Polizei unterbindet Rechtsrock-Konzert in Eisenacher NPD-Zentrale

Eisenach  Die Veranstaltung von Kloster Veßra wird kurzerhand ins „Flieder Volkshaus“ nach Eisenach verlegt. Etwa 70 Neo-Nazis reisen an. NPD-Stadtrat Wieschke pöbelt gegen Polizeichef und wird abgeführt.

Von Polizisten beobachtet, schaffen Musiker der Rechtsrock-Bands ihr Instrumentarium aus dem „Volkshaus“, in dem ein Konzert vor Neo-Nazis stattfinden sollte. Oberhalb diskutieren Polizeibeamte mit Leuten, die das Konzert besuchen wollten.

Von Polizisten beobachtet, schaffen Musiker der Rechtsrock-Bands ihr Instrumentarium aus dem „Volkshaus“, in dem ein Konzert vor Neo-Nazis stattfinden sollte. Oberhalb diskutieren Polizeibeamte mit Leuten, die das Konzert besuchen wollten.

Foto: Jensen Zlotowicz

Ein Polizeihubschrauber über der Eisenacher Weststadt am Samstag gegen 17.20 Uhr war das erste Signal. Polizeifahrzeugkontrollen am „Stern“ und an der östlichen Seite der Katharinenstraße weitere: In Eisenach braut sich etwas zusammen.

Gegen 20.30 Uhr war ein geplantes Rechtsrock-Konzert von Neonazis in der NPD-Zentrale „Flieder Volkshaus“ an der Katharinenstraße mit Hilfe eines Großaufgebotes von Polizei und Staatsschutz im Keim erstickt und die Versammlung schließlich aufgelöst worden. Ursprünglich waren eine Kundgebung mit Konzert zweier Bands in Kloster Veßra vom Eisenacher Sebastian Schmidtke angemeldet und beworben worden.

Auf den speziellen Nachrichtenplattformen kündigten die Veranstalter dann kurzfristig den Umzug in Thüringen an. Eisenach hieß der neue Austragungsort. Die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke), die Anfang des Jahres die Antifa-Demo „Eisenach ins Wanken bringen“ angemeldet hatte, war ebenso schnell an Ort und Stelle wie die Polizei unter der Leitung des Hildburghäuser Polizeichefs Rene Schunk. Der Polizeiführer hat Erfahrung mit Rechtsrock-Veranstaltungen in Themar, seinem Heimatberitt.

Etwa 70 Neonazis aus verschiedenen Teilen Deutschlands, viele aus Sachsen, hatten sich zum „Flieder Volkshaus“ begeben. Das Konzert sollte unter dem Deckmantel einer privaten Feier über die Bühne gehen. Dagegen schritt die Polizei ein. Es hätte einer Anmeldung bedurft. Die aber gab es nicht.

Polizeiführer Schunk ging Nummer sicher, orderte auch Kräfte des Sondereinsatzkommandos SEK an die NPD-Zentrale. Eisenachs NPD-Kopf und Stadtratsmitglied Patrick Wieschke, der verspätet eintraf, hatte gegen Schunk lauthals gepöbelt und wurde daraufhin abgeführt. Die in großer Stärke aufgezogene Landespolizei machte den angefressenen Veranstaltern und Neonazis – von einem Wolkenbruch begleitet – klar, dass hier und heute kein Konzert stattfindet. Der Haupteingang der NPD-Zentrale war am Samstag übrigens verschlossen, so dass sich das Geschehen samt Personenkontrollen bei der Auflösung am Hinterhaus abspielte.

Gegen 22 Uhr rückten auch die letzten Polizeieinsatzkräfte vom Parkplatz an der alten Spinnerei ab. Der Landtagsabgeordnete Raymond Walk (CDU) lobte postwendend das kompromisslose Einschreiten der Polizei via Twitter.

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