Experten sprechen sich gegen Corona-Auffrischungsimpfungen für alle aus

AFP, mit dpa
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Forscher lehnen generelle Auffrischungsimpfungen zum jetzigen Zeitpunkt ab (Symbolbild).

Forscher lehnen generelle Auffrischungsimpfungen zum jetzigen Zeitpunkt ab (Symbolbild).

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin.  Eine hochrangige Expertengruppe hat sich gegen generelle Auffrischungsimpfungen zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Zu diesen Ergebnissen kommen die Forscher in ihrer Studie.

Die Corona-Impfstoffe sind einer Studie zufolge gegen die derzeit verbreiteten Virusvarianten so wirksam, dass die breite Bevölkerung derzeit keine dritte Impfung benötigt. „Selbst angesichts der Delta-Bedrohung sind Auffrischungsimpfungen für die Allgemeinbevölkerung in diesem Stadium der Pandemie nicht angebracht“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht im Fachmagazin „The Lancet“.

Länder wie Israel haben aus Angst vor der ansteckenderen Delta-Variante begonnen, jedem Bürger eine Auffrischungsimpfung anzubieten, während die Versorgung ärmerer Länder mit Impfstoffen immer noch stockt und Millionen Menschen noch nicht ihre erste Impfung erhalten haben.

Derzeit keine glaubwürdigen Beweise für wesentlich geringeren Schutz

Die Wissenschaftler, darunter Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), überprüften Beobachtungsstudien und klinische Studien, und kamen zu dem Ergebnis, dass die Impfstoffe bei allen wichtigen Virusvarianten nach wie vor hochwirksam gegen schwere Symptome von Covid-19 sind. Die aktuellen Varianten hätten sich nicht ausreichend weiterentwickelt, um der Immunantwort der derzeit verwendeten Impfstoffe zu entgehen.

„Insgesamt liefern die derzeit verfügbaren Studien keine glaubwürdigen Beweise für einen wesentlich geringeren Schutz vor schweren Erkrankungen, was das Hauptziel der Impfung ist“, sagte die Autorin Ana-Maria Henao-Restrepo von der WHO.

Auffrischungsimpfungen besser mit angepassten statt existierenden Vakzinen

Deshalb solle der Fokus auf der weltweiten Verteilung des Impfstoffes liegen und nicht auf einer dritten Impfung. „Wenn die Impfstoffe dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen, könnten sie das Ende der Pandemie beschleunigen, indem sie die weitere Entwicklung von Varianten verhindern“, sagte Henao-Restrepo weiter.

Die Autoren argumentieren zudem, dass es im Falle des Auftauchens neuer, resistenter Virusvarianten besser wäre, auf diese angepasste Auffrischungsimpfungen zu verabreichen, anstatt auf eine Drittimpfung mit existierenden Vakzinen zu setzen.

Zwar könnte es sein, dass irgendwann ein Booster für alle notwendig sein könnte, weil die Schutzwirkung der Impfung nachlässt, oder weil Virus-Varianten der Immunabwehr entkommen. Noch gebe es aber keine klaren Hinweise darauf. Auffrischungsimpfungen könnten aber schon jetzt für bestimmte Menschen infrage kommen, beispielsweise solche mit Immunschwäche.

In Deutschland bekommen Pflegebedürftige, über 80-Jährige und Menschen mit Immunschwäche zum Teil schon eine dritte Impfung angeboten. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission dazu steht noch aus.

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