch die guten alten Fanta-Hits wie „Sie ist weg“, „Die da?“ aus dem Jahr ihres Durchbruchs, das entspannte „Tag am Meer“ oder „MfG“ kommen an diesem Abend nicht zu kurz. Die Übergänge sind großartig, man betont, wie toll es in Apolda sei, wie schön der Abend, plaudert, neckt sich untereinander und haut einen Hit nach dem anderen raus. Bei dem beachtlichen Repertoire der Band kann sie auch aus dem Vollen schöpfen. Das Publikum ist textsicher.

Für „Die da?“ zieht Thomas D. sogar die große, weiße Plastikbrille von 1992 auf, wenig später steht er nur noch in Hose auf der Bühne. Damit holt man auch 2019 die Massen ab, die Stimmung ist durchweg ausgelassen – auf und vor der Bühne. Routiniert und lässig zugleich reist man in Apolda gemeinsam durch 30 legendäre Jahre Fantas. Und die sind sich für keinen Spaß zu schade. So atmete Smudo Helium aus einer großen Kartusche ein und singt mit Micky-Maus-Stimme. Dann wieder klatscht er die Fans in der ersten Reihe ab und macht Selfies mit ihnen. Und da auch die Fantas „Ernten, was sie säen“, kommt die ganze Freude an ihrer Musik tausendfach an diesem Abend zur Band zurück.

Das Sahnehäubchen setzen die Fantas ihrer überragenden Konzert kurz vor Ende auf: Sie holen Clueso für den gemeinsamen Ohrwurm „Zusammen“ auf die Bühne – ein Heimspiel für den Erfurter, eine gelungene Überraschung für die Fans. Nach zweieinhalb Stunden fällt deshalb der Abschied schwer. Auf beiden Seiten. Mit der letzten Zugabe kommt auch noch einmal ganz viel Gefühl auf: „Troy“ – ein großes Dankeschön an das Publikum, das schon 30 Jahre den Fantas die Treue hält. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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