Cornelia Bartzok: „Schokolade ist nicht der Grund für Diabetes“

Jena.  Thüringen hilft: Etwa 600 Kinder und Jugendliche sind in Thüringen vom Typ 1 betroffen. Das Zentrum in Jena hilft ihnen.

Conny Bartzok leitet seit vielen Jahren das Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Thüringen.

Conny Bartzok leitet seit vielen Jahren das Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Thüringen.

Foto: Conni Winkler

Diabetes Typ 1 wird oft mit älteren Menschen in Verbindung gebracht. Ein Irrtum, denn Diabetes ist die häufigste chronische Stoffwechsel-Erkrankung im Kindesalter, weiß Cornelia Bartzok. Sie leitet seit vielen Jahren das Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Thüringen.

Beim Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr. Betroffene müssen ihrem Körper deshalb ein Leben lang Insulin zuführen. Mit Schokolade und Bonbons habe das nichts zu tun, erklärt Diabetologe Rainer Lundershausen aus Erfurt: „Der Typ-1-Diabetes mellitus ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Die Ursache ist nicht restlos geklärt. Familiäre Faktoren, Umwelteinflüsse, aber auch Infekterkrankungen können einen auslösenden Einfluss haben. Der Typ-1-Diabetes ist mit zugeführtem Insulin und einem aufwendigen Selbstmanagement gut zu behandeln.“

Doch dieses Selbstmanagement – etwa die penibele Kontrolle der Ernährung – ist schon für Erwachsene auf Dauer nervend, „für Kinder und deren Eltern ist es eine wahnsinnige Aufgabe“, so Bartzok. Im Pubertätsalter ist es oft die rebellische Art der Jugendlichen, die durch Nachlässigkeit zu brenzligen, durchaus lebensbedrohlichen Situationen führen kann. Dabei machen moderne Geräte wie automatische Insulinpumpen den Erhalt des Insulinspiegels viel sicherer und einfacher als Spritzen. Etwa 600 Kinder sind in Thüringen vom Diabetes Typ 1 betroffen, schätzt die Leiterin. Konkrete Zahlen gibt es infolge eines fehlenden Registers nicht.

Im Krankenhaus werden die jungen Patienten zwar korrekt eingestellt. Aber den täglichen Umgang mit der Krankheit erfahren die Kinder und deren Eltern erst in den Kursen des Beratungszentrums. „Denn in den Kliniken fehlt dafür oft das Personal und vor allem die Zeit“, sagt Bartzok. Auch bei Anträgen und Widersprüchen hilft das Zentrum, denn oft müssen die Eltern monatelang um Unterstützung kämpfen, etwa für einen Schulbegleiter für Erstklässler. Denn auch Lehrer sind mit Diabetes und den Folgen für den Schulalltag oft überfordert. Da das Diabeteszentrum auf Spenden angewiesen ist, zählt jeder Euro.

Wer helfen möchte: Spendenkonto IBAN DE53 8305 3030 0018 0046 01. Empfänger: Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche; Verwendungszweck: Thüringen hilft. – Für eine Spendenquittung im Verwendungszweck Adresse angeben.