Fridays For Future: Erste Bußgeldbescheide für Eltern – bisher keine Sanktionen in Thüringen

Berlin  Weil ihre Kinder bei Fridays For Future (FFF) protestierten statt zur Schule zu gehen, sollen Eltern Bußgeld zahlen. Die Betroffenen sind fassungslos. Aus Thüringen ist noch kein Fall bekannt.

„Die Zeit rennt ihr pennt“, steht auf dem Banner, was Schülerinnen und Schüler der „Fridays For Future“-Bewegung in Gotha während einer Demonstration halten.

„Die Zeit rennt ihr pennt“, steht auf dem Banner, was Schülerinnen und Schüler der „Fridays For Future“-Bewegung in Gotha während einer Demonstration halten.

Foto: Claudia Klinger

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Immer wieder freitags demonstrieren Schüler im ganzen Land für besseren Klimaschutz – zu Zeiten, in denen sie eigentlich im Unterricht sitzen sollten. Schon zu Beginn der FFF-Proteste hagelte es deshalb Kritik von Politikern. Nun greift auch erstmals eine Schule zu einer drastischen Maßnahme: Sie verschickte Bußgeldbescheide.

Wie der „Mannheimer Morgen“ berichtet, hätten die Eltern von schulpflichtigen Kindern in Mannheim einen solchen Bescheid erhalten, weil sich die Schüler an den Klimademonstrationen beteiligt haben. Das zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe bestätigte der Zeitung das Vorgehen.

88,50 Euro Bußgeld fürs Schuleschwänzen

Dem Bericht zufolge soll vier Familien eine Geldstrafe von 88,50 Euro zahlen. Die Kinder hätten jeweils unentschuldigt in zwei Unterrichtsstunden gefehlt. Der Mannheimer Ableger von „Fridays For Future“ wolle bei der nächsten Demonstration Spenden für die betroffenen Schüler sammeln. Die Eltern hatten sich zunächst mit einem anonymen Brief an den „Mannheimer Morgen“ gewendet. Darin habe es geheißen: „Wie kann eine Schule, die sich nach Sophie und Hans Scholl benennt, so mit Kindern umgehen, die sich politisch interessieren und engagieren?“

Die betroffenen Kinder besuchen das Geschwister-Scholl-Gymnasium im Mannheimer Stadtteil Vogelstang. Die Geschwister Scholl widersetzten sich als Teil der „Weißen Rose“ während des Zweiten Weltkriegs dem totalitären Regime der Nationalsozialisten.

Doch kein Bußgeld für die Schwänzer

Nachdem bekannt wurde, dass eine Schule in Mannheim Bußgelder gegen Eltern von vier Schülern verhängt hat, wurden die Bescheide am Donnerstag wieder zurückgenommen.

Offenbar hatte Protest zum Umdenken geführt. Vor allem im Internet kritisierten viele, wie eine Schule, Menschen bestrafen kann, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

„Nachdem die Stadt Mannheim auf Anzeige der Geschwister-Scholl-Schule Bußgeldbescheide wegen Verstoßes gegen die Schulpflicht gegen vier Schüler erteilt hat, hat sie sich in diesen konkreten Fällen nach umfassender Prüfung dazu entschlossen, diese Bußgelder wieder aufzuheben“, heißt es in einer Mitteilung, die unter anderem Hitradio FFH und der SWR zitieren.

Bisher keine Bußgelder für Beteiligung an FFF-Demos in Thüringen bekannt

Für die Beteiligung an FFF-Demonstrationen sind nach Ministeriumsangaben in Thüringen bisher keine Bußgeldbescheide verschickt worden. „Solche Sanktionen sind uns nicht bekannt“, sagte ein Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums am Donnerstag in Erfurt. Letztlich müssten aber die Schulen die Ordnungsämter einschalten, wenn sie gegen Fehlzeiten von Schülern vorgehen wollten.

„Es sollte jedoch versucht werden, die Schulpflicht und das Engagement für Klimaschutz zu vereinbaren“, so der Ministeriumssprecher. Diese Empfehlung habe das Ministerium auch den Schulen gegeben. „Die Lehrer sollten mit den Schülern über dieses Thema ins Gespräch kommen.“

Die „Fridays For Future“-Demos waren Anfang des Jahres aufgekeimt – inspiriert von der 16-jährigen Schülerin Greta Thunberg, die in der Folge für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. Die „Fridays For Future“-Bewegung fordert unter anderem einen raschen Kohleausstieg. Auch den nun diskutierten CO2-Preis dürfen sich die Aktivisten als Erfolg auf die Fahne schreiben: CO2-Steuer: Welche Partei das Geld wie zurückgeben will.

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