Nach Lebensmittelkontrollen Mängel in 1845 Thüringer Einrichtungen festgestellt

Erfurt  In Thüringen haben amtliche Lebensmittelüberwacher im letzten Jahr 35.475 Kontrollen in 17.211 Betrieben durchgeführt. In 1845 Einrichtungen wurden dabei Mängel festgestellt.

Schön frisch sollte das Obst und Gemüse sein, bevor es weiter verarbeitet wird. Nicht immer war das der Fall, stellten amtliche Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr in Thüringen fest. Insgesamt erfolgten 2017 im Freistaat rund 35.000 Kontrollen.

Schön frisch sollte das Obst und Gemüse sein, bevor es weiter verarbeitet wird. Nicht immer war das der Fall, stellten amtliche Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr in Thüringen fest. Insgesamt erfolgten 2017 im Freistaat rund 35.000 Kontrollen.

Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

In dem Restaurant fehlt an der Theke ein Waschbecken. Aber die Mitarbeiterin weiß sich zu helfen. Sie „fasste Geld an, leckte sich ihre Hände ab und berührte anschließend das Geschirr“, notieren die Kontrolleure. In der Küche liegt „rohes Geflügel mit einer Oberflächentemperatur von über 20 Grad Celsius“. Auf einem Schneidebrett wird ein „schimmelähnlicher Belag“ entdeckt.

Im Jahresbericht 2017 der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Thüringen finden sich gleich eine ganze Reihe solcher Fälle. 35.475 Kontrollen führen die Veterinär- und Lebensmittelämter in 17.211 Betrieben durch. In 1845 Einrichtungen werden Mängel festgestellt. Die Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften bewegen sich mit 10 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres.

Fast die Hälfte aller Verstöße (45 Prozent) sei auf Mängel bei der allgemeinen Hygiene zurückzuführen, wie beispielsweise auf eine unzureichende Ausstattung der Betriebsräume oder ungenügende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, heißt es.

An zweiter Stelle werden fehlende Mitarbeiterschulungen und Mängel bei der Durchführung betrieblicher Eigenkontrollen aufgelistet (25 Prozent). An Platz drei rangieren Mängel bei der Kennzeichnung und Aufmachung der Lebensmittel (20 Prozent).

Wegen des schlampigen bis fahrlässigen Umgangs mit Lebensmitteln werden 1950 Verfügungen erlassen, 19 Sicherstellungen durchgeführt und 728 Verwarnungen ausgesprochen. „Aufgrund festgestellter Mängel wurden 233 Bußgeldverfahren eingeleitet“, halten die Kontrolleure fest. Auf gut 50 Seiten haben sie die Verfehlungen des vergangenen Jahres aufgeschrieben. Darunter: Rattenbefall in einer Wohnung über einer Gaststätte. Als daraufhin auch das Restaurant unter die Lupe genommen wird, stellt sich schnell heraus, dass die Nager auch hier aktiv waren. Hinzu kommen stark verunreinigte Räume und Gerätschaften. Die Folge: „Die zuständige Behörde schloss die Gaststätte und wies die Entsorgung aller offenen Lebensmittel an“, ist im Lebensmittelbericht zu lesen. In einer weiteren Gaststätte werden ebenfalls „extreme Reinigungsmängel“ attestiert und obwohl eine Schädlingsbekämpfungsfirma zum Einsatz kommt, tummeln sich Schaben in der Küche, im Lagerraum und der Toilette des Gastraumes.

Auch in einer Bäckerei kann einem der Appetit eher vergehen. Hier sind tote Insekten und Teile davon mit eingebacken worden. In einem Gärkörbchen, das zum Gehenlassen von selbstgemachtem Brotteig genutzt wird, finden sich „verkrustete Schichten mit Bohrlöchern und Bohrgängen, tote Käfer, verschiedene Insektenteile und Häutungshüllen sowie Schimmel“. Maschinen zur Brot­herstellung sind „mit Staub, Fettablagerungen, massiven Verkrustungen, Lebensmittelresten, Spinnweben und Käfern verschmutzt“. Das Handwaschbecken in der Backstube ist dreckig und funktioniert nicht mehr.

In 34 Fällen seien sogar Strafanzeigen erstattet und die entsprechenden Vorgänge an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden, so die Prüfer.

Im Landesamt für Verbraucherschutz werden 2017 zudem 7456 Lebensmittelproben, davon 169 Weine, 286 kosmetische Artikel, 454 Bedarfsgegenstände und 17 Tabakwaren untersucht. 4044 Proben stammen den Angaben zufolge von Thüringer Herstellern, 505 Proben aus anderen Mitgliedstaaten der EU und 270 Proben aus Drittländern.

Von den 528 beanstandeten Lebensmittelproben entfallen überdurchschnittlich viele auf Fleischerzeugnisse und Wurstwaren, feine Backwaren, Konfitüren und Fruchtaufstriche, Honig und zubereitete Speisen. „Hinsichtlich der Beanstandungsgründe liegen in diesem Jahr erneut Verstöße gegen Kennzeichnungsvorschriften an der Spitze (249 Proben)“, rügen die Lebensmittelhüter.

Es folgten irreführende Angaben oder eine wertgeminderte Beschaffenheit (189 Proben) und die Beurteilung als nicht zum Verzehr geeignet (90 Proben).

Trotz zahlreicher Missstände stellt Sozialministerin Heike Werner (Linke) den Unternehmen im Freistaat ein gutes Zeugnis aus. Der weit überwiegende Teil handele verantwortungsbewusst gegenüber den Verbrauchern und halte die gesetzlichen Bestimmungen ein.

„90 Prozent der kontrollierten Lebensmittelbetriebe und Einrichtungen wiesen keine oder nur geringfügige Mängel auf, die keine behördlichen Maßnahmen erforderten“, betont Werner. Lediglich 7,6 Prozent der Lebensmittelproben, 12,7 Prozent der Proben von kosmetischen Mitteln und 11,2 Prozent der Proben von Bedarfsgegenständen seien zu beanstanden gewesen, nur 0,6 Prozent der untersuchten Proben als gesundheitsschädlich beziehungsweise gesundheitsgefährdend beurteilt worden.

„Die Ergebnisse knüpfen an die positive Entwicklung der vergangenen Jahre in Thüringen an. Das sind gute Nachrichten“, lobt die Ministerin.

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