Ein Stückchen mehr Freiheit durch Insulinpumpen

Jena.  Conny Bartzok erzählt von ihren Erfahrungen mit jungen Diabetikern. Sie hat das 12. Treffen von Insulinpumpenträgern am Samstag in Jena organisiert.

Leiterin der Diabetesberatungsstelle für Kinder und Jugendliche in Jena Conny Bartzok zeigt Kindern am Löwen Lenny, wie man eine Insulinpumpe anlegt. In einer Gürteltasche können die Pumpen verstaut werden.

Leiterin der Diabetesberatungsstelle für Kinder und Jugendliche in Jena Conny Bartzok zeigt Kindern am Löwen Lenny, wie man eine Insulinpumpe anlegt. In einer Gürteltasche können die Pumpen verstaut werden.

Foto: Conni Winkler / OTZ

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Die Leiterin der Diabetesberatungsstelle für Kinder und Jugendliche Conny Bartzok kennt das aus eigener Erfahrung mit ihrem heute erwachsenen Sohn Paul. Er trägt eine Insulinpumpe, die den Körper mit dem lebenswichtigen Hormon versorgt. Paul bekam als Kind Diabetes Typ 1. Bei dieser Stoffwechselstörung produziert der Körper kein eigenes Insulin. Ständige Kontrolle und Beobachtung, ist der Alltag für diese Kinder und Jugendliche. Insulinpumpen erlauben den Trägern und ihren Eltern ein bisschen mehr Freiheit. Am Samstag treffen sich Träger von Insulinpumpen zum 12. Mal zu einer thüringenweit einmaligen Veranstaltung in Jena in der Rathausdiele. 120 Familien erwartet der Verein.

Information, Austausch und Workshops stehen auf dem Programm des Treffens speziell für Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes und deren Eltern. „Natürlich ist es eine gute Gelegenheit, sich an den zehn Ständen des Diabetiker-Fachhandels zu informieren, aber mindestens genauso wichtig ist uns der Austausch der Betroffenen untereinander“, sagt Conny Bartzok.

Die Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Eltern aus ganz Thüringen kommen, können sich kennenlernen oder wiedertreffen und wissen, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Erkrankung. „Ich weiß noch, wie mein Sohn Paul gerade als Jugendlicher unter seiner Krankheit gelitten hat. Es gab Phasen, da hat er rebelliert und sich der Therapie und Kontrolle verweigert.

Er hat einfach nicht gemessen und Fantasiewerte in das Blutzuckerprotokoll geschrieben“, erzählt die 51-Jährige. Bis Paul eine Pumpe bekam, die man auslesen konnte. Bei der Ärztin ist dann alles aufgeflogen. Er habe daraufhin psychologische Betreuung erhalten.

Diabetes und Pubertät

Weil es Paul gerade in der Pubertät so schwer gefallen sei, die Krankheit zu akzeptieren und die ständige Kontrolle zuzulassen und selbst zu übernehmen, liege ihr ein Programmpunkt des Pumpenträgertreffens am Samstag besonders am Herzen: Speziell für Pubertierende wird ein Workshop stattfinden, bei dem sich die Psychologinnen Franziska Grimm und Roxane Elle mit den drängenden Fragen der Heranwachsenden beschäftigen werden: Kann ich Alkohol trinken? Was passiert mit dem Blutzuckerspiegel beim Sex? Was ist, wenn jemand an mir Pumpe und Schlauch bemerkt, denn das ist doch nicht attraktiv? 15 Jugendliche haben sich dafür angemeldet.

Vorteile von Insulinpumpen

Für die Eltern sei das Loslassen und das Abgeben der Verantwortung an die Jugendlichen sehr schwer. „Es gibt Eltern, die überwachen ihre Kinder rund um die Uhr. Das mag noch sinnvoll sein, wenn die Kinder klein sind. Aber wenn sie heranwachsen, müssen die Kinder peu à peu selbst Verantwortung übernehmen.“

Insulinpumpen erlauben den Heranwachsenden zunehmend mehr Freiheit. „Die Entwicklung der Technologie schreitet voran und es gibt jetzt schon Pumpen, die Vorhersagen über den Blutzuckerspiegel treffen können und danach die Insulinabgabe anpassen“, sagt Conny Bartzok. Auch das lästige, nächtliche Messen, das Eltern wie Kinder an die Grenze der Belastbarkeit treibe, falle mit modernen Insulinpumpen weg. „Die Eigenverantwortung für das Einstellen und Ablesen der Pumpe liegt aber weiter beim Träger. Ganz vollautomatisch funktionieren sie eben doch nicht.“

12. Insulinpumpenträgertreffen: Jena, Markt1, Rathaus, Plenarsaal und Rathausdiele, Samstag, 29. Februar, 10-14 Uhr

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